Test: Jaguar XJ (Baureihe X352)

Neues Modell vom Oberklasse-Jaguar

Großkatze auf der Pirsch

Wer in der Luxusklasse auffallen will, darf keine S-Klasse oder einen 7er BMW fahren. Mit Blick auf britischem Understatement und einer gehörigen Portion Luxus ist der Jaguar XJ eine echte Versuchung.

 
 
28. Januar 2016

Ein Jaguar XJ war schon immer etwas Anderes. Für das bloße Fortkommen, profan von A nach B, fast schon zu schade (und zu anderen Zeiten auch nicht verlässlich genug – aber das ist lange her). Im Laufe seiner sieben Generationen seit 1968 avancierte er rasch zum fahrenden Statussymbol. Von den vier Augen in der Front hat sich Jaguar zwar schon länger verabschiedet, doch der Wiedererkennungswert des XJ ist noch immer hoch. Zumindest bei den Jaguar-Fans.

Nun rollt der edle Brite mit schicken LED-Scheinwerfern nominell in seine achte Generation. Und das macht er sportlicher denn je. Mit bis zu 550 PS und einem leicht veränderten Äußeren geht er auf die Jagd im Premiumsegment.

Da sich die meisten XJ-Kunden jedoch für den nur in Bezug auf die PS-Zahl schwächeren Sechszylinder-Diesel stürzen, gilt ihm gerade in Europa die größte Aufmerksamkeit.

Neuer XJ kostet ab 81.000 Euro

Dass die 300 PS ihn nur unwesentlich unsportlicher wirken lassen, als das Topmodell XJ R, liegt schlicht und ergreifend an seiner Durchzugskraft. Denn die beträgt mit 700 Newtonmeter sogar 20 Newtonmeter mehr, alsdie der größten Raubkatze. Was diese Kraft für Auswirkungen auf die Insassen des ab 81.000 Euro teuren Basis-Jags hat, ist schnell gesagt: Sie macht jedes Lächeln noch ein wenig länger.

Zugleich verlieren die Massagesitze an Bedeutung: Bei stetig aggressivem Gaspedaleinsatz braucht es lediglich ein paar Kastanien zwischen Rücken und Ledersitz, dann die Sitzheizung auf volle Leistung gedreht – und voilá, fertig ist die Hot Stone-Massagesitzung.

Dass es das ganze Paket (ohne Kastanien) samt beider leicht verstaubarer Flachbildschirme und Flugzeugtische im Fond nicht gratis gibt, ist klar. So lässt sich auch der Preis des Basismodells im Nu an die magische Sechsstelligkeit herantreiben.

In 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h

In 6,2 Sekunden lässt sich die digitale Tachonadel des XJ aus dem Stand bis Tempo 100 treiben. Bei 250 Kilometer pro Stunde macht sie dann Pause, sie darf nicht weiter. Wer im Bereich der angepriesenen 5,7 Liter Verbrauch auf 100 km bleiben will, fährt natürlich tunlichst langsamer.

Doch in Realität dürfte der 77 Liter große Treibstofftank schon lange vor der Wegmarke von 1.000 Kilometern leer sein: Eine 5,13 Meter lange und 1,8 Tonnen schwere Großkatze will schließlich gefüttert werden.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Lautstärke des Diesels. Denn die ist entweder kaum wahrnehmbar oder vollkommen dieseluntypisch kernig. Erst ein bestätigender Blick auf den Drehzahlmesser verrät: Unter der langen Motorhaube und zugleich hinter der leicht modifizierten Front arbeitet tatsächlich ein Selbstzünder!

Schwerfällige Lenkung, zweifelhafte Verarbeitung

Sofern die Straßen über einen glatten Belag verfügen, tritt auch seitens der Reifen keinerlei störendes Geräusch in den edel anmutenden Innenraum. Ändert sich die Beschaffenheit, geht es dann aber äußerst laut zur Sache. Dagegen helfen jedoch gern die auf Wunsch 26 installierten Lautsprecher-Boxen mit insgesamt 1.300 Watt.

Gegen eine stellenweise mehr schlechte als rechte Verarbeitung, wie zum Beispiel an der A-Säule, oder eine schwerfällige Lenkung helfen aber auch sie nicht. Und das ist sehr schade, überzeugt der in puncto Kopffreiheit zwar leicht angewachsene aber immer noch für großgewachsene Fahrer recht enge Jaguar XJ im Großen und Ganzen. An den oben genannten Punkten muss Jaguar noch wachsen.

Ob Kopffreiheit, Beschleunigung, Verbrauch und der ganze Rest sowie nicht zueltzt das Prestige gegen die starke deutsche Premiumkonkurrenz bestehen können, wird sich erst zeigen. Den Rang des Flaggschiffs der Marke Jaguar hat der XJ aber auf jeden Fall weiterhin inne – erst wenn das neue SUV F-Pace kommt, werden die Karten neu gemischt.

So sieht die neue Großkatze im Detail aus: Mehr in der => Bildergalerie

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Der XJ ist für Jaguar so wichtig wie die S-Klasse für Mercedes: Imageträger, lebendiges Stück Firmengeschichte und nicht zuletzt Profitschlager: Seit 1968 werden in England Autos unter dieser Modellbezeichnung hergestellt. Allerdings haben die berühmten XJ-Sänften mit den Doppelscheinwerfern mit heutigen Produkten fast nichts mehr gemeinsam – im Guten wie im Schlechten.

Geht man nur von der Modellbezeichnung aus, wird in Kürze die 9. Generation auf den Markt kommen. Die aktuelle Modellreihe (also Generation 8) ist auf unseren Straßen relativ exotisch: Aktuell werden bei mobile.de rund 250 XJ-Limousinen angeboten.

Neuer Jaguar XJ bei mobile.de

Text: Press-Inform / Marcel Sommer