Jaguar XJ, X351

Jaguar XJ, X351

Aus acht mach' sechs

Jaguar hat seinem Limousinen-Flaggschiff XJ ein neues Herz eingepflanzt. Statt acht Töpfen wummern jetzt nur noch sechs. Dazu gibt eine moderne Achtgang-Automatik. Wie schlägt sich diese Downsizing-Kombination im Alltag?

25. August 2012

Wer einen Jaguar XJ fährt, will sich einerseits vom teutonischen Oberklassen-Einerlei a la Audi A8, Mercedes S-Klasse und BMW 7er distinguieren. Andererseits sind auch britische Eleganz und Understatement gefragt. Der XJ- Fahrer trägt Savile Row-Maßanzüge von Norton & Sons und verlässt das Haus nicht ohne Einstecktuch und rahmengenähte Budapester.

Dementsprechend zurückhaltend elegant ist auch das Design des Limousinen-Flaggschiffs. Lediglich das Heck mit den Lancia-ähnlichen Rückleuchten stört durch den etwas großen Kofferraumdeckel die feine Linienführung.

Interieur kaum verändert

Die Daten des neuen Dreiliter-Kompressor-Motors klingen vielversprechend und stehen dem V8-Sauger in Nichts nach. Der Sprint von 0 auf 100 ist in 5,9 Sekunden absolviert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h - der Verbrauch ist mit 9,4 Liter pro 100 Kilometer gerade noch annehmbar. Schließlich liegt er 1,5 Liter über dem eines BMW 740i.

Auf der Straße lässt sich der Jaguar XJ nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Bereits ab 2.000 Umdrehungen pro Minute treiben 400 Newtonmeter die 1.755-Kilogramm-Limousine vorwärts. Bereits 1.500 U/min später ist mit 450 Nm das maximale Drehmoment erreicht.

Laufruhiger Motor

Der Motor ist laufruhig, lediglich Windgeräusche, die durch das optionale Glasschiebedach verursacht werden, stören die Ruhe etwas. Der Komfort der Hinterachse hat sich ebenfalls verbessert. Nur eine leichte Polterneigung fällt auf.

Sobald man den Sportmodus per Tastendruck aktiviert, zeigt die Luxus-Katze Temperament auch Innen. Die virtuellen Instrumente im TFT-Display werden rot hinterlegt, die Lenkung wird direkter und verhärtet sich. Ebenso wie die variablen Dämpfer. 

Stellt man noch den Automatikknopf in den S-Modus, ist mit dem schaltfaulen Cruisen Schluss. Dann muss der Fahrer manuell mit den Paddeln am Lenkrad das Kommando übernehmen. So aufgeputscht freut sich der 5,12 Meter lange XJ auf jede Kurve.

Getrübt wird das Erlebnis nur durch den mangelnden Seitenhalt der Sitze.

Allradantrieb für XJ und XF

Ansonsten hat sich in der Limousine nicht allzu viel getan. Der Innenraum ist gemütlich, gut verarbeitet und lädt zum Reisen ein. Platz ist genug vorhanden, auch im 520 Liter großen Kofferraum.

Die Limousine mit dem neuen Motor ist ab September für etwas 88.250 Euro bestellbar.

Ab Januar nächsten Jahres bietet Jaguar noch einen Allradantrieb an, der bei Bedarf bis zu 50 Prozent der Kraft an die Vorderachse leitet. Allerdings ist dieses Traktionsplus beim XJ nur für die Kombination mit dem 3.0-Liter-Kompressor-Benziner erhältlich.

Was dem XJ recht ist, kann dem XF nur billig sein. Auch der BMW-Fünfer-Konkurrent bekommt die exklusive Motor-Antrieb-Kombination.

Stärken 

  • Komfort verbessert
  • edles Ambiente
  • laufruhiger Motor
  • wenig Fahrgeräusche

Schwächen 

  • bisweilen nervöse Automatik
  • Windgeräusche beim Glasschiebedach
  • leichte Polterneigung der Hinterachse
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll