Test: Mitsubishi Outlander (Facelift)

Facelift für das Kompakt-SUV

Kampf dem Knistern

Mitsubishi ist stolz auf diese gründliche Überarbeitung des Outlander: An rund 130 Stellen wurde das Kompakt-SUV verbessert – merkbar an der aufgefrischten Optik und dem reduzierten Geräuschniveau.

 
 
6. Oktober 2015

Kurort SUV: Wer sich in den neuen Outlander setzt, entspannt selbst beim Gasgeben. Denn es ist ruhig geworden im Kompakt-SUV von Mitsubishi. Zum aktuellen Facelift der 2012 eingeführten 3. Generation haben die Japaner dem Auto unter anderem geräuschisolierende Scheiben vorne und im Heck verpasst. Dazu kommen verbesserte Dichtungen und stärkere Motorraumverkleidung. Und das kann man hören – indem man nichts hört.

Zu dieser Symphonie der Still trägt auch die erhöhte Steifigkeit der Karosserie bei, die durch einen höheren Anteil an hochfesten Stählen erreicht wurde. Nebenbei verbessert sie natürlich auch noch das Fahrverhalten. Kampf dem Knirschen, Knacken und Knistern: Über 40 Fahrzeugbereiche haben sich die Entwickler laut Mitsubishi vorgeknöpft und geräuschoptimiert. Zu hören ist selbst bei schnellerer Fahrt nur das Rauschen des Windes und das gedämpfte Abrollgeräusch der Reifen.

Der Motor – egal, ob Diesel oder Hybrid – meldet sich akustisch allenfalls beim Anlassen und beim Beschleunigen. All das ist Voraussetzung dafür, dass sich die zwölf im Wagen verteilten Lautsprecher samt dem im Kofferraum versteckten Subwoofer genüsslich austoben können. Hier kommt der Lärm also allenfalls von innen.

Neu: Elektromechanische Lenkung

Und was sieht man vom Facelift? Der Outlander wirkt insgesamt dynamischer (aber keine Sorge, das sieht nur so aus). Die Front- und Heckschürzen mit silberfarbenem Unterfahrschutz, serienmäßig 18-Zoll-Leichtmetallräder, neue Halogenscheinwerfer (gegen Aufpreis auch LED-Scheinwerfer) und Tagfahrlichter sowie Rückleuchten mit LED signalisieren den Wandel. Dazu kommen breitere Kotflügel vorne und in Wagenfarbe abgesetzte Seitenschweller.

Mitsubishi hat diese Formensprache „Dynamic Shield“ getauft: optisch länger, breiter, niedriger, aber auch irgendwie archaisch-kämpferisch (Shield ist das englische Wort für den guten, alten Schutzschild). Innen hat der wie gehabt mit bis zu sieben Sitzen konfigurierbare Outlander ein neu gestaltetes Vierspeichenlenkrad bekommen, die Lenkung arbeitet spritsparend elektromechanisch. Außerdem gibt es überarbeitete und deutlich konturiertere Vordersitze mit besseren Sitzflächen, Akzentleisten für die Verkleidung der Türen und Instrumententafel.

So ganz zufrieden sein kann man mit dem Design und der Funktionalität des neuen Armaturenbretts allerdings nicht. Die vielen Knöpfe sind relativ willkürlich verteilt, während der Fahrt zum Teil schlecht auszumachen und zu bedienen. Warum die Knöpfe für Frontscheiben- und Lenkradheizung ganz unten in der Mittelkonsole zu finden sind, die Belegungsanzeige der Sicherheitsgurte dagegen im besten Sichtfeld – keine Ahnung, was sich Mitsubishis Designer dabei gedacht haben.

Was nicht so viel Spaß macht

Auch die Überarbeitung des Navigations-Systems ist allenfalls ein Teilerfolg. Völlig willkürlich erscheint die Darstellung der Abbiegespuren auf der Autobahn - mal gibt es sie, mal nicht. Und auch die farbliche Markierung der gewählten Fahrstrecke klappt nicht gerade zuverlässig.

Die Menüstruktur ist zudem unlogisch und kaum selbsterklärend, die Einbindung eines Smartphones über Bluetooth ins Entertainment-System mündete schließlich – zumindest bei uns – in Verzweiflung. Wer im Laderaum richtig viel Platz braucht, der kann die Rücksitze umlegen.

Das heißt, er könnte, wenn er oder sie ausgiebig die Betriebsanleitung studieren und anschließend alle Hebelchen richtig umlegen bzw. bedienen bzw. die Schlösser der Sicherheitsgurte an den korrekten Positionen ablegt. Zur Not kann man das Fischen nach den Teilen ja als Familienspiel anlegen. Immerhin: Bis zu 1.754 Liter Laderaum sind in der zweisitzigen Konfiguration möglich.

Hybrid bleibt im Angebot

Auch der Antrieb wurde revidiert. Der erst vor einem Jahr in Deutschland eingeführte Plug-In-Hybrid bleibt im Angebot. Die 89 kW/121 PS eines 2-Liter-Benziner vorne wird kombiniert mit zwei Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse, die jeweils zusätzliche 80 kW/82 PS dazu packen – zumindest so lange der Lithium-Ionen-Akku noch Saft hat. Schlapp wird er schnell, weil die Rekuperationswirkung eher bescheiden ist. Mitsubishi hat die rein elektrische Reichweite für das 1,9 Tonnen schwere SUV mit immerhin 52 Kilometern angegeben.

Sind die Akkus leer, sinkt das Temperament des Hybrid-Outlander auf Winterschlaf-Niveau. Als Höchstgeschwindigkeit nennt Mitsubishi 170 km/h - „wo erlaubt“. Der Benzinverbrauch nur mit Verbrennungsmotor liegt laut Mitsubishi bei 5,5 Litern pro 100 Kilometer, in der Wirklichkeit dürften es also mindestens 7 Liter sein.

Neu ist eine stufenlose CVT-Automatik für den 2,0-Liter-Benziner. Sie sorgt für ein besseres Schaltgefühl, flottere Beschleunigung und eine optimalere Drehmomentabgabe – schluckt aber immer noch einen Teil der Agilität.

Ein Rennpferd ist das nicht

Wer mit dem Outlander Vollgas gibt, muss ein wenig Gelassenheit mitbringen – ein Rennpferd hat man nicht unterm Hintern, eher einen Kaltblüter. Der 2,0-Liter-Benziner leistet 110 kW/150 PS. Beim Fronttriebler wird er mit einem handgeschalteten Fünfgang-Getriebe kombiniert.

Das CVT-Getriebe ist in der Variante mit Allradantrieb zu finden. Start-Stopp ist bei allen Ausführungen  serienmäßig, wer noch mehr sparen will, drückt den ECO-Knopf. Dann werden Motorcharakteristik und Klimaanlage auf Sparmodus getrimmt und im Allradbetrieb die Betriebsart 4WD ECO gewählt. Die

Alternative ist das 2,2-Liter-Dieseltriebwerk,das ebenfalls 110 kW/150 PS leistet, aber beim Handschalter ab 1.750 U/min. ein maximales Drehmoment von 380 Nm an die Antriebsachsen schickt. Beim CVT-Getriebe kommen dort 20 Nm weniger an.

Lenkung fast zu leichtgängig

Dass die Ingenieure auch erfolgreich am Fahrwerk geschraubt haben, merkt man schon nach wenigen Metern. Der Outlander wird zwar verliert zwar nicht seine bauartbedingte Behäbigkeit – als SUV ist er mehr zum Cruisen und entspannten Fahren gedacht. Aber das kann er um so besser. Souverän walzt er auf der Autobahn auch kleinere Blow-ups weg und schwankt auch nicht durch Kurven wie ein Wackelpudding.

Ein steiferer Fahrwerksquerträger, ein vergrößerter Dämpferdurchmesser an der Hinterachse sowie Federn und Stoßdämpfer mit geänderten Kennungen machen es möglich. Die Lenkung jedoch weckt zwiespältige Gefühle.

Sicher, sie ist präzise und spricht sofort an. Aber im Plug-In-Hybrid ist sie sehr leichtgängig ausgelegt. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, und der Öko-Outlander läuft aus der Spur. Im Diesel dagegen braucht es etwas mehr Kraft, um die Lenkung zu bedienen – der Wagen zieht ruhiger seinen Weg und gelassener.

Preis steigt um 1.000 Euro

Sicherer ist das Kompakt-SUV auch noch geworden, sofern der Käufer das wünscht und bezahlt: Diverse, meist aufpreispflichtige Assistenzsysteme sind im überarbeiteten Outlander zu finden. Bedingung ist allerdings, dass das CVT-Getriebe installiert ist. Bequem ist insbesondere die adaptive Geschwindigkeitsregelung. Sie überwacht den Straßenbereich bis zu 200 Meter weit auf vorausfahrende Fahrzeuge und stellt automatisch den Sicherheitsabstand her.

Dieser Assistent kooperiert mit einem radargestützten Frühwarnsystem, das Kollisionen vermeiden soll und bei Bedarf die automatische Bremsung veranlasst. Hinzu kommt ein Spurhalteassistent, das sich mit Penetranz zu Wort meldet, wenn das Fahrzeug eine Markierungslinie auf der Fahrbahn quert.

Der Einstiegspreis für den 2.0-Benziner mit Vorderradantrieb liegt mit 23.990 Euro exakt 1.000 Euro über dem bisherigen Basispreis, für den Plug-In-Hybriden bleibt es bei 39.990 Euro. Wer will, der kann mit der Top-Version des Hybriden aber auch problemlos 51.000 Euro los werden. Der 7-sitzige Diesel kostet frontgetrieben ab 31.490 Euro, mit Allradantrieb und 6-Gang-Automatik aber auch schon 35.290 Euro.

Weitere Informationen über den neuen Mitsubishi Outlander nach dem Facelift in der Bildergalerie.
 

Jetzt Mitsubishi Outlander suchen

Das Kompakt-SUV von Mitsubishi wird seit 2001 gebaut. Die 2. Generation gibt es ab Frühjahr 2007, seitdem auch mit Diesel. Die 3. Generation kam 2012.

Outlander-SUV bei mobile.de

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff