Test: Lamborghini Huracan Spyder

Der Supersportwagen als Roadster

Eine kleine Spritztour

Kaum eine Marke polarisiert derart wie Lamborghini. Wie muss da erst ihr jüngstes Produkt provozieren: Der Huracán, schiere Kraft in Keilform – und nun auch als Offenversion erhältlich. Ein solches Supersport-Cabriolet kann natürlich nur standesgemäß getestet werden – in Miami Beach

 
 
26. Februar 2016

Was für ein langer Name: Lamborghini Huracan Spyder – wenn man es gemächlich ausspricht, ist das Auto schon längst weg. Der Zollbeamte bei der Einreise nach Miami fasst es nüchtern zusammen: „Ein Lamborghini ist doch kein Supersportler. Das ist allenfalls ein Porsche 918. Naja, Italiener.“

Der ergraute Grenzschützer hat eine Idee. Er holt sein Smartphone aus der Tasche, sucht gedankenversunken darin herum und stempelt nebenbei unsere Pässe zur Einreise ab.

Schließlich hat er gefunden, was er suchte – und präsentiert stolz ein Foto mit der Heckansicht eines silbernen Porsche 911. „Ich fahre selbst seit Jahren ein Porsche 997 Carrera S Cabrio“, strahlt er. Der Huracan sei doch nur „Angeberei“.

Nur ausgezogen sieht er gut aus

Wir geben ihm weitgehend Recht: Lambo ist natürlich unweigerlich ungehemmte Zurschaustellung von Potenz aller Art. Man zeigt, was man (oder die Bank) hat. Nicht nur in Miami Beach. Extrovertierter als in einem Lamborghini kann man sich im internationalen Straßenverkehr kaum präsentieren – erst Recht nicht in einem Roadster.

Darin muss man das Hemd gleich ein paar Knöpfe weiter öffnen, um nicht negativ aufzufallen. Besser, man zieht erst gar kein Hemd an, und fast so präsentiert sich zumeist auch der Hurácan Spyder. Mit Kapuze ist er eigentlich nicht vollständig, er sieht nur ausgezogen wirklich gut aus.

Ein Auto wie der offene Lambo ist eben konstruiert für die Traumboulevards der Welt. Vor dem Discounter von Klein-Kleckersfeld wäre sein Anblick eher frustrierend. Ganz anders auf der Collins Avenue unter Palmen und karibischem Himmelsblau.

Wie geschaffen für öffentliche Bühnen

Hier, wo abends wild aufgebrezelte Boliden mit verchromten Giganto-Felgen und wummernden Beats um die Blicke von Einheimischen und Touristen kämpfen, sorgt ein offener Hurácan mit Mühe für Aufsehen. Lamborghini ist in Miami Beach eine der wenigen automobilen Traumfabriken und jeder Türsteher, jeder Jugendliche und fast jeder Cop ist an den Anblick des Gallardo-Nachfolgers gewöhnt, zumindest als Coupé.

Wie er offen fährt, ist den meisten jedoch ebenso verborgen wie unserem ergrauten Einreisebeamten, der dem LP 610-4 Spyder nicht mehr als ein „show off“ – das Gieren nach Aufmerksamkeit – zutraute.

Ein Ungläubiger (Porschefahrer eben), denn der Lamborghini Huracan ist offen wie geschlossen ein grandioser Sportwagen reinsten Wassers. Gerade als Roadster zudem spektakulärer denn je und daher genau der Richtige für eine öffentliche Bühne.

Filigran auch auf den 2. Blick

Das Styling der polarisierenden Flunder sorgt für Aufsehen – das das Fahrerlebnis für noch so viel mehr. Der brüllende Klang des V10-Saugers lässt selbst Autoverweigerern das Blut in den Adern gefrieren. Man sollte seine letzten Jahre zelebrieren, denn einen echten Zehnzylinder-Saugmotor mit 5,2 Litern Hubraum wird es angesichts der immer strenger werdenden Schadstoffvorschriften nicht mehr allzu lange geben.

Dem 449 kW / 610 PS starken Kraftkoloss hinter der eng geschnittenen Huracan-Fahrgastzelle sind im Laufe der Jahre Manieren beigebracht worden. Er kann längst viel mehr als laut und schnell, sondern ist auch beim zweiten Hinschauen filigran ansprechend; und er präsentiert sich durch Zylinderabschaltung und Start-Stopp-Automatik so sparsam wie es eben geht: 12,3 Liter. Naja, uninteressant für Kunden, die über 200 Riesen auf den Tisch legen können.

Reden wir also lieber von dem, was uns vorwärts bringt: Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe zum Beispiel. Es hat einen gewichtigen Anteil am offenen Fahrvergnügen, das zwischen „lässig posend“ und „wild jagend“ nahezu alles bietet. Je nach Gangart lassen sich am griffigen Lenkrad die drei Fahrmodi ganz nach Gusto durchschalten. Die präzise Lenkung: nahezu perfekt.

Dem Kampfstier die Sporen geben

Es sind weniger die 0 auf Tempo 100 in 3,4 Sekunden oder die spektakuläre Höchstgeschwindigkeit von 324 km/h, die einen begeistern – es handelt sich auf dem Ocean Drive mit seiner hohen Verkehrsdichte und seinen sturen 25 Miles per hour (ca. 40 km/h) Tempolimit ja auch mehr um eine theoretische Begeisterung.

Ein bisschen die Sporen wollen wir dem Kampfstier dennoch mal geben, ganz heimlich natürlich. Und prompt presst einen der über 1,6 Tonnen schwere Kanonenschlag Dank 560 Nm maximalem Drehmoment bei 6.500 U/min derart in die Sportsitze, dass dem autobegeisterten Grenzbeamten bei vollem Leistungsabruf mehr als der Visumsstempel aus der Hand fallen würde.

Es ist die auch bei geöffnetem Dach unglaublich steife Karosserie und die stimmige Fahrwerksabstimmung, die den offenen Kraftkeil aus Italien selbst für etwaige Rennstreckeneinsätze gewappnet erscheinen lässt. Die 120 Kilogramm Mehrgewicht, die das bis Tempo 50 vollelektrisch zu öffnende Stoffdach ins Auto bringt, stören außerhalb des Grenzbereichs niemanden.

Glatze steht sowieso jedem

Und auch die Bremsen sind ein Genuss: Unverändert verzögert der Norditaliener ebenso stramm wie das Coupé. In kaum mehr als 32 Meter steht der ehemals 100 km/h schnelle Allradler auf dem Punkt. Der Allradantrieb ist ebenso wie der niedrige Schwerpunkt einer der Pluspunkte des offenen Doppelsitzers.

Wenn etwas das exzellente Gesamtbild stört, dann sind es allenfalls Kleinigkeiten. Die nur 1,18 Meter hohe Dachlinie bei geschlossener Kapuze zerstört groß gewachsenen Personen gnadenlos die Frisur.

Geschenkt, der nächste Starfriseur wetzt schon die Scheren. Und Glatze steht ja sowieso jedem.

Etwas für Alleinfahrer

Was noch? Die Bedienung von Navigation, Bordcomputer und Soundsystem am überfrachteten Lenkrad ist alles andere als überzeugend und das Fehlen eines zweiten Bildschirms in der Mittelkonsole schlicht eine Fehlkonstruktion, die jedoch Kunden kaum stören dürfte. Die freuen sich gewiss, mal ein paar Minuten nicht auf ein glitzerndes Mäusekino glotzen zu müssen.

Schließlich ist der emotionale Spyder in erster Linie etwas für Alleinfahrer, die jederzeit und unbedingt Eindruck schinden wollen. Bei sich, bei der teuren Teilzeit-Beifahrerin, beim unfreiwilligen Publikum am Straßenrand.

Alleinfahrer, denen ein großer Auftritt mindestens 221.875 Euro wert ist. Doch was ist das schon – für einen dauerhaft großen Auftritt und buchstäblich brüllenden Fahrspaß auf jedem Kilometer?

Der Laborghini Huracán Spyder lässt keine Wünsche offen: Weitere Impressionen vom Supersportwagen mit Klappverdeck in der => Bildergalerie

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Der Name ist Programm: Huracán hieß der Feuergott der südamerikanischen Maya. Passenderweise war er auch für Wind und Sturm zuständig – wie geschaffen also als Patron für ein Auto, das aus zehn Zylindern bis zu 610 PS erwirtschaftet.

Neu kostet dieser Bolide ab 201.000 Euro; gebraucht gibt es ihn bei mobile.de derzeit ab 179.000 Euro:

Lambo Huracán bei mobile.de

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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