Test: Mercedes SL (Facelift)

Ein Traumauto wird renoviert

(Luxus-)Klassenerhalt

Seit Jahrzehnten träumen die Menschen vom luxuriösen Roadster Mercedes SL. Die aktuelle Modellpflege ist dünner denn je, und doch gelingt Mercedes damit fast mühelos der Klassenerhalt.

 
 
14. März 2016

Wenn ein Auto im Hause Mercedes über eine legendäre Historie verfügt, dass ist das der Roadster SL. Sein grazil-elegantes Design hat ihn seit den 50er Jahren zu einer eigenen Marke werden lassen, von der die Öffentlichkeit zu Recht das Besondere, nein, das Außergewöhnliche erwartet.

Die einzelnen Modelle transportierten in allen Epochen der Bundesrepublik die Schönen und Reichen stilsicher und bei zumeist geöffnetem Dach für jeden weithin sichtbar durch die Lande. Nach seinem Ursprungsmodell W198 II war der SL weniger ein Sportwagen, sondern eher eine souverän motorisierte Sonnenterrasse, die an der Cote d’Azur ebenso zum Straßenbild gehörte wie in Grünwald oder den seichten Hügelketten von Beverly Hills.

Und das ist bis heute so geblieben: Der SL fetzt nicht gern durch die Serpentinen, sondern parkt lieber zwischen den Dünen. Und auch der neue ist lieber gediegenes Fotomotiv für die High Society als dynamisches Fluchtfahrzeug für Paten.

Gelungene neue Fahrzeug-Front

Doch Mercedes hat sein sportlich-elegantes Aushängeschild in den letzten 15 Jahren ein wenig vernachlässigt. Der SLK war als sportlich-kompakter SL-Erbe nun mal da, und die Kundschaft griff freudig zu. Um so schwieriger schien es, ein 2. lururiöses Cabriolet an den Mann zu bringen.

Der Hersteller versucht nun also einen Neuanfang, indem der SL als Cabrio-Ausführung der S-Klasse ausgegeben wird. Preislich leuchtet das ohne Weiteres ein: Ab etwas über 99.000 Euro soll der Klappdach-Roadster nach dem Facelift kosten, der SLK (der inzwischen SLC heißt, also zur C-Klasse gewissermaßen degradiert wurde) beginnt bei knapp 35.000 Euro.

Was ist sonst noch anders? Die neue Front wirkt ziemlich gelungen: Das reicht von den – längst überfälligen – LED-Scheinwerfern bis zu dem glitzernden Diamant-Kühlergrill. Fraglos hat der SL damit an Dynamik und Eleganz gewonnen. Doch insbesondere das Heck war unscheinbarer denn je, und der Innenraum mag ja ahochwertig sein, doch auch er lässt Wünsche des verwöhnten Roadsterklientel offen.

Nüchterner Luxus im Innern

Der Preis bleibt natürlich ungern niedriger als 100.000 Euro, und das hat nicht nur mit der endlosen Ausstattungsliste zu tun, sondern es beginnt bereits bei der Suche nach der perfekten Motorisierung: Perfekt ist eigentlich schon der SL 500, der auf dem Hauptmarkt USA unverändert SL 550 heißt und mit seinem 455 PS starken Achtzylinder-Turbo eine ideale Symbiose aus Sportlichkeit und Souveränität bietet. Wer noch mehr Dampf will, ordert den in Sachen Längsdynamik beeindruckenden SL 63 AMG mit 585 PS oder verdoppelt den 500er-Preis von mindestens 122.897 Euro mit dem übermächtigen Mercedes AMG SL 65.

Natürlich fühlt sich auch das Grundmodell Mercedes SL 400 niemals untermotorisiert an: Sein aufgeladener Dreiliter-V6 mit 270 kW / 367 PS bringt den knapp 1,8 Tonnen schweren Edel-Roadster allemal kraftvoll auf Touren. Doch trotz 500 Nm maximalem Drehmoment zwischen 2.000 und 4.200 U/min, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit und 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden – also immerhin halb so schnell => wie das PS-Monster Bugatti Chiron – ist die Maschine relativ klein.

Das gilt für den unter Last leicht angestrengten Motorklang ebenso wie den Durchzug in höheren Drehzahlbereichen. Hier kann auch die verbesserte Neungang-Automatik keine Wunder vollbringen, obschon sie die Drehzahlsprünge beim Gangwechsel geringer denn je hält und einen Normverbrauch von 7,7 Litern SuperPlus realisieren soll. Doch dem SL 400 fehlt jene entspannte Souveränität, die einen Achtzylinder im SL unverzichtbar macht.

Kundschaft zieht Komfort vor

Die genießt man in dem wenig innovativen, aber perfekt geschnittenen Innenraum. Die klimatisierten Ledersitze mit Massagefunktion lassen einen in Sekundenbruchteilen mit dem Luxuszweisitzer verschmelzen. So etwas sitzt wie ein perfekter Sneaker, mit dem man am Wochenende zu einer lässigen Party düst. 

Der Komfort, den der Mercedes SL im versammelten Galopp bietet, ist gerade mit der optionalen Verstelldämpfung des Active Body Control einmal mehr beeindruckend. Dabei säuselt der Fahrwind, je nach Stellung von Seitenscheiben und elektrischem Windschott, kaum spürbar am Haupthaar vorbei.

Erstmals kann sich der Mercedes SL dabei wie ein Motorradfahrer leicht in die Kurven neigen, indem die einzelnen Federbeine an die Kurve angepasst werden. Auch das wird die zumeist gemütliche Kundschaft, die Komfort jederzeit dem Krawall vorziehen dürfte, gewiss goutieren.

Dach öffnet bei bis zu 40 km/h

Allenfalls am Rande stören die Ergonomie der SL-Mittelkonsole, die leicht betagten Rundinstrumente und der zentrale Multifunktionsbildschirm, der den Innenraumdesignern unwichtiger zu sein schien, als die übermächtigen Lüftungsdüsen.

Dabei kommt der schönste Wind doch sowieso von oben. Immerhin öffnet das vollelektrische Klappdach nunmehr bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h – zumindest dann, wenn den Vorgang bereits bei stehendem Fahrzeug angestoßen wurde. Denn nicht nur bei geöffnetem Dach ist der Mercedes SL das, was er schon immer war: der beste Luxusroadster der Welt – und dabei nahezu konkurrenzlos.

Damit das so bleibt, sollte die nächste Generation jedoch wieder ein großer Sprung in die Zukunft sein. Details wie ein vollelektrisches Stoffdach oder ein Allradantrieb für die mächtigen Topmotorisierungen sind dabei wohl unverzichtbar.

Mehr Eindrücke vom Traum-Roadster nach seiner Modellpflege in der => Bildergalerie

Jetzt Mercedes SL suchen

Traumautos zum Kleinwagenpreis: Rund 1.200 Mercedes SL der Baureihen R230 (2001-11) und R231 (seit 2011) sind derzeit bei mobile.de im Angebot, davon gut die Hälfte mit mindestens 12 Monaten gültiger HU. Die Preise für ein fahrbereites Exemplar beginnen bei etwa 13.000 Euro – das ist kaum mehr als ein neuer VW Polo.

Der aktuelle Dekra-Gebrauchtwagenreport attestiert dem SL ein hohes Qualitätsniveau. Einzig Lenkung und Fahrwerk haben Schwächen: Undichte Stoßdämpfer kommen mitunter vor, ebenso Ölverlust an Motor und Getriebe. Solche Reparaturen sind teuer; Käufer sollten also einen SL grundsätzlich auch von unten begutachten. Beide Baureihen haben feste Klappdächer aus Aluminium.

Wer in der Suchmaske die Option Anzahl der Fahrzeughalter auf „Bis zu 1“ einstellt, kann sicher gehen, ein (nach aller Regel) gepflegtes Erst-Hand-Fahrzeug zu erwerben. Davon gibt es aktuell knapp 200, der Preis startet hier bei ca. 18.000 Euro:

Mercedes SL Baujahr 2001 bei mobile.de

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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