Test: Kia Optima (4. Generation)

Die koreanische Mittelklasse in 4. Auflage

Günstiger geht es nicht

Erfolglos, aber energisch: Kia schickt seine Mittelklasse-Limousine Optima in die nächste Runde. Wer ein hochwertiges Auto zum Schnäppchenpreis sucht, das außerdem auch noch gut aussieht, sollte zugreifen.

 
 
2. November 2015

Für Kias Deutschland-Chef Steffen Cost hat er den Charakter eines Markenbotschafters: Er zeigt sein Gesicht, dafür lohnt sich die Präsenz auf dem vielleicht umkämpftesten Automarkt der Welt.

Weltweit verkauft der Optima sich sogar ziemlich gut: Rund um den Globus setzte der südkoreanische Autobauer allein 2014 rund 300.000 Stück der Mittelklasse-Limousine ab.

Auf Nordamerikas Straßen ist er ein vertrauter Anblick. Nur in Europa und speziell in Deutschland sieht man ihn ungefähr so häufig wie Kraniche oder Seeadler. Ohne Händlerzulassungen sähe dieses Bild wohl noch viel düsterer aus.

Drittes Fenster hinter der C-Säule

Dabei kann sich der Optima durchaus auch sehen lassen, seit Chefdesigner Peter Schreyer 2011 Schluss machte mit der einst koreanisch-barocken Formensprache und das Kia Entwicklungszentrum in Rüsselsheimer ordentlich technisches Know-how hinein gesteckt hat. Jetzt stellte Kia die weltweit vierte Generation des Optima vor.

Außen wurde die 4,86 Meter lange Stufenhecklimousine nur behutsam weiterentwickelt. Länge, Radstand und Höhe wuchsen gerade mal um 1,0 Zentimeter, die Breite lediglich um 3,0 cm. Die Frontansicht dominieren der kräftige Kühlergrill und die seitlichen Lufteinlässe im Stoßfänger.

Von der Seite wirkt der neue Optima etwas gestreckter und dynamischer, ein drittes, kleines Fenster ist hinter der C-Säule dazu gekommen. Die LED-Rückleuchten wurden bis in die Seiten durchgezogen. Ganz nebenbei verbesserte sich der aerodynamische cw-Wert von 0,30 auf 0,29.

Im Cockpit alles am richtigen Platz

Die Verkleidungen im Cockpit wirken wie gehabt etwas billig, da sie aus geschäumtem Plastik bestehen. Aber die fein gemaserte Oberfläche fühlt sich durchaus angenehm an. Durchweg wirken die Materialien wertiger als beim Vorgänger. Die breiten Sitze sind bequem und griffig, lassen sich auch für größere Passagiere ausreichend weit verstellen.

Alle Knöpfe und Schalter finden wir da, wo sie sein sollten und die Anzeigen übersichtlich und informativ. Kein üppiger Kommandostand, für dessen Bedienung man erste ein halbes Jahr Studium benötigt. Die Navigation über der Mittelkonsole ist klar und präzise, die Touchscreen angenehm groß.

Kias Ingenieure haben den Geräuschpegel im Innenraum noch einmal abgesenkt: Der Motor hält sich angenehm leise im Hintergrund, selbst Wind- und Abrollgeräusche sind kaum zu vernehmen.

Verbrauch des Benziners zu hoch

Platz haben wir reichlich – selbst hinten ist die Beinfreiheit üppiger als bei so mancher Premium-Wettbewerber. Nur über dem Kopf wird es in der zweiten Reihe dank der sportlichen Neigung des Daches etwas knapp, auch das kennen wir von der Konkurrenz. Der Kofferraum im Heck bietet mit 510 Litern Fassungsvermögen das klassenübliche – allerdings ist der Zugang von außen immer noch ziemlich eng.

Auf den deutschen Markt kommt der Optima wahlweise mit einem Zwei-Liter-Benzinmotor, der 120 kW/163 PS und ein maximales Drehmoment von 196 Nm liefert. Das reicht dann für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.

Der DIN-Verbrauch liegt laut Hersteller bei 7,4 Liter auf 100 Kilometern, dürfte also in Realität die 9 Liter erreichen. Das ist zu viel für ein modernes Auto dieser Größenordnung und Leistungsstufe.

Diesel behäbig, aber zeitgemäß sparsam

Die Alternative zu diesem recht hohen Verbrauch ist ein Diesel mit 1.685 ccm Hubraum. Dessen 104 kW/141 PS sind zusammen mit dem maximalen Drehmoment von 340 Nm gerade gut genug, um den 1,6 Tonnen schweren Optima ausreichend flott voran zu bringen. Der Spurt von 0 auf 100 in 11,0 Sekunden ist nicht gerade berauschend – aber das passt zum eher entspannten Fahrcharakter des Kia.

Der Optima soll eben als bequeme Reiselimousine dienen, seine Insassen wollen keine Pole-Position an der Ampel oder sonstwo im Leben. Da passt dann auch das 7-stufige Doppelkupplungsgetriebe mit seinen sanften Gangwechseln perfekt, das gegen Aufpreis angeboten wird. Zur Serienausstattung gehört eine 6-Gang-Handschaltung.

Die Lenkung ist präzise, wirkt aber synthetisch. Das optionale Adaptive Fahrwerk bügelt Unebenheiten auf der Fahrbahn souverän weg. Den einstellbaren Sport-Modus kann man dabei getrost vergessen: Er macht nur die Federung ruppig, an Schaltzeitpunkt oder Gasannahme ändert sich zumindest gefühlt dagegen nichts. Immerhin ist so oder so eine Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h drin. Den Normverbrauch gibt Kia mit 4,4 Liter Diesel an. Damit sollte in Realität 6 Liter möglich sein, das gefällt uns schon viel besser.

In Kürze erstmals auch als Kombi

Deutlich nachgelegt hat Kia vor allem bei den Assistenzsystemen. Wer in der Aufpreisliste fleißig Kreuzchen macht, kann alles ordern, was die Technik heute hergibt: Rundumsichtkamera mit Vogelperspektive, Einparksystem, eine gut funktionierende aktive Lenkung, dynamisches Kurvenlicht, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung, Notbremsassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelung und mehr.

Bei den Preisen ist Kia auf dem Niveau des Vorgängers geblieben. Der Benziner kostet in der Basisversion unverändert 24.990 Euro, den Diesel gibt es ab 29.990 Euro. Ob das die Verkaufszahlen deutlich belebt, ist fraglich. Eine weitere Hoffnung dafür dürfte es ab Herbst 2016 geben: Dann kommt der Optima auch als Kombi auf den Markt kommen.

Und ein wenig mehr Auswahl bei den Motoren dürfte auch nicht schaden. Immerhin: Eine GT-Version mit mehr als 250 PS ist schon in der Pipeline und auch einen Plug-In-Hybriden wird es 2016 geben. Mehr konzentrieren will sich Kia auch auf das Geschäft mit den Dienstwagen: Wer Mittelklasse fahren will und wem VW Passat, Ford Mondeo oder Opel Insignia dafür zu fade sind, der sollte sich den neuen Optima ansehen.

Weitere Informationen über den neuen Kia Optima in der Bildergalerie.

Jetzt Kia Optima suchen

Typisch Kia: Unauffälliges Äußeres, lange Garantiezeit, gute HU-Statistik. Warum nicht einen gebrauchten oder neuen Optima?

Kia Optima bei mobile.de

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff