Maserati Quattroporte S Q4, Quattroporte VI

Maserati Quattroporte S Q4, Quattroporte VI

Italienischer Schneetänzer

Der Maserati Quattroporte sieht gut aus, jetzt bekommt das Flaggschiff der Dreizack-Marke einen Allradantrieb und damit mehr Traktion. Auch bei widrigen Bedingungen.

24. Januar 2014

Maserati und Allradantrieb. Das war bisher eher Wunschdenken italienischer Alpinisten. Das ändert sich jetzt - und zwar schlagartig. Sowohl das Topmodell Quattroporte als auch der kleinere Bruder Ghibli bekommen den italienischen Quattroantrieb.

Die Entwicklung dieses Allradantriebes ist wegweisend für die Dreizackmarke. Das System wird nicht nur in den beiden Limousinen zum Einsatz kommen, sondern wird auch dem 2015 erscheinenden SUV Levante Traktion verleihen.

Die Luxus-Limousine aus Modena ist also technisch ein Vorbote. Allerdings ist auch der Preis von 107.700 Euro durchaus eine Ansage.

Kraftverteilung bis zu 50:50

Der Allradantrieb wiegt nur 60 Kilogramm und gehört so zu den Leichtgewichten seiner Zunft. Das System besteht im Wesentlichen aus einer Lamellenkupplung an der Vorderachse und einem mechanischen Sperrdifferential hinten. Damit sind auch einzelne Fahrzustände und Torque Vectoring darstellbar, was sich im Straßeneinsatz zeigt.

Doch der Italo-Quattro verfälscht die DNA des Maserati nicht. Grundsätzlich bleibt der Quattroporte ein Hecktriebler, im Bedarfsfall können bis zu 50 Prozent der Kraft nach vorne geleitet werden. Das Gehirn hinter dieser Technik ist Paolo Dellacha, der von Ferrari kommt.

Gutes Zusammenspiel

Dieser Antriebsstrang ergänzt den V6-Zylinder ziemlich gut. Denn mit 410 PS ist die Dreizack-Limousine nicht gerade schlecht bestückt. In 4,9 Sekunden feuert das Kraftwerk den immerhin 1,9 Tonnen schweren Italiener an die 100-km/h-Marke. Erst bei 283 km/h gebietet der Luftwiderstand dem Vortrieb Einhalt.

Diese Werte sind schon recht beeindruckend, vor allem, wenn man sich vor Augen führt, dass der mit Ferrari entwickelte Sechszylinder nur 0,2 Sekunden langsamer beim Sprint auf 100 km/h ist als der V8. Er schluckt aber mit 10,5 l/100 km 1,4 Liter weniger als der große Bruder.

Das maximale Drehmoment von 550 Newtonmetern steht ab 1.750 U/min zur Verfügung und verleiht dem Italiener im Zusammenspiel mit der weich schaltenden ZF- Achtgang-Automatik einen geschmeidigen Antritt.

Verschiedene Fahrmodi

Selbst wenn das Heck zum Tanz bittet, kündigt es die Schrittfolge und die Richtung frühzeitig an und lässt dem Steuermann genug Zeit, das Schiff mit wohlkalkulierten Volantbewegungen wieder zurück in die richtige Bahn zu dirigieren. Allerdings erschwert die etwas leichtgängige Lenkung diese Aufgabe.

Rückmeldung gibt es dagegen genug. Der Pilot ist jederzeit über die Grip-Verhältnisse informiert. Die Antipode zum entfesselten Rock'n' Roll ist der ICE-Modus. Da ist der der Quattroporte mit gebremstem Temperament unterwegs und bietet ein Übermaß an Sicherheit und Traktion. Selbst eisige Kurven und glatte Steigungen sind kein Problem.

Sitze mit wenig Seitenhalt

Das Autobahn-Geradeaus-Heizen ist eine Sache, der Kurven-Swing eine ganz andere. In dieser Disziplin verleiht der bei Magna-Steyr entwickelte Allradantrieb dem Quattroporte Füße: In der Sport-Einstellung tanzt der große Maserati ziemlich behände um enge Kurven.

Ganz Mutige schalten ESP und die Traktionskontrolle ab, dennoch bleibt der Quattroporte immer berechenbar und deutlich weniger nervös als der kleinere Ghibli.

Allerdings behindert der geringe Seitenhalt der Sitze die Drift-Ambitionen des Fahrers nachhaltig.

Stärken 

  • Dynamik
  • Allradantrieb wiegt nur 60 kg
  • kräftiger V6-Motor

Schwächen 

  • Sitze mit wenig Seitenhalt
  • Lenkung zu leichtgängig
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Hersteller