Allrad-Crossover für alle Fälle

Fahrbericht Mercedes GLA 250 4matic

Was für ein Schlitten!

Der Mercedes GLA 250 4matic hat einen entscheidenden (Preis-)Vorteil gegenüber seinen dieselnden Brüdern: Er ist günstiger. Damit macht er gewisse (Verbrauchs-)Nachteile spielend wieder wett. Und überhaupt lässt sich das eingesparte Geld spielend anderweitig ausgeben.

7. Januar 2015

Der kompakte Crossover Mercedes GLA kam spät auf den Markt und gibt nun Gas wie kein zweiter, um den Vorsprung der Konkurrenz einzuholen. Wir hatten Gelegenheit, das gut geländegängige Auto, das einem Kompakt-SUV ähnlich ist, im Hochgebirge zu testen. Es kam gut zurecht.

Die Meinungen über ihn sind geteilt: Für die einen ist der GLA eine aufgedunsene, hochbeinige Variante der A-Klasse; für andere das sehenswerteste Modell aus dem jungen Stuttgarter Produktquintett.

Für den Mercedes GLA gilt zumindest in Europa jedoch das, womit auch die Konkurrenz zu kämpfen hat. Wer sich für ihn entscheidet, der steigt zumeist in einen Diesel ein. Dabei bietet der GLA durchaus andere Möglichkeiten, als sich vernehmbar nagelnd durch die Gegend zu bewegen.

 

 
 

Zwei Liter mit Turbo

Während der Einstiegsbenziner des Mercedes GLA 200 mit seinem 1,6 Liter großen Vierzylinder und 156 PS etwas schwach auf der Brust und vor allem nur mit einem wenig sinnvollen Frontantrieb zu bekommen ist, hat der GLA 250 zumindest in der Allradversion das Zeug zum verkannten Publikumsliebling.

Schließlich ist er mit einem Basispreis von 37.496 Euro sogar rund 2.000 Euro günstiger als der Mercedes GLA 220 CDI 4matic. Diese Ersparnis lässt sich sinnvoll in Kraftstoff (heftig) oder auch luxuriöse Mehrausstattung investieren.

Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe muss man zum Glück nicht extra anschaffen: Es ist bei beiden Modellen serienmäßig. So wie auch der Spaß.

0-100 km/h in 7,1 Sekunden

Denn das Antriebspaket des Mercedes GLA 250 4matic verspricht jede Menge Laune: Der zwei Liter große Turbobenziner leistet 155 kW / 211 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Nm, das bereits kurz über Leerlaufdrehzahl, nämlich ab 1.200 U/min, voll zur Verfügung steht.

Genügend Dampf also für einen 1,5 Tonnen schweren Allradler, der mit 0 auf Tempo 100 in 7,1 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h nicht nur im Abfahrtslauf, sondern auch trefflich als Gondellift dienen kann. In lockerer Gangart ist vom Tatendrang des 211-PS-Triebswerks wenig zu spüren.

Der Motor hängt gut am Gas, wirkt in Leistungsentfaltung und Klang aber überraschenderweise blutleer und emotionslos. Das ändert sich, wenn es etwas flotter zur Sache geht. Dann bleibt zwar der lausige Klang, doch der 250er stürmt los, als wäre er vom Schneeleoparden gebissen.

Untersteuern im Grenzbereich

Ein kleiner Zwischenspurt oder eine längere Beschleunigungsphase? Dank der 350 Nm aus niedrigen Drehzahlen kein Problem. Oben heraus wirkt er allerdings zugeschnürt; beim Blick auf den Tacho strahlt der Fahrer jedoch, denn ohne große Anstrengungen beschleunigt der Vierzylinder in höhere Wunschtempi.

Die Lenkung könnte dann allerdings etwas weniger leichtgängig sein und mehr Rückmeldung von der Fahrbahn bieten. Nicht erst im Schnee ist der Allradantrieb eine gute Wahl, wenn die Motorleistung sinnvoll auf beide Achsen übertragen wird. Auf dem weißen Untergrund zieht sich der Mercedes GLA 250 4matic kraftvoll Richtung Hochplateau.

Zurück auf asphaltiertem Untergrund macht sich der Allradantrieb bei ambitionierter Gangart ebenfalls positiv bemerkbar. Jedoch untersteuert der Mercedes Crossover im Grenzbereich deutlich und schiebt über die Vorderachse.

Mehrverbrauch

Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet schnell, aber nicht immer perfekt. Wer auf kurvigen Landstraßen in den Bergen unterwegs ist, sollte daher die Zügel selbst in die Hand nehmen und per Schaltpaddel die Herrschaft über die Gangwahl an sich reißen.

So sparsam wie der 170 PS starke GLA 220 CDI 4matic lässt sich der Benziner nicht bewegen, doch ein Normverbrauch von 6,5 Litern geht allemal in Ordnung und nicht nur das stimmungsvolle Ausdrehen der Gänge hat seinen Reiz für den Fahrer.

Und das schönste: Für 2.000 Euro Preisunterschied lassen sich viele Liter Mehrverbrauch im 56 Liter großen Tank unterbringen. Jawohl, wir gestehen: Mehr Verbrauch bedeutet bei diesem Allrad-Crossover automatisch: mehr Spaß.

Innenraum-Design mit Macken

Der Innenraum des 4,42 Meter langen Schwaben überzeugt nicht in allen Details. Instrumente und schicke Lüftungsdüsen gefallen, während die Klimabedienung schlicht zu tief positioniert ist und der Navigationsschildschirm wie aus dem Zubehörkatalog wirkt.

Das Navigationssystem (für ziemlich teure 3.510 Euro Aufpreis) hinkt den modernsten Konkurrenten hinterher und die Bedienung über den ebenfalls nicht optimal positionierten Controller am Mitteltunnel lässt Wünsche offen.

Während es vorne auf den Sitzen bequem und wohl konturiert zugeht, ist der Fond knapper geschnitten. Mehr als zwei Personen können hier kaum sitzen und die Sicht des Fahrers nach hinten ist lausig. Gut, dass eine optionale Rückfahrkamera (374 Euro) Abhilfe schafft. Und das Aufpreis-Poker geht munter weiter.

Aufpreis für viele wichtige Features

Der Laderaum (ohne Aufpreis) fasst 421 Liter. Wer die geteilte Rückbank (Serie) umlegt, kann bis zu 1.235 Liter nutzen und sollte die 464 Euro teure elektrische Heckklappenbedienung nicht aussparen. Ebenfalls unumgänglich: Xenonlicht (ab 1.005 Euro), Nebelscheinwerfer (220 Euro), Sitzheizung (345 Euro) und Klimaautomatik (freche 606 Euro).

Und warum kein Diesel? Wer sich für einen Mercedes GLA interessiert, muss nicht zwangsläufig in einem Diesel wie dem 220 CDI Platz nehmen. Der Mercedes GLA 250 4matic ist eine gute und allemal dynamische Art, einen Crossover zu bewegen.

Und die schon erwähnten 2.000 Euro Ersparnis im Vergleich zum 220 CDI lassen sich angesichts der doch etwas spärlichen Serienausstattung des GLA gut gebrauchen. 

Mehr Infos über den Mercedes GLA 250 4matic in der Bildergalerie.

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Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff