Schneller Kofferträger

Jaguar XFR-S Sportbrake

Die Katze im Kombi

Scharfe Krallen: Der Jaguar XFR-S Sportbrake dringt in die Phalanx der deutschen PS-starken Kombis ein. Äußerlich nimmt man ihm das Raubtier durchaus ab, innerlich – auch

27. Mai 2014

Die Katze ist vielseitig: Jetzt kann sie sogar schon sportliche Kombis. Der XFR-S Sportbrake drängt sich mitten in das lukrative Segment der stark motorisierten Transporter. Damit ist die Jagd auf Platzhirsche wie Audi RS6, Mercedes E 63 AMG T sowie BMW M 5 Touring eröffnet. Ist das Raubtier von der Insel eine echte Bedrohung für die Herde?

Zuerst einmal: Der XFR-S Sportbrake ist alles andere als eine schlechte Kopie. Sie schöpft so richtig aus dem Vollen: Wer automobilen Verzicht predigt, ist beim XFR-S Sportbrake ohnehin falsch aufgehoben. Zu sehr animiert das satte, voluminöse Grollen des Fünf-Liter-Kompressor- Kraftwerks den rechten Fuß dazu, die Zehen Richtung Bodenplatte zu bewegen. Gibt man dem akustischen Drängen der Briten-Power nach, geht es ziemlich zügig voran.

Der XFR-S lässt dem Familienvater, der gerne schneller unterwegs ist, die Wahl: Entweder mit Karacho auf der linken Spur dahindüsen oder mit Schmackes um die Kurven pfeffern. Mit dem Fahrerlebnisschalter auf "Race" und der ZF-Achtgang-Automatik auf "Sport" lässt sich leicht ein kleines Feuerwerk der Fahrdynamik veranstalten. Dass sich ein 4,97 Meter langer Kombi nicht im Affenzahn um Haarnadelkurven treten lässt, dürfte jedem klar sein.

Zumal der Sportbrake auch 50 Kilogramm schwerer ist als die Limousine. Deswegen haben die Ingenieure auch das Fahrwerk etwas straffer abgestimmt, was beim schnellen Wedeln sicher kein Nachteil ist. Insbesondere im Race-Modus fühlt sich die knapp zwei Tonnen schwere Kompressor-Katze recht hart an.

 

 
 

 

Zu viel Kraft für nasse Straßen

Sind die optionalen 20-Zoll-Reifen aufgezogen, können schlechte Straßen den Fahrer herausfordern: Gerade bei feuchtem Asphalt sollte man dann zurückhaltend mit dem Gaspedal umgehen. Die Kraft des Kompressor-Triebwerks setzt so schnell ein, dass der Sportbrake gerne mal quer kommt.

Wer mutig genug war, den elektronischen Schleuderschutz ESP auszuschalten, braucht gute Frühwarnsensoren, eine schnelle Reaktion und lockere Handgelenke. Sonst kann es sein, dass man der Natur jenseits der Fahrbahnbegrenzungslinie einen ungewollten Besuch abstattet.

Hier würde ein Allradantrieb helfen. In der Standard-Einstellung ist dennoch genug Komfort für lange und schnelle Autobahn-Etappen vorhanden. Ein Ergebnis der serienmäßigen adaptiven Dämpfer.

Edelkatze mit großem Durst

Wem die XFR-S-Version zu hart ist, der sollte zu den zivileren Varianten greifen. Der Sportbrake teilt sich die technische Basis mit dem XF. Sogar der Radstand ist mit 2,91 Metern identisch. Dabei will der flotte Brite keineswegs nur eine Kopie der deutschen Erfolgskombis sein. "Wir haben uns darauf konzentriert, die Jaguar-DNA in den Wagen zu bringen\", erklärt der technische Direktor der XF-Reihe Dean Murden.

Hinsichtlich der Motorkraft von 550 PS und einem maximalen Drehmoment von 680 Newtonmeter scheint dieses Vorhaben beim XFR-S erreicht worden zu sein. Die Fahrdaten sind ebenfalls vielversprechend: So hetzt der Jaguar in nur 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Erst bei 300 km/h kommt die Tachonadel zum Stillstand und damit muss sich der XFR-S Sportbrake keinesfalls vor den deutschen Kombi-Konkurrenten verstecken.

Dass bei so viel Power unter der Motorhaube auch der Verbrauch dem eines Raubtiers in nichts nachsteht, verwundert offen gestanden nicht. Mit einem Normverbrauch von durchschnittlich 12,7 l/100 km erlaubt sich die Edelkatze einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Zumal dieser Wert im Alltag noch einmal höher liegen dürfte.

Auch zwei starke Diesel im Angebot

Der Jaguar XFR-S Sportbrake hat das Zeug, die deutsche Kombi-Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Vor allem Menschen, die das Besondere schätzen, dürften bei der schmucken Raubkatze einen zweiten Blick riskieren.

Allerdings ist die Top- Version mit einem Grundpreis von 110.450 Euro kein Schnäppchen. Wer viel Strecke macht, sollte sich mit den Diesel-Varianten beschäftigen, die zwischen 200 PS und 275 PS haben. Deren Preise beginnen bei 48.550 Euro.

Schwächen in der Verarbeitungsqualität

Der Nutzwert kommt bei allen Sportbrake-Modellen nicht zu kurz. Auf der Rückbank ist so viel Platz, dass selbst große Menschen locker und gemütlich Platz finden. Wenn es mal schnell mit viel Gepäck in den Urlaub gehen soll, ist das auch kein Problem. Der Kofferraum fasst 550 Liter bis 1.675 Liter. Da lässt sich schon einiges verstauen. Mit einem Handgriff schnalzen die Rücklehnen nach vorne. Das Resultat ist eine ebene Ladefläche.

Im Cockpit findet man sich schnell zurecht. Der automatisch ausfahrende glänzende Automatik-Drehknopf ist immer noch ansehnlich. Ebenso wie das feine Leder des Interieurs. Nur in der Detailverarbeitung erlauben sich die Briten die eine oder andere kleine Schwäche. So waren beim Testwagen die Armaturenbrett-Applikationen nicht immer auf den letzten Millimeter exakt eingefügt.

Die Bedienung hingegen ist eingängig und leicht zu verstehen. Allerdings stünde dem Infotainment-System eine Nachbesserung gut zu Gesicht.

Weitere Details zum Jaguar XFR-S Sportbrake in der Bildergalerie

Stärken

 
  • Viel Platz
  • kräftiger Motor
  • schicke Optik

Schwächen

 
  • Verarbeitung nicht über jeden Zweifel erhaben
  • kein Schnäppchen
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll