Test: Lexus GS F

Hohelied auf den Saugmotor

Wenn das Untier erwacht

Der letzte Dinosaurier: Lexus stattet die heckgetriebene Mittelklasse GS mit fünf Liter großem V8 aus. Der GS F wiegt über zwei Tonnen, doch er spurtet ganz ohne Turbo oder Kompressor in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

 
 
29. Oktober 2015

Was bei VW ein „R“ und bei BMW ein „M“ ist, übersetzt Lexus mit „F“: ein sportliches, kraftvoll motorisiertes Topmodell. Mit dem neuen GS F lassen die Japaner aus dem Hause Lexus das vierte seiner Art von der Kette. Es ist ein Hohelied auf die gute, alte Zeit der Saugmotoren: Ein V8 braut in 5 Litern Hubraum maximal 477 PS zusammen, das klingt nach einer wüsten Party.

Doch die Kombination aus fast fünf Metern Länge und zwei Tonnen Lebendgewicht lässt den GS F nicht gerade quicklebendig loshüpfen. Im Eco- und Normalmodus fühlt sich die Mittelklasse-Limousine geradezu träge an. Von dem V8-Saugmotor mit fünf Litern Hubraum ist kaum etwas zu hören.

Aber wehe, man dreht am Druck-Drehknopf in Richtung „Sport S“ oder „Sport Plus“ – dann erwacht tief unten im Verlies ein unheimliches Untier grollend zum Leben. Und hetzt los. Was für ein erhebendes Gefühl: Die Kombination aus Heckantrieb, Saugmotor und hohem Fahrzeuggewicht erinnert an die grandiosen GT früherer Zeiten.

Sounddesign verstärkt Motorgeräusch

Aber natürlich nicht ganz, einiges ist neu. Das fängt bereits mit einem deutlich präsenteren Motorensound an. Dass dieser per Soundsystem im Innenraum künstlich verstärkt, sprich weitgehend synthetisch produziert wird, ist nur am Anfang gewöhnungsbedürftig.

Schon nach ein paar Kilometern auf freier Strecke und möglichst wenig Kurven ist seine Herkunft vergessen – zu bullig und satt dröhnt es dann in den Ohren der bis zu fünf Insassen. Frei atmen darf der V8, unbeeinflusst von Turbo oder Kompressor, das ist heute selten geworden. Selbst Porsche baut keine reinen Saugmotoren in den 911er mehr ein.

Und die Fahrleistungen des GS F sind auch so schon imposant: 4,6 Sekunden braucht er für den Tempo-100-Sprint, bei 240 Kilometern pro Stunde geht ihm dann die Luft aus. Schade – auf dem hauseigenen Prüfstand soll er zwar 270 Sachen geschafft haben, doch das klingt eher wie gewollt, und nicht gekonnt.

Ein Fahrwerk vom Feinsten

Das ist ein Konkurrent für BMW M5 oder Mercedes E 63 AMG, keine Frage. Auch hinsichtlich des Preises: Der GS F kostet mindestens 99.750 Euro, von Billig-Japaner kann da nun wirklich keine Rede mehr sein. Und bereits das Fahrwerk ist vom Feinsten, was Lexus aufbieten konnte: Ein Torque Vectoring Differential und die Fahrwerksregelsystem VDMI bringen Stabilitäts-Vorteile, die selbst für Laien spürbar sind.

Wird per TVD-System der Slalommodus eingestellt, lässt sich der fast zwei Tonnen schwere Lexus GS F flink und behände durch enge und spitze Kurven pilotieren und sehr früh aus ihnen herausbeschleunigen. Das TVD verteilt gezielt die Antriebsmomente an der Hinterachse und sorgt für eine deutliche Steigerung der Agilität und Spurtreue.

Wird im VDMI-System zusätzlich noch der Expert-Modus gewählt, darf es auch mal ein wenig quer aus der Kurve herausgehen. Bei einem zu großen Driftwinkel greifen allerdings die Fahrdynamik-Einrichtungen wie ABS, VSC und TRC wieder ein und bringen den 4,92 Meter langen Lexus wieder auf Kurs. Anfänger werden aufatmen, Connaisseure empfinden die maschinelle Gouvernante vielleicht als übertrieben fürsorglich.

Karbon-Heckspoiler und Bremssättel in Orange

Wenig weist darauf hin, was für ein Monster hier seine Bahn zieht: Von außen nur auf den zweiten Blick am kleinen Karbon-Heckspoiler und den orangefarbenen Bremssätteln zu erkennen, zeigt der GS F sich im Innenraum edel und komfortabel.

In puncto Komfort kann sich vor allem sein sehr gemütliches Fahrwerk erleben lassen. Es verfügt zwar über keinerlei Einstellmöglichkeiten, doch legt es sowohl in der Stadt als auch auf der Rennstrecke eine rückenschonende Dämpfung an den Tag.

So ist der Lexus GS F genau das richtige für lange Autobahnpassagen in hohen Tempi. Für kurvenreiche Landstraßen oder gar die Rennstrecke ist die sportlichste Lexus-Limousine im Mittelklasseformat einfach zu schwer und kommt im Grenzbereich an seine Grenzen.

Wohltuendes Understatement

„Der GS F ist eine Hochleistungs-Limousine, die gerade bei sportlicher Gangart besonders viel Fahrspaß bereitet“, sagt Yukihiko Yaguchi, Chefingenieur des GS F. Andererseits könnten auch Komfort orientierte Fahrer den GS F genießen, fügt er hinzu, und zwar sowohl auf der Landstraße als auch auf der Autobahn.

Das Besondere an ihm (dem Lexus) ist aber nicht nur die Tatsache, dass er so sportlich ist, sondern dass ihm dieses Charakteristikum auf den ersten Blick gar nicht anzusehen ist. Na gut, die vier kleinen Endrohre im Heck könnten einen ersten Hinweis auf das gewaltige Kraftreservoir unter der Motorhaube geben.

Doch im Gesamtbild macht er eher den Eindruck einer gemütlichen Reiselimousine mit einem relativ extravaganten Äußeren; früher wurde so was Japan-Barock genannt. Doch im Großen und Ganzen ist der GS F wohltuendes Understatement.

Erst ab 4.500 Touren geht es los

Hinzu kommt, dass der Achtender unter der Motorhaube ein Hochdrehzahl-Triebwerk ist, das erst über 4.500 Umdrehungen so richtig in Schwung kommt und von sich hören lässt. Für Freunde ruhigen Reisens à la GT also eine angenehme Umgebung. Und wer Lust hat, mal richtig aufzudrehen, wird sein blaues Wunder erleben.

Auf den beiden belüft- und beheizbaren Vordersitzen sitzt es sich in beiden Zuständen – ruhig oder rasant – sehr angenehm. Auch im Fond finden 1,90 Meter-Riesen ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Für das Gepäck stehen noch 520 Liter Kofferraumvolumen bereit.

Ein Ton erinnert ans Schalten

Mit 66 Litern wesentlich kleiner fällt der Tank des Super Plus verschlingenden Japaners aus. Der Normverbrauch beträgt 11,2 Liter, und das fühlt sich auch nach einigen Testkilometern noch äußerst realistisch an. Voraussetzung ist das Einlegen des Eco-Modus. Aber damit wird zugleich der Fahrspaß abgewürgt.

Angenehm, unabhängig von Fahrstufe und sonstigen Modi, arbeitet die Achtgang-Automatik, die sich mit Hilfe der Schaltwippen ein bisschen aus dem Tritt bringen lässt. Ansonsten verrichtet sie kaum ihre Gangwechsel und trägt somit zu einem durchweg angenehmen Fahrgefühl bei.

Wer die Gangwahl selbst bestimmen möchte, wird übrigens durch ein akustisches Signal an das Hochschalten erinnert. Das wird dem einen gefallen, den anderen hingegen eher nerven.

Weitere Informationen über den neuen Lexus GS F in der Bildergalerie.
 

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Text: Press-Inform / Marcel Sommer