Test: Lamborghini Huracan LP 580-2

Der neue Lambo dreht nur hinten

Achtung, Querschläger!

Achtung, Querschläger: In Sachen Unvernunft hat sich Lamborghini selbst übertroffen, denn der neue Supersportwagen Huracan hat reinen Hinterradantrieb – für fröhliche Burn-outs und atemberaubende Drifts.

 
 
7. Dezember 2015

Da drehste durch: Lamborghini rüstet seinen neuen Supersportwagen ausschließlich mit Heckantrieb aus. Ganz neu ist die Idee zwar nicht; bereits beim Vorgängermodell Gallardo gab es unter den zahllosen Sondermodellen eine Variante Valentino Balboni, benannt nach dem ehemaligen Chef-Testfahrer.

Bereits dieser Gallardo LP 550-2 übertrug seine leicht reduzierte Motorleistung von 550 PS ausschließlich auf die dünn ummantelten Hinterläufe und begeisterte so zumindest auf der Rennstrecke mit grandioser Fahrdynamik im Grenzbereich. Diese Karte spielt nun auch der Nachfolger Lamborghini Huracán LP 580-2 gekonnt aus.

Nur über die Hinterachse angetrieben hat er mit 580 wild stampfenden Pferden hinter der Fahrgastzelle 30 PS weniger als die Normalversion LP 610-4, der sich im Grenzbereich durch seinen Allradantrieb lässiger bewegen lässt.

Fahrspaß, der selten geworden ist

Den Begriff Einsteigermodell wollen das Lamborghini-Management beim Neuankömmling bewusst vermeiden. Doch wenn eine Basisvariante 426 kW / 580 PS und 540 Nm hinter der Fahrgastzelle brüllen lässt und lockere 320 km/h läuft, dann lässt man sich auch derartige Begrifflichkeiten gefallen. Der neue Lamborghini Huracán LP 580-2 ist dabei weit mehr als ein Einsteigermodell in die Marke mit dem Stier.

Die gewohnt scharf geschnittene Flunder ist ein Spaßmacher allererster Güte. Ganz ehrlich: Dieses Maß an Fahrspaß gibt es heute fast nicht mehr. Ein hoch drehender Saugmotor mit zehn Zylindern, ein monströser Vulkanschlot von 5,2 Litern, anderswo Hubraum genannt, und dazu eben der archaische Heckantrieb –  bei den meisten Herstellern gibt es das nicht mehr. Selbst Porsche und Ferrari haben im vorauseilenden Gehorsam gegenüber internationalen Genehmigungsbehörden mittlerweile den Turbo zum Standard gemacht.

Nur die unbeugsamen Stier-Züchter halten stur dagegen. Fehlte nur noch, dass Lamborghini sein ab März 2016 erhältliches Männerspielzeug mit einer urwüchsigen Handschaltung anbieten würde. Doch dafür sind die Stückzahlen dann ebenso zu klein, wie eine etwaige Antriebswahlmöglichkeit zwischen V10-Sauger und V8-Turbo innerhalb der Huracán-Familie.

Fühlbar wie ein Tritt

Die 30 PS Minderleistung im Vergleich zum Topmodell Lamborghini Huracán LP 610-4 lassen sich selbst auf einer Rennstrecke wie dem kurvenreichen Losail Racetrack 30 Kilometer vor den Toren Dohas, der qatarischen Hauptstadt, nicht herausfahren. Auch die 33 Kilogramm Mindergewicht fallen wohl nur bei der abendlichen Weight-Watchers-Messung auf.

Optisch sind die Unterschiede mit marginal veränderten Schürzen vorne und hinten ebenfalls winzig, während sich die gewohnt eng geschnittenen Innenräume erwartungsgemäß im stilechten Lamborghini-Paarlauf üben.Der einzige Unterschied ist fühlbar wie ein Tritt in den Hintern.

Was dem spektakulären Renner aus Santa Agata jedoch mit warmen Reifen bereits nach zwei Kurven anzumerken ist, bleiben die fehlenden Antriebswellen an der Vorderachse. Denn der LP 580-2 überträgt seine opulente Motorleistung gewohnt lautstark, aus seinen vier Endtöpfen infernalisch brüllend – nur eben nicht auf vier, sondern auf zwei Räder, und das sind die hinteren. Was passiert dann?

Fahrbahnrand im Rückspiegel

Ein stärkerer Tritt aufs Gas, und fast augenblicklich taucht im Rückspiegel der Fahrbahnrand auf. Was für ein Querschläger! „Der Lamborghini LP 580-2 bietet ein spektakuläres Handling und ermöglicht kontrolliertes Übersteuern“, brüllt Lamborghini-Chefentwickler Maurizio Reggiani durch den Lärm startender Motoren hindurch. „Seine Gewichtsverteilung liegt bei 40:60. Das ist Fahrspaß pur, weil der Wagen richtig driften kann.“

Driften kann er jedenfalls wie kein Zweiter. Egal in welchem Fahrprogramm der Lamborghini Huracán LP 580-2 unterwegs ist, hat der Fahrer kein Problem, das Heck durch einen Lastwechsel am Kurvenscheitelpunkt gefühlvoll auskeilen zu lassen.

Perfekter denn je: die präzise Lenkung, die ohne Allrad-Antriebskräfte noch etwas mehr als ohnehin überzeugen kann. Wechselt man über den Taster an der mittleren Speiche des Lenkrads vom Strada- auf die schärferen Fahrmodi, werden die Ausritte wilder, der Fahrspaß zumindest in geübter Fahrerhand nur noch größer. Im Hintergrund brüllt der Zehnzylinder - wilder und ungestümer denn je.

Nach 31 Metern steht der Stier

Die Fahrleistungen des knapp 1,5 Tonnen schweren Supersportlers sind dabei so spektakulär, wie man sie von einem Lamborghini mit stampfenden Hinterläufen erwarten darf. 0 auf Tempo 100 schafft der Norditaliener in 3,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 320 km/h ebenfalls knapp hinter der des Allradlers, der 325 km/h schafft.

Noch wichtiger: die Bremse verzögert den tobenden Stier aus Tempo 100 in 31 Metern in den Stand. Beim Normverbrauch von 11,9 Litern Super auf 100 Kilometern macht sich das ebenso emotionale wie durstige Saugertriebwerk bemerkbar – wobei der Realverbrauch garantiert jenseits der 20 Liter liegt. Konkurrenten wie der Porsche 911 Turbo oder ein McLaren 570S verbrauchen auch dank Turbopower zumindest auf dem Papier ein paar Liter weniger.

Ebenso wie die Konkurrenz setzt Lamborghini bei seinem LP 580-2 auf ein blitzschnell schaltendes Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Schaltstufen, das besonders unter Last und mit entsprechenden Drehzahlen überzeugen kann. Weniger gelungen: die statischen Schaltpedalen an der Lenksäule, die variabel drehend am Lenkrad besser aufgehoben wären.

Heckantrieb ist teurer als Allrad

Letztlich macht jedoch selbst in dieser Klasse nicht zuletzt der Preis die Musik. Der Hecktriebler startet bei 178.500 Euro (150.000 Euro zzgl. länderspezifischer Mehrwertsteuer). Das sind 23.000 Euro weniger als der Allradler Lamborghini Huracan LP 610-4, der seinen potenziellen Kunden mindestens 201.705 Euro kostet.

„Der Großteil dieses Segments liegt bei einem Nettopreis zwischen 110.000 und 150.000 Euro, und 60 Prozent ist allein mit Hinterradantrieb unterwegs“, sagt Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann, „und hier haben wir mit dem Lamborghini Huracán LP 580-2 nun ein perfektes Angebot.“

Ob perfekt oder nicht, gerade Sportwagenpuristen werden das zu schätzen wissen. Insbesondere die mit dem nötigen Kleingeld.

Weitere Details zum neuen Lamborghini Huracan LP 580-2 mit Heckantrieb in der Bildergalerie

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Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff