Test: Mini Clubman (3. Generation)

Aufstieg zum Kompaktwagen

Ist dieser Mini zu groß?

Oh Schreck: Der neue Mini Clubman ist kein Mini mehr – zumindest nicht hinsichtlich der Größe: Denn mit dem Kombi, um 30 cm länger als zuvor, wächst die Marke endgültig aus dem Kleinwagen-Format hinaus.

 
 
30. September 2015

Was ist der Unterschied zwischen Käfer und Mini? Ganz einfach: Beim Käfer hieß es damals: Er läuft und läuft und läuft... Beim Mini dagegen heute: Er wächst und wächst und wächst... Jetzt wieder ein Stück: Der neue Clubman, offiziell die Kombi-Version des beliebten Brit-BMW, ist um unverschämte 30 Zentimeter länger geworden.

Damit sollte ihm von Gesetzes wegen der Name „Mini“ aberkannt werden. Ein Maxi ist er natürlich deswegen immer noch nicht; eher irgendwas dazwischen. Dieser „Medi“ misst also nun 4,25 Meter, man lese und lache: Ein Kompakt-Mini.

Auch in der Breite hat der Kombi ganz schön Speck auf die Hüften bekommen, ist jetzt 1,80 Meter breit und damit rein rechnerich 1 ganzen Millimeter dicker als das Maß aller (Kompakt-) Dinge, der VW Golf. Oha – doch das sind Statistik-Spielereien. Fest steht: Ohne Marktforschung hätte BMW-Mini diese Aufplusterung nicht veranlasst, also muss Bedarf da sein.

Dieser Mini will getreten werden

Der beträchtliche Zusatz-Raum kommt auch im Innenraum an: das Schulterkuscheln ist passé und selbst im Fond finden jetzt großgewachsene Menschen gemütlich Platz. Das liegt auch an der veränderten Sitzposition: die Passagiere ruhen ein bisschen tiefer als bisher.

Auch der Kofferraum verdient mit einem Volumen von 360 bis 1.250 Liter endlich seinen Namen. Für die Türöffnung hat Mini sich eine kleine Spielerei ausgedacht: Dafür möchte der Mini Clubman nämlich buchstäblich getreten werden.

Naja, beinahe: Mit einem Schwung des Fußes unter die Stoßstange öffnet sich zunächst die rechte, beim zweiten Zutreten klappt die linke Türe auf und öffnet die Ladeluke komplett. Denn der Clubman hat jetzt zwei Hecktüren. Damit ist der praktische Zauber auch schon vorbei: Ein automatisches Schließen der Türen ist nicht im Programm.

Klavierlack und Plastik-Chrom

Mini versucht auch in anderer Hinsicht, über sich hinauszuwachsen: Man gab sich Mühe, im Innenraum die Material-und Verarbeitungssünden der Vergangenheit vergessen zu machen. Das Armaturenbrett hat jetzt eine Spange aus Klavierlack, oben platzierte Teile sind unterschäumt und Alu- Applikationen machen den guten ersten Eindruck komplett.

Kleine Schwächen bleiben dennoch: Der Fahrerlebnisschalter fühlt sich irgendwie fummelig an und rastet nicht so satt ein, wie wir das bei einem Premium-Fahrzeug erwarten. Immerhin kostet das Riesenbaby das als Cooper S mit Automatikgetriebe mindestens 29.450 Euro.

Auch der Hartplastik-Bereich um den Getriebewahlhebel herum sieht einfach billig aus  – und die Chromringe um die Rundintrumente und den Belüftungselementen sind natürlich nicht aus Chrom, sondern aus Plastik. Mehr Schein als Sein? Abwarten.

Lustiger Leuchtring und Infotainment-Pizza

Versetzen wir uns in Alltags-Stimmung und checken den Kombi auf seine Praxistauglichkeit: Wer im Innenraum einen durchsortierten Praktiker à la Golf Variant erwartet hat, vergisst, dass er es mit einem Mini zu tun hat. Lifestyle und mitunter etwas aufdringliches „Ich- bin-anders“-Geplapper gehören zu der BMW-Tochter, so wie die Lufthutze auf der Motorhaube bei den S- und John-Cooper-Works-Versionen.

Dazu gehört ein Leuchtring, der sich um eine Infotainment-Pizza zieht und lustig die Farbenwechselt. Die meisten Käufer(innen) werde es lieben; also verkneifen wir uns weitere Mäkelei. Das gleiche gilt für den bunten Bedien-Mix aus Flugzeug-Kippschaltern, herkömmlichen Knöpfen und dem BMW-iDrive- Drehregler.

Immerhin klappt das Zusammenspiel all dieser Elemente problemlos. Kein Zweifel: Bei der Konnektivität und der Handhabung ist BMW der Konkurrenz voraus. Das ist bei Mini nicht anders, auch wenn die Anmutung deutlich pubertärer ist. Dass bei den Helfern ein Toter-Winkel-Assistent fehlt, ist technisch bedingt: Die UKL-Plattform gab offenbar nicht mehr her. Das nächste Facelift wird das wohl ändern.

Beim Fahren bleibt ein Mini ein Mini

Beim Fahren gibt es keinen Schein mehr, nur noch Sein: Durch den längeren Radstand liegt der Clubman souveräner auf der Straße, die durch zusätzliche Streben steifere Karosserie schluckt Boden-Unebenheiten besser, und kratzt die Kurven auch besser. Das neue Fahrwerk schlägt sich wacker, vor allem die adaptiven Dämpfer (kosten allerdings 500 Euro extra) wirken sich positiv bei der Abstimmung des Fahrzeugs aus. Sie vermeiden beim Mini Clubman hartes Abfedern.

Bei den Fahrprogrammen wird Mini wieder spaßig: Der Fahrer kann wählen zwischen „maximales Gokart-Feeling“ (laut Display-Anzeige bei der Einstellung „Sport“) oder ökologisch zurückhaltend („green“) – vermutlich die am seltensten genutzte Einstellung am Mini. Auch wenn die Komfort-Spreizung spürbar ist, bleibt das Tierchen immer frech. Das bedeutet: Immer bleibt die Lenkung präzis, gibt auch eindeutige Rückmeldungen, und das Fahrwerk fühlt sich robust an.

Die Mini-Ingenieure haben sich Mühe gegeben, auch den neuen Clubman zum Slalom-Künstler zu machen. Das ist gut gelungen, das zeigt sich schon bei einem einfachen Ausweichmanöver à la Elchtest. Aber ein Frontriebler gerät auch im Grenzbereich an sein Limit, selbst wenn er Mini heißt. Das bedeutet: leichte Untersteuerneigung und knackiges Stempeln der Vorderräder beim schnellen Anfahren auf nassen Untergrund.

Alle Motoren mit Turbolader

Technisch unterscheidet sich der Clubman nur marginal von den drei- und fünftürigen Varianten. Zunächst stehen sechs Turbo-Motoren – drei Benziner und drei Diesel – zur Verfügung. Es geht mit einem Dreizylinder-Beziner mit 75 kW/102 PS los und endet mit dem Cooper S mit 141 kW/192 PS. Damit ist er vorläufig das Alpha-Tierchen der Familie, bis nächstes Jahr die John Cooper-Works-Variante erscheint.

Der S verbraucht mit Automatik im Labor 5,8 Liter auf 100 Kilometer, in der Realität dürfte der Konsum gegen 8 Liter gehen. Nach 7,1 Sekunden erreicht die Automatik-Version Landstraßen-Tempo und als Spitzengeschwindigkeit gibt Mini 228 km/h an.

Aufgrund der Overboost-Funktion lässt sich das maximale Drehmoment kurzzeitig von 280 auf 300 Newtonmetern steigern. Da es schon bei 1.250 U/min zur Gänze anliegt, kommt man auch mit dem Handschalter entspannt voran.

Die Diesel bleiben sparsam

Wer sich für einen der Vierzylinder-Motoren entscheidet, kann sich zwischen der Sechsgang-Handschaltung und der Achtgang-Automatik (2.000 Euro Aufpreis) entscheiden. Die ergänzt den Cooper-S-Turbo-Vierzylinder ebenso wie seine Brüder ziemlich gut, auch wenn der sportlich versierte Fahrer immer zur Handschaltung greifen wird.

Das Start-Stopp-System funktioniert mit der Automatik sehr geschmeidig und das Getriebe raubt dem Motor auch nur wenig Temperament. Unterm Strich schlägt sich die japanische Automatik besser, als das ZF-Pendant, welche ebenfalls bei Fahrzeugen mit Frontantrieb quer eingebaut wird.

Wer den Mini immer noch hartnäckig für einen Kleinwagen hält, wird spätestens beim Verbrauch akzeptieren, dass hier nicht nur die Silhouette, sondern auch das Gewicht zugelegt hat. Einzig der Diesel ist – wie schon beim Vorgänger – erfreulich genügsam: 116 PS sind ausreichend für den rund 1,3 Tonnen schweren Clubman, der damit nach Norm (also theoretisch) 3,8 Liter auf 100 km verbraucht. Auch die beiden stärkeren Selbstzünder (150 bzw. 190 PS) schlucken nicht wesentlich mehr.

Weitere Informationen über den neuen Mini Clubman in der Bildergalerie.

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll