Jaguar XJR, X351

Jaguar XJR, X351

Sportlicher Luxus made in Britain

Mit dem XJR will Jaguar im Revier der sportlichen Platzhirsche Mercedes S63 AMG, Porsche Panamera Turbo S und Maserati Quattroporte wildern.

17. August 2013

Von außen muss man schon genau hinschauen, um die Langversion des Jaguar XJR von der kurzen zu unterscheiden. Zu ähnlich sind die eleganten Silhouetten. Wobei das um zwölf Zentimeter längere Modell noch einen Schuss geschmeidiger daher kommt.

Im Innenraum fällt die Differenzierung dagegen leicht. Während man in der längeren Variante bequem hinter einem erwachsenen Beifahrer sitzen kann, wird es in dem 5,13-Meter-Modell schon sehr eng.

Bei beiden Versionen beengt die sehr breite Mittelkonsole die Insassen. Auch der Beifahrer-Fußraum ist nicht wirklich geräumig und entspricht nicht dem, was man von einer Oberklassen-Limousine, die immerhin 141.310 Euro kostet, erwartet. Dass es hinten für Menschen, die größer als 1,90 Meter sind, um den Kopf herum eng wird, ist bei dem stark abfallenden Dach kein Wunder.

Da es beim Preis keinen Unterschied zwischen der Kurz- und der Langversion gibt, ist der Griff zur großen Variante keine Frage.

Nicht ganz das Niveau der S-Klasse

Vorne sitzt man in beiden Modellen dank der Sportsitze mit sehr viel Seitenhalt sehr bequem. Auch das Leder fühlt sich gut an. Klavierlack und feine Holzapplikationen runden das Schöner-Wohnen-Ambiente ab. Allerdings erreicht die Wertigkeit der verbauten Materialien nicht das Niveau der neuen S-Klasse.

Ähnlich verhält es sich mit den digitalen Rundinstrumente, die sind nicht jedermanns Sache. Mit den gestochen scharfen Anzeigen des schwäbischen Luxusmodells können der virtuelle Tacho und Drehzahlmesser der Raubkatze nicht mithalten.

Handlungsbedarf bei Assistenzsystemen

Bei den Assistenzsystemen besteht ebenfalls noch Handlungsbedarf. Da erreicht die Raubkatze nicht das Niveau der deutschen Premium-Konkurrenz. Ein Tempomat mit Nofall-Bremsassistent kostet ebenso Aufpreis wie ein Toter-Winkel-Warner. Immerhin sind die Xenon-Scheinwerfer mit intelligentem Fern- und Kurvenlicht im durchaus gesalzenen Preis inbegriffen.

Eine Voll-LED-Beleuchtung sucht man in der Aufpreisliste genauso vergebens wie einen Allradantrieb, der der 3.0-Liter-Variante vorbehalten bleibt.

"Wir müssen unsere Entwicklungsressourcen gezielt einsetzen und genau abwägen, welche Antrieb-Motorkombination auf welchem Markt die besten Erfolgsaussichten hat", sagt der globale Marketingdirektor Steven de Ploey.

Gute Fahreigenschaften

Auf dem Asphalt kann der Jaguar XJR dagegen hervorragend mithalten. Mit einem Druck auf den Zielflaggen-Knopf in der Mittelkonsole färben sich die digitalen Rundinstrumente rot, die Drehzahlnadel schießt nach oben und das englische Achtzylinder-Kraftwerk signalisiert mit einem dumpfen Grollen Angriffsbreitschaft. Die Raubkatze spannt die Muskeln: Die variablen Dämpfer verhärten sich, und ein Tritt auf das Gaspedal katapultiert das 1.880 Kilogramm schwere und 5,25 Meter lange Automobil ohne Rücksicht auf Verluste vorwärts.

Bereits nach 4,6 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Erst bei 280 km/h ist Schluss. Dabei fällt auf, wie gut die ZF-Achtgang-Automatik mit dem Triebwerk harmoniert. Wer trotzdem sein Schaltglück in die eigene Hand nehmen will, kann jederzeit mit den beiden Wippen am Lenkrad eingreifen.

Im Sport-Modus geht das Ganze nur noch manuell, und man kann die Gänge noch weiter ausdrehen.

Der Spaß hört nicht auf, sobald es um Kurven geht. Die hydraulische Lenkung ist keine Referenz, aber direkt genug, um die Luxus-Limousine präzise um die Ecken zu zirkeln. Der Jaguar XJR setzt die Vorgaben des Fahrers auch prompt um.

Entspanntes Gleiten

Das entspannte Gleiten beeindruckt ebenfalls: Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h braucht der V8-Kompressor-Motor, der mittlerweile 550 PS und maximal 680 Newtonmeter Drehmoment hat, lediglich rund 1.500 U/min.

Dementsprechend ruhig ist es auch im Innenraum. Lediglich leichte Windgeräusche und das schon deutlicher vernehmbare Abrollgeräusch der 20-Zöller stören.

Stärken 

  • bequeme Sportsitze
  • Design
  • Motor

Schwächen 

  • wenige Assistenzsysteme
  • Platz
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll