Mercedes-Benz SL 63 AMG Performance Paket, R231

Mercedes-Benz SL 63 AMG Performance Paket, R231

Weg vom Understatement

AMG verpasst auch dem Luxus-Roadster Mercedes SL eine Kraftspritze. Mit dem Performance Paket kommen nicht nur mehr Vitamine, sondern auch eine auffälligere Optik.

22. August 2013

Schon äußerlich unterscheidet sich der Mercedes-Benz SL 63 AMG von seinen zivileren Brüdern. Also weg vom Understatement. Am auffälligsten sind die Carbon-Abrisskante am Heck und rot lackierte Bremssättel.

Die Carbon-Motorabdeckung sieht gut aus, ist aber logischerweise nicht sichtbar. Doch wer mindestens rund 180.000 Euro für ein Auto ausgibt und diese Option bewusst wählt, will es nicht anders.

Komfort gefragt

Komfort ist dennoch gefragt. Da lässt der Innenraum nichts anbrennen: Feines Leder und bequeme Sportsitze setzt man bei einem Luxus-Auto voraus. Das Interieur mit den Jet-Belüftungsdüsen, der IWC-Analoguhr und den Rundinstrumenten in den tiefen Höhlen schaut schick und dynamisch zugleich aus.

Die Verarbeitung ist selbstredend solide und die Materialien wertig. Der Automatikhebel ist edel. Chrom, Klavierlack und feines Leder, wohin das Auge blickt.

Dach lässt sich nur im Stand öffnen

Bei der Bedienung ist auch der Power-SL nicht das Maß aller Dinge. Das Comand-System ist gegenüber BMWs iDrive und auch Audis MMI komplizierter und irgendwie auch antiquierter. Doch nach einer gewissen Einarbeitungszeit kommt man auch mit der Schwaben-Variante sehr gut zurecht. Die wichtigsten Funktionen, etwa, um den SL scharf zu stellen, findet man ohnehin per Knopf in der Mittelkonsole.

Auch wenn viele Roadster-Puristen vehement eine Stoffmütze gefordert haben, bleibt Mercedes beim SL der Stahldachvariante treu. In knapp 20 Sekunden öffnet und schließt sich das Dach. Allerdings nur im Stand. Da sind andere Hersteller mobiltätsfreundlicher. Im geöffneten Zustand reduziert sich das Kofferraumvolumen von 504 auf 364 Liter.

Beim Beladen schieben Hydraulikmotoren das Blech-Sandwich nach oben, und geben so die Kofferraum-Luke frei. Das Beladen ist trotzdem recht umständlich.

Motor hat 564 PS

Wenn AMG auf dem Kofferraum-Deckel steht, muss auch die Leistung stimmen. Mit dem AMG Performance Paket, das mal eben 14.399 Euro kostet, bekommt der Edel-Roadster zusätzliche 27 PS und 100 Newtonmeter mehr Drehmoment. Also insgesamt 564 PS und 900 Newtonmeter. Das ist mehr als ausreichend.

Beeindruckend ist die schiere Kraft des AMG-Triebwerks. Zunächst holt der V8 im Zusammenspiel mit der Siebengang-Automatik etwas Luft, aber dann legt der Affalterbacher V8-Biturbo-Tsunami mit einer Wucht los, die tektonische Asphaltplatten förmlich beben lässt. Der Schub hört nicht auf, bis die 300 km/h erreicht sind.

Eigentlich ginge noch mehr, aber Mercedes bremst bei 300 km/h den Vorwärtsdrang

SL hat abgespeckt

Wie erwähnt, ein SL ist weit mehr als ein Kurvenräuber, es geht doch auch immer um Komfort. Dank der adaptiven Dämpfer bekommt Mercedes diesen Spagat ziemlich gut hin. Auch wenn ein AMG-Modell sich der Komfortstellung immer von der strafferen Seite annähert.

Da hilft es schon mal, dass der neue SL dank des Alu-Rohbaus 125 Kilogramm abgespeckt hat und nur noch 1.845 Kilogramm wiegt.

Teil des Performance Pakets ist ein Sperrdifferential. Das spürt man durchaus, wenn es mal lustig um die Ecken geht.

Die Untersteuerneigung am Kurveneingang haben die Ingenieure dem Luxus-Roadster nicht ganz austreiben können.

Die Lenkung ist direkt und lässt den AMG-SL ziemlich präzise um die Ecke pfeifen. Allerdings bleibt dann von den im Datenblatt angegebenen verbrauch von 9,9 l/100 km nicht mehr viel übrig. Sechs bis sieben Liter mehr sind problemlos drin. Schließlich sind 564 PS nicht wegzudiskutieren und einen derart kräftigen Luxuskreuzer bewegt man in der Regel auch nicht zurückhaltend.

Stärken 

  • Sitzkomfort
  • Verarbeitung
  • Motor

Schwächen 

  • Untersteuerneigung
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll