Maserati Quattroporte VI

Maserati Quattroporte VI

Bläserensemble

Zehn Jahre war der Maserati Quattroporte die schönste Luxuslimousine der Welt. Der Nachfolger will mehr sein als ein brüllender Schönling. Seine Qualitäten begeistern.

7. Dezember 2012

Der Maserati Quattroporte begründete einst das Segment der viertürigen Sportlimousinen. Auch die Neuauflage ist ein Schönling mit sportlichsten Genen. Mit einer Gesamtlänge von 5,26 Meter ist der Quattroporte nicht nur deutlich größer als bisher, sondern mit 530 PS auch deutlich stärker.

Die Länge sieht man dem Norditaliener aus keinem Blickwinkel an. In den USA und Asien soll der visuelle Lustspender auch als Chauffeurlimousine taugen, um ihn in völlig neue Stückzahlen zu katapultieren. Im Fond kann man sich recken, strecken und einfach wohlfühlen. Der Laderaum fasst 530 Liter.

Besser denn je

Auch wenn die Sitzposition im Quattroporte noch nicht perfekt ist, weil Verstellmöglichkeiten für Oberschenkelauflage und Seitenwangen fehlen, so hat man erstmals den Eindruck, in und nicht auf einem Designersessel Platz genommen zu haben.

Das griffige Steuer mit alles andere als schönen Tastern aus dem Chrysler-Konzernregal stört den guten Eindruck ebenso wie der Plastiklenkstockhebel und die starken Windgeräusche an den nun rahmenlosen Seitenscheiben. Auch bei Details wie einer elektrischen Heckklappenbedienung oder Fahrerassistenzsystemen macht der Quattroporte-Schönling die Augen zu und versucht dies mit seinem verführerischen Klang zu übertönen.

Immerhin gibt es nun einen schlüssellosen Zugang, Rückfahrkamera, WLAN und ein puristisches Bediensystem für Navigation, das jedoch nicht überzeugen kann. Viele Funktionen sind während der Fahrt schlicht gesperrt.

530 Turbo-PS

Befeuert wird der Maserati Quattroporte von einem 3,8 Liter großen Achtzylinder mit doppelter Turboaufladung und 390 kW / 530 PS. Ein maximales Drehmoment von 650 Nm zwischen 2.000 und 4.000 U/min entlockt dem hungrigen V8-Kraftwerk über der Vorderachse den neuen Hörgenuss. Brüllen war gestern - ab sofort wird hintergründig gegrollt.

0 auf Tempo 100 schafft der 1,9 Tonnen schwere Dreizack in 4,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit: 307 km/h. Trotz Downsizing und Turbopower ist der Normverbrauch von 11,9 Litern nur ein Phantasiewert. Unter 16 Litern geht wenig - wer Dampf macht trampelt Richtung 20 Liter.

Perfekt auf den drehfreudigen Achtzylinder abgestimmt zeigt sich die serienmäßige Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF, die Gangwahl und Drehzahl feinfühlig jongliert.

Kleiner als er ist

Das Wichtigste vorweg: die Lenkung ist bei höherem Tempo nicht mehr so spitz wie bisher. Die Abstimmung von Federung und Dämpfung mit dem Skyhook-System passt mittlerweile prächtig. In seinen verschiedenen Fahrmodi wirkt der Quattroporte komfortabel und sportlich zugleich.

Noch besser als sein Vorgänger bringt der Maserati seine üppige Motorleistung nicht zuletzt durch eine neutrale Gewichtsverteilung von 50:50 auf die Straße. Trotz breiter 285er-Pneus auf schmucken 20-Zöllern ist der Komfort allemal überzeugend. Die Rüttel- und Schüttelorgien vergangener Jahre sind vergessen. Zudem wirkt der Quattroporte zumindest subjektiv deutlich leichter als bislang.

30.000 Euro teurer

Der neue Quattroporte ist rund 30.000 Euro teurer als sein Vorgänger, der bei 116.000 Euro startete.

Im Frühjahr soll ein aufgeladener V6-Motor nachgezogen werden, der dann rund 100.000 Euro kosten soll. Der leistet 410 PS und ist ebenso wie die Ende 2013 folgende Oberklasselimousine Maserati Ghibli auch mit Allradantrieb zu bekommen.

Stärken 

  • sehr gute Fahrleistungen
  • gigantisches Platzangebot
  • fein abgestimmtes Fahrwerk

Schwächen 

  • kaum Assistenzsysteme
  • hoher Preis
  • hoher Realverbrauch
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff