Test: Opel Astra (5. Generation)

Opel Astra 1.4 Turbo

Jetzt noch kompakter

Mit dem neuen Astra will Opel wieder zu den Erfolgsmodellen in der Kompaktklasse aufschließen. Die 5. Generation ist fünf Zentimeter kürzer geworden, noch dazu leichter, und sie verbraucht auch weniger dank neuer Motoren.

 

 
 
25. September 2015

Dem Opel-Chef Karl-Thomas Neumann war der Stolz anzumerken, als er auf der IAA 2015 den neuen Astra vorstellte. Er schloss mit den Worten: „Sie sehen: Opel ist wieder da!“ Wirklich, da stand er: Der neue Astra, die 5. Generation nach der Umbenennung vom Kadett, ist ein weiterer Lichtblick.

Schon mit Insignia, Adam und Karl hat Opel gezeigt, dass gutes Design, pfiffige Detail-Lösungen und attraktiver Preis nicht von anderen Fabrikaten reserviert ist. Und nun der neue Astra, was kann er? Wir haben ihn bereits gefahren.

Er kann vor allem: kürzer und kleiner. Volle 5 Zentimeter ist die Karosserie geschrumpft, dazu noch um bis zu 200 Kilogramm leichter geworden. In einer Zeit, in der jede neue Fahrzeuggeneration noch ein bisschen größer wird als die vorherige, lässt das aufhorchen.

Innenraum-Abmessungen fast unverändert

Doch dass der Kompaktwagen etwas leichter eine Parklücke findet, führt im Innenraum nicht zu größerer Enge: Nach wie vor haben vier Personen Platz, der Kofferraum ist minimal 370 Liter groß, also identisch mit dem Vorgänger. Bei zurückgeklappter Rückbank passen 1.210 Liter in den Laderaum, das sind geringfügig weniger als bisher.

Der Astra K ist zwar komplett neu konstruiert, sieht seinem Vorgänger jedoch sehr ähnlich – offenbar war da nicht viel zu verbessern. Die Neuerungen sind eher spür- als sichtbar: Das geringere Gewicht macht beim Fahren Spaß: Flott und leichtfüßig ist der 1,3 Tonnen schwere Astra auch auf kleinkurvigen Landstraßen unterwegs und zeigt sich auf Autobahnpassagen betont komfortabel ausgelegt.

Fahrprogramme und adaptives Fahrwerk fehlen hingegen völlig. Das überrascht uns, weil der Vorgänger ein variables Fahrwerk im Programm hatte. Auch bei den Antriebsvarianten hat der Opel Lücken. So spart sich der Hersteller beim neuen Astra erneut sowohl Allradantrieb als auch einen leistungsstarken Topdiesel (derzeit 95 bis 136 PS), verzichtet auf Doppelkupplungsgetriebe und bietet bei der optionalen Sechsstufenautomatik zunächst keine Start-Stopp-Funktion an.

Normverbrauch 4,3 Liter auf 100 km

Bei den Motoren fährt der Opel Astra auf der Höhe der Zeit. Das Spektrum reicht zum Marktstart von 95 bis 200 PS. Selbst der Einsteiger-Motor mit 100 PS, der nur drei Zylinder mit 1,0 Liter Hubraum hat, entwickelt dank Turbo erfreuliche Agilität. Sein Verbrauch wird mit sensationellen 4,3 Liter auf 100 km angegeben, knapp 6 Liter dürften es in Realität sein – das ist auch noch okay. Für die meisten Kunden dürfte indes der 110 kW / 150 PS starke Astra 1.4 Turbo die rechte Wahl sein.

Ungewöhnlich finden wir allerdings, dass Astrakäufer die verbrauchsreduzierende Start-Stopp-Automatik mit 200 Euro extra bezahlen müssen. Sie reduziert den Normverbrauch angeblich von 5,4 auf 4,9 Liter Super, kostet jedoch auch einiges an Dynamik, denn der Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h erhöht sich durch eine andere Getriebeabstufung von 9,0 auf fast 11 Sekunden.

Überhaupt hat man im aufgeladenen 1,4-Liter-Triebwerk selten das Gefühl, mit 150 PS und einem maximalen Drehmoment von 245 Nm (2.000 bis 3.500 U/min) unterwegs zu sein. Besonders aus niedrigen Drehzahlen tut sich der Astra damit schwerer als erwartet. Die Fahrleistungen sind mit 215 km/h Höchstgeschwindigkeit und 0-100 in 8,5 Sekunden jedoch völlig in Ordnung.

Fahrersitz mit Massagefunktion

Doch bei allem Lob: Einen Golf hat Opel nicht gebaut. Wer sich den Astra-Innenraum mit seinem angestaubten Design von Instrumenten (mit relativ kleiner Beschriftung) und Bedienelementen sowie zahlreichen Hartplastikverkleidungen anschaut, sieht unverändert einen deutlichen Rückstand zum Wolfsburger.

Daran ändern auch exzellente Sitze mit Klimatisierung und Massagefunktion nichts, die unterhalb der Premiumkompakten Audi, BMW und VW das neue Maß der Dinge darstellen und selbst eine Mercedes A-Klasse alt aussehen lassen.

Das würde man sich auch vom Navigationsgerät wünschen, das zwar einen zum fairen Preis auf der Zubehörliste steht, aber beim Thema intuitive Bedienung und Funktionen (Echtzeit-Verkehrsinformationen) doch ein paar Wünsche offen lässt.

Kein neues Coupé vorgesehen

Auf der Habenseite steht dagegen eine üppige Liste an Assistenzsystemen, die auf Wunsch eingebaut werden: Das LED-Matrixlicht leuchtet automatisch die gesamte Fahrbahn aus, ohne Vorausfahrende zu irritieren, blendet aber bei herannahendem Gegenverkehr automatisch ab. Es kostet ab 1.150 Euro.

Außerdem gibt es Rückfahrkamera, Parkassistent, Kollisionswarner und einen Spurassistenten mit automatischer Lenkkorrektur. 

Der Astra wird zunächst nur als Fließheck-Fünftürer angeboten; der geräumige Kombi folgt im Frühjahr. Das dynamische GTC-Coupé wird ohne Astra-Namensannex in der Nomenklatur zunächst weiter gebaut. Es wird wegen schwacher Verkaufszahlen jedoch keinen neuen Dreitürer geben.

Klimaautomatik und Start-Stopp als Extras

Der Basispreis des 105 PS starken Dreizylinders im Opel Astra 1.0 liegt bei 17.260 Euro. Dafür gibt es jedoch nicht viel mehr als ein Fünfgang-Schaltgetriebe, manuelle Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn und ein Grundpaket an Sicherheitsausstattungen.

Unser Kauftipp ist der mindestens 23.710 Euro Astra 1.4 Turbo Dynamic mit Tempomat, Touch Screen, Nebelscheinwerfer und On-Star-System inklusive WLAN-Hotspot. Doch selbst hier müssen Klimaautomatik und Start-Stopp-System extra geordert werden.

Sinnvoll sind stets das fest installierte Navigationssystem (ab 790 Euro), sowie Winterpaket (410 Euro) und LED-Scheinwerfer (ab 1.150 Euro).

Ab 10. Oktober wird der Astra ausgeliefert. Weitere Informationen über Opels neues Kompaktauto in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff