Fahrbericht Jaguar XF 2.0 D

Die 2. Generation der Sport-Limo

Katzensprung in die Mittelklasse

Jaguar will mit dem XF dem BMW 5er, der Mercedes-E-Klasse und dem Audi A6 das Leben schwer machen. Die Briten haben ihre Attacke auf die deutsche Premium-Bastion der Oberen Mittelklasse gut vorbereitet, allerdings gibt es noch Raum für Verbesserungen

19. August 2015

Ein Auto für Selbstfahrer war jeder Jaguar schon immer. Doch jetzt haben die Briten auch ein Herz für die Passagiere entdeckt. Deswegen ist es kein Wunder, dass der Jaguar XF beim Platzangebot überzeugt. Im Fond macht sich der große Radstand von 2,96 Metern mit einer gemütlichen Beinfreiheit bemerkbar.

Doch auch oben herum wird es trotz der coupéhaften Linie nicht eng. Der Kofferraum bietet mit einem Volumen von 505 Litern (mit Reserverad, 540 Liter ohne) bis 885 Liter Platz genug für das Gepäck einer ganzen Familie.

Papa (bzw. Mama) muss aber gut verdienen, denn die schicke britische Sport-Limousine ist auch in 2. Generation nicht ganz billig . Für den 180-PS-Diesel mit Achtgang-Automatik sind mindestens 45.060 Euro fällig. Das ist, wie könnte es anders sein, in etwa das Preisniveau des BMW 520d. Immerhin 90 Euro billiger.

 
 

 

90 Euro günstiger als der 5er

Tatsächlich ist der Jaguar ganze 90 Euro günstiger. Die kann ein Jaguar-Käufer allenfalls in die erste Tankfüllung investieren. Sie wird schnell weggefahren sein, denn das entspannte Cruisen macht im neuen XF ebenso viel Spaß wie das hektische Jagen.

Vor allem in der R-Sport- Variante für 50.110 Euro. Die Preisspanne reicht beim Jaguar XF von 41.350 Euro für den 120 kW / 163 PS-Diesel bis hin zu 70.390 Euro für die Top-Version mit 280 kW / 380 PS und Allradantrieb. Ab dem 26. September steht der XF beim Händler.

Ein solides Stück britische Wertarbeit, im Großen und Ganzen. Allerdings missfallen kleine Unachtsamkeiten. So ist zum Beispiel der Unterboden der Hutablage nicht verkleidet, blankes Blech kränkt das verwöhnte Auge des Betrachters.

In drei Monaten kommt die Top-Ausstattung

Der Innenraum kann mit dem flotten Exterieur-Design nicht ganz mithalten. Das Cockpit wirkt eher nüchtern, und der geschwungene Sockel unter der Windschutzscheibe wird beim Reinigen der Fahrgastzelle dereinst eine ganz eigene „Freude“ bereiten.

Der Acht-Zoll-Infotainment-Monitor in der Mittelkonsole stört mit seinen Hartplastik-Bedienknöpfen ein wenig den durchaus vorhandenen Premium-Charme.

Das haben offenbar auch die Jaguar-Strategen erkannt und rüsten in drei Monaten nach, dann kommt die nächste Ausbaustufe „InControl Touch pro“ mit einem deutlich besseren 10,2-Zoll-Touchscreen und zusätzlich einem digitalen frei programmierbaren Instrumenten-Display, ähnlich wie beim Audi TT.

Laser-Display für 1.200 Euro

Die Bedienung des neuen XF orientiert sich dann an einem Tablet. Mit wischen, mit zwei Fingern zoomen und antippen manövriert man sich ohne große Probleme durch die Menüs. Wäre das Display kapazitiv, würde sich die Trefferfläche beim Annähern der Hand vergrößern. Das kriegt Jaguar aber (noch) nicht hin.

Auch die Darstellung der Navigationskarte kann mit dem Niveau der deutschen Konkurrenz nicht mithalten. Jaguar lässt sich dieses Infotainment-Upgrade mit 2.600 Euro bis 4.000 Euro Aufpreis bezahlen. Wer sich die Topversion holt, bekommt eine 825-Watt-Surround-Audioanlage obendrauf.

Wer nochmal 1.200 Euro übrig hat, kann sich das Laser-Head- Display leisten, das mit einer gestochen scharfen Grafik brilliert. Bei den Assistenzsystemen haben die Briten aufgeschlossen, allerdings kosten die meisten Helfer, wie bei der Konkurrenz auch, saftigen Aufpreis.

Chassis besteht zu 75% aus Alu

Die Briten geben ganz offen zu, dass sie mit ihrer Oberen-Mittelklasse-Limousine die Käufer vom 5er BMW weglocken wollen. „Da jetzt der XE das Einstiegsmodell ist, konnten wir uns beim XF noch mehr auf das konzentrieren, was, unserer Meinung nach, in diesem Segment einen Jaguar ausmacht“, sagt Christopher McKinnon.

Übersetzt heißt das, dass neben dem Design auch die Sportlichkeit eine große Rolle bei der britischen Traditionsmarke spielt. Daher rührt auch die Fokussierung auf BMW. Der Jaguar XF teilt sich mit dem kleineren Bruder XE die Plattform, hat aber 83 Prozent neue Teile.

Da 75 Prozent des Chassis aus Aluminium bestehen, wiegt der Rohbau lediglich 282 Kilogramm, das gesamte Auto 1.595 Kilogramm und damit ist 190 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Gleichzeitig ist der neue XF um 28 Prozent verwindungssteifer, was sich positiv auf die Fahrdynamik auswirkt.

Wie ein verspieltes Kätzchen

Auf der Straße gibt sich der Jaguar XF mit dem 132 kW / 180 PS Diesel kaum eine Blöße. Das Triebwerk hat ein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern, das bereits bei 1.750 U/min voll bereitsteht. In Kombination mit der bekannten ZF-Achtgang-Automatik geht es mit dem Jaguar XF recht geschmeidig und auch leichtfüßig voran.

Das Triebwerk kommt mit dem 4,95 Meter langen Kreuzer gut zurecht. Die Schaltung kaschiert jeden Anflug eines Turbolochs und vermittelt dem Fahrer stets das Gefühl, ausreichend motorisiert zu sein. Nach 8,1 Sekunden ist aus dem Stand die 100-km/h-Marke erreicht und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 229 Km/h kann man mit dem Zweiliter-Diesel auch schnell von A nach B kommen.

Die fehlenden Pfunde machen sich schon beim Anfahren bemerkbar. Aber besonders auf kurvigen Landstraßen ist das leichtgewichtige Fahren eine wahre Lust – hier springt der Jaguar geradezu verspielt wie ein Kätzchen um die Ecken. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern pro 100 Kilometer spielt der XF auch beim Verbrauch in der Minimalismus-Liga der deutschen Konkurrenz. Die Praxis liegt natürlich 15-20% höher.

Adaptive Dämpfer für 1.200 Euro

Allerdings ist der Jaguar-Motor etwas brummiger als beim bayerischen Konkurrenzmodell. Die Fokussierung auf den BMW macht sich bei der Fahrdynamik bemerkbar: Der Jaguar ist in der sportlichen „R“-Variante mit dem Stahlfahrwerk spitzer und lebendiger als der BMW 520d. Die sehr direkte Lenkung reagiert sofort auf jede Bewegung, was für ambitionierte Fahrer ein Genuss ist.

Das Fahrwerk ist passend dazu sportlich straff abgestimmt und in den bequemen Sportsitzen lassen sich auch längere Strecken ohne viele Gymnastikpausen zurücklegen. Sitzriesen sollten sich ebenfalls die Sportsitze gönnen, weil man mit ihnen auch deutlich tiefer platziert ist, als mit dem Standard-Gestühl.

Wer es gerne etwas entspannter mag, der bestellt die komfortablere Abstimmung des Standard-Fahrwerks, die auch für diesen Kilometerfresser geeignet ist. Oder man gönnt sich gleich die adaptiven Dämpfer – für noch mal 1.200 Euro Aufpreis.

Weitere Details zum neuen Jaguar XF in der Bildergalerie

Stärken

 
  • Agilität
  • geräumig
  • großer Kofferraum
  • schnittige Optik
  • Dieselmotor

Schwächen

 
  • Qualität nicht über alle Zweifel erhaben
  • Infotainment noch nicht up-to-date
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll