Jaguar XFR-S

Jaguar XFR-S

Schein und Sein

Der Jaguar XFR-S spielt optisch die Fast-and-Furious-Karte, lässt aber dem sportiven Aussehen dank 550 PS und Leichtfüßigkeit auch Taten folgen.

25. August 2013

Jenseits von 500 PS wird die Luft ziemlich dünn. Da haben im Bereich der schnellen Sport-Limousinen solche Dampfhämmer wie der BMW M5 oder der Mercedes E 63 AMG ihr Revier nachhaltig markiert.

Nun will auch Jaguar mit dem XFR-S ein Teil des lukrativen Kuchens haben. Damit der britische Eroberungs-Feldzug erfolgreich sein kann, muss die Raubkatze schon einiges bieten. PS-mäßig kann der 4,96 Meter lange Brite durchaus mit der teutonischen Konkurrenz mithalten.

Tuning-Fans haben an dem Aussehen des Jaguar XFR-S sicher ihre Freude. Optisch lässt es der XFR-S mit dem den großen Lufteinlässen in der Frontschürze, den schwarzen Waben-Kühlergrill, den Carboneinsätzen, dem Diffusor und dem optionalen Bügelbrett-Spoiler schon ziemlich krachen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Briten sonst gerne ihr Understatement pflegen.

Edles Leder

Die Spaltmaße der Karosserie sind nicht über jeden Zweifel erhaben: Die rechten Seitenschweller standen beim Testwagen deutlich sichtbar ab. Das enttäuscht, schließlich kostet die kräftige Raubkatze mindestens 107.800 Euro - und das ist kein Pappenstil.

Dagegen wirkt der Innenraum dank der analogen Rundinstrumente sehr aufgeräumt, das Leder ist sehr fein und die dunklen Alu-Applikationen edel. Dazu passt auch, dass die bequemen Sportsitze viel Seitenhalt bieten.

Kräftiger V8-Motor

Unter der Motorhaube mit den auffallenden Lufteinlässen verrichtet die neueste Version des V8-Kompressor-Motor mit 550 PS und einem maximalen Drehmoment von 680 Newtonmetern ihre Arbeit. Das Aggregat hält auch akustisch mit seiner Kraft nicht hinter dem Berg.

Dank der verbesserten Drosselklappensteuerung hängt das Alu-Triebwerk spontan und arbeitswillig am Gas. Allerdings ist die Raubkatze mit einem Gewicht von 1.987 Kilogramm nicht unbedingt ein Muster an Leichtbau.

300 km/h Höchstgeschwindigkeit

Obwohl mehr ginge, ist die Spitzengeschwindigkeit des XFR-S bei 300 km/h elektronisch begrenzt. Das passt ins Gesamtkonzept. "Für uns ist das Handling genauso wichtig wie der Top-Speed", erklärt Jaguar-Chef-Ingenieur Taj Kailey das Abstimmungskonzept der stärksten Jaguar-Limousine aller Zeiten.

Beim Sprint von null auf hundert km/h ist der Jaguar mit 4,6 Sekunden um 0,3 Sekunden langsamer als beispielsweise ein BMW M5.

Die bekannte ZF-Achtgang-Automatik harmoniert dank ihrer schnellen Gangwechsel sehr gut mit dem Motor. Wer will, kann jederzeit mit den Schaltwippen am Lenkrad das Schaltglück selbst in die Hand nehmen und weiter ausdrehen.

Aufgrund der bekannten Jaguar-Fahrprogramme, die mit dem Drehschalter in der Mittelkonsole angewählt werden, lässt aber auch die Elektronik einiges an Querdynamik-Spaß  zu.

Einiges an Technik

Um dem XFR-S die entsprechende Leichtfüßigkeit einzuhauchen, haben ihm die Jaguar-Ingenieure einiges an Technik spendiert. Die Karosseriesteifigkeit ist um 30 Prozent erhöht und das Fahrwerk wurde nachgeschärft.

Die Radlager sind größer und steifer als bei den anderen XF-Modellen, die geschmiedeten vorderen Achsschenkel haben eine neue Geometrie und sind zudem noch leichter. Ein verbesserter Hinterwagen mit geänderter Geometrie bringt zusätzliche Traktion und eine bessere Balance. Auch die Querstabilisatoren sind dicker. Die variablen Dämpfer haben eine straffere Kennlinie und das elektronisch geregelte Hinterachs-Differential sorgt für angemessene Kurvengeschwindigkeiten.

Das Ergebnis ist, dass der XFR-S auch bei kurvenreichen Passagen trotz seiner fast zwei Tonnen eine ziemlich gute Figur macht. Wenn es forciert um die Ecken geht, schiebt der Jaguar zunächst gutmütig und leicht kontrollierbar über alle vier Räder. Wer sehr herzhaft auf das Gas steigt, wird prompt mit einem veritablen Heckschwenk "verwöhnt", der aber vom ESP wieder eingefangen wird. Dagegen ist beim scharfen Einlenken ein leichtes Untersteuern festzustellen.

Großer Heckspoiler sorgt für Traktion

Wer gesteigerten Wert auf Traktion legt, soll sollte die größere der beiden Heckspoiler-Varianten wählen, die Jaguar anbietet. Die auffällige "Pommestheke" trifft zwar nicht zwingend den Geschmack eines jeden automobilen Ästhetikers, sorgt aber für das nötige Plus an Traktion, das der XFR-S für diese Agilität braucht.

Damit der Fahrer auch ständig das Auto in der Hand hat - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes -, haben die Ingenieure an die hydraulische Lenkung deutlich verbessert. Die Steuerung erreicht zwar nicht ganz die Feinfühligkeit und Präzision der BMW- oder Porsche-Variante, gibt aber zuverlässig Rückmeldung und hilft, den Jaguar präzise um die Ecke zu zirkeln.

Stärken 

  • übersichtliches Cockpit
  • Motor
  • Agilität

Schwächen 

  • Verarbeitung nicht über jeden Zweifel erhaben
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll