Lancia Flavia, ab 2011

Lancia Flavia, ab 2011

Dolce Vita für vier

Der offene Chrysler Sebring war vor Jahren eines der größten Cabriolets der Mittelklasse; kam aber über ein Schattendasein nicht hinaus. Auf seinen Spuren wandelt nun der Lancia Flavia.

1. August 2012

Der Preis macht beim Lancia Flavia die Musik. 4,95 Meter lang, Komplettausstattung und Platz für vier Personen. Das gibt es bei Lancia alles für unter 37.000 Euro. Der Flavia kommt aus den USA und läuft dort zusammen mit dem Chrysler 200 Convertible vom Band.

Die Konkurrenz in Deutschland ist mit den Cabrios von BMW 3er, Audi A5 und Mercedes E-Klasse härter denn je.

Platz im Überfluß

Über die gigantische Länge von 4,95 Meter freuen sich die Insassen wegen des guten Platzangebots vorne und hinten ebenso wie über die 2,77 Meter Radstand. Wird das Stoffdach im Stand geöffnet, verringert sich der Laderaum in zähen 30 Sekunden von 377 auf 198 Liter.

Die üppigen Dimensionen, das Leergewicht von über 1,7 Tonnen und ein Stoffdach, das sich unzeitgemäß nur im Stand öffnen und schließen lässt, machen kein Hehl aus der Kernkompetenz des Lancia Flavia.

Träger Motor

Der Vierzylinder mit einer Leistung von 125 kW / 170 PS und einem Drehmoment von 220 Nm bei 4.500 U/min ist insbesondere in der Kombination mit der trägen Chrysler-Automatik ein lautstarkes und wenig arbeitsfreudiges Dauerärgernis. Der Motor ist träge, laut und passt schon gar nicht zu einem großen Cabriocruiser wie dem Flavia.

Leistungsabrufe des Fahrers werden erst mit großer Verzögerung erhört und dann schieben sich Motor und Sechsgang-Automatik im Wechsel den schwarzen Peter der mobilen Untätigkeit zu. 0 auf Tempo 100 erledigt der laut aufheulende Motor in knapp elf Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit ist mit 195 km/h ebenfalls alles andere als eindrucksvoll.

Der Verbrauch des Vierzylinders ist mit versprochenen 9,4 Litern angesichts des gebotenen mehr als stattlich. Der 2,4 Liter große Vierzylinder ist ein in die Jahre gekommenes Relikt aus der DaimlerChrysler-Kooperation.

Solider Cruiser

Er ist ein Cruiser und ein guter zudem. Mit Fahrdynamik ist es nicht weit her. Das Fahrwerk aus McPherson-Federbeinen vorn und einer Mehrlenkerhinterachse ist dabei komfortabel, die Lenkung nicht zu schwammig und weder bei geöffnetem noch geschlossenem Dach gibt es nennenswerte Poltereien.

Schwache Sicherheitsausstattung

Ähnlich unzeitgemäß wie der Antrieb zeigt sich die Sicherheitsausstattung des schmucken Lancia Flavia. Vier Airbags, ESP und ABS sind an Bord, doch das Thema Fahrerassistenzsysteme scheint noch nicht allzu tief in den Köpfen der italienischen Produktverantwortlichen angekommen zu sein.

Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Spurhalte- oder Spurwechselassistent sind ebenso wenig verfügbar wie Xenonlicht, Abstandstempomat oder weitere Sicherheitsdetails, die sich mittlerweile längst durch die Mittelklasse ziehen.

So wird es der Lancia Flavia trotz seines faires Preises schwer haben. Von wegen Dolce Vita.

Stärken 

  • gutes Platzangebot
  • gute Serienausstattung
  • solides Fahrwerk

Schwächen 

  • schwacher Motor
  • Motor-Getriebe-Kombination
  • kaum Assistenzsysteme
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff