Flaniereisen

Fahrbericht: Mercedes S 500 Coupé

S geht noch luxuriöser

Luxuriöser als im Coupé der Mercedes S-Klasse kann man derzeit wohl kaum reisen. Die Welt scheint schöner denn je –- und in der Ferne grollt der V8 Biturbo

24. Juni 2014

Als ob die Mercedes S-Klasse noch nicht perfekt genug wäre. Mit der Coupéversion legen die Schwaben den verwöhnten Kunden in den USA, Asien und den Emiraten die Welt des Luxus vollends zu Füßen. Wenn die auch nur drei Türen hat – doch in gewissen Kreisen ist "weniger" schon seit langem "mehr" gewesen.

Das neue S-Klasse Coupé ist ein Schönling zum Verlieben mit Zukunftstechnik (beinahe) ohne irdische Grenzen und Luxus im Überfluss. Aston Martin Vanquish, Bentley Continental Coupé und Maserati Granturismo werden nicht nur optisch, sondern auch funktional pulverisiert.

Wie zum Hohn verliert der neue S-Dreitürer dabei noch 40 Kilogramm an Gewicht im Vergleich zum Vorgänger und ist in allen Dimensionen – wenn auch überschaubar – kleiner geworden.

 

 
 

 

Schmeichelweiche Ledersessel

Hat dieses Coupé derzeit überhaupt eine ernsthafte Konkurrenz? So perfekt wie das S-Klasse Coupé ist kein anderer. Eigenständiges Design, andere Linien, neuer Charakter und keinerlei sichtbare Gleichteile; das bekommt selbst im luxuriösen Wettbewerbsumfeld kaum einer hin. Die schmeichelweichen Ledersessel sind fast zu perfekt, um sich darin zu betten. Doch man sitzt keinen Deut schlechter, als das Auge es erwartet hätte.

Das mobile Mobiliar ist dazu noch perfekt verarbeitet, komplett klimatisiert und auf Wunsch mit Massagefunktionen jeglicher Art versehen, die es einem schwer glaubhaft machen, noch in einem Auto Platz genommen zu haben. In den beiden Fondsesseln lässt es sich natürlich mindestens eben so bequem reisen. Die perfekte Vorstellung im Innern wird allenfalls durch den etwas billig wirkenden Rahmen des gigantischen Doppeldisplays für Instrumente und Navigation getrübt.

Der schmale schwarze Steg mit Bedienelementen für Fondkopfstützen, Heckjalousie und Instrumentenbeleuchtung passt ebenso wenig zu diesem Luxusschwaben wie der Dreh-Drücksteller nebst Schalterhalbrund auf der Mittelkonsole. Im Fond gibt es noch nicht einmal Fensterheberschalter und der Gepäckraum öffnet von außen nur mit dem Schlüssel in der Tasche. Aber nach solchen Petitessen muss man wirklich suchen.

Müheloser Vortrieb dank 455 PS

Der Antrieb hält, was das Design verspricht: Das Coupé zieht das entspannte Cruisen dem hektischen Kurvenjagen eindeutig vor. Bereits der Basismotor ein 4,7 Liter Doppelturbo mit 335 kW / 455 PS verhilft zu mühelosem Vortrieb. 0 auf Tempo 100 in grandiosen 4,6 Sekunden und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h fügen sich scheinbar mühelos in das beeindruckende technische Gesamtkunstwerk ein.

Der Normverbrauch liegt bei 9,4 Liter – und wüssten wir es nicht besser, wären die Insassen sicher, das Mercedes S 500 Coupé würde auf Wolken schweben. Wer in diesem Auto fährt, fühlt sich von der Außenwelt entkoppelt. Lediglich die immer noch üppigen 2,1 Tonnen Leergewicht sind wohl das einzige, was man dem Beau vorwerfen kann.

Und richtig ist trotz Allradantriebs und aller Zauberfahrwerke dem eleganten Zweitürer in jedem Fahrbereich sein Übergewicht anzumerken. Bei schnell durchpflügten Kurven kann sich nur noch das neu entwickelte ABC-Fahrwerk (Active Body Control mit Magic Body Control) in die Bresche werfen.

Ganz dezent wummert der V8 in der Ferne

Denn werden die Radien enger, können auch die Hightech-Federn, mit denen sich der Allradler wie ein Motorradfahrer in die Kurven legt, das Übergewicht nicht mehr überspielen. Eine direktere Lenkung mit mehr Rückmeldung von der Fahrbahn und ein geringeres Untersteuern in Kurven würden selbst einem Nobelkreuzer wie dem S 500 Coupé gut tun, der in seinem Laderaum problemlos 400 Liter verpackt.

Es hat eben nicht nur Vorteile, wenn man der Welt entrückt ist. Und selten war das leichter als in diesem Superprodukt von Daimler. Immerhin wummert der V8-Doppelturbo noch dezent in der Ferne, wenn man ihn mit seinem gewaltigen Drehmoment von 700 Nm zwischen 1.800 und 3.500 U/min einmal zu forscher Gangart herausfordert.

Serienausstattung stößt an gewisse Grenzen

Die üppige Ausstattungsliste lässt dem Kaufinteressenten alle Möglichkeiten, den stattlichen Basispreis von 125.961 Euro noch ein wenig heraufzuschrauben. Immerhin: Elektrische Ledersitze, Navigation oder LED-Scheinwerfer sind bereits serienmäßig an Bord.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff