Infiniti Q50

Infiniti Q50

Extra für Europa

Der Infiniti Q50 wurde extra für Europa entwickelt, um in dem hart umkämpften Segment der Mittelklasse-Limousinen bestehen zu können. Optisch hat der Japaner das Zeug dazu. Wie schaut es auf dem Asphalt aus?

8. Oktober 2013

Optisch macht der Infiniti Q50 durchaus was her. Kein Wunder. Das Design orientiert sich an der schicken Sportwagen-Studie Essence Concept und ist gleichzeitig eine gelungene Weiterentwicklung des ziemlich barocken Vorgängers G37

Eine gelungene Optik ist auch nötig, denn anders als in den USA führt Nissans-Premium-Tochter in Deutschland ein Nischen-Dasein. Hierzulande wurden 2012 über drei Millionen Autos verkauft. Nur 733 Stück hatten das Infiniti-Markenlogo auf dem Kühlergrill.

Kuschelige Platzverhältnisse

Im Innern des 4,79 Meter langen Fahrzeugs geht es erstaunlich kuschelig zu. Die Sitzposition vorne ist relativ hoch. Das hilft zwar bei der Übersicht, aber ab eine Größe von 1,93 Metern wird es um den Kopf herum eng.

Das Cockpit mit dem Touch-Navi-Screen, dem Touchpad und den Apps macht erfolgreich einen auf Tablet-PC. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt man damit sehr schnell klar.

Das Interieur ist japanisch nüchtern mit unterschäumten Flächen und ein paar Holzapplikationen. Alles ganz in Ordnung. Nur die Druckknöpfe links und rechts des Navigationssystems könnten ein bisschen hochwertiger sein.

Hinten ist ausreichend Platz. Etwas mehr dürfte es bei einem 4,79-Meter-Auto allerdings schon sein.

Das Gleiche gilt für den Kofferraum. Der fasst beim Diesel 500 Liter, hat aber eine hohe Ladekante und ist so verwinkelt, dass es mit großem Gepäck eng werden könnte. Beim Hybrid- Modell sind es noch einmal 100 Liter weniger.

Programmierbares Fahrerlebnis

Da der Infiniti Q50 eigens für den europäischen Markt entwickelt wurde, standen Fahrdynamik und die Technik ganz oben im Pflichtenheft.

Bei der adaptiven DAS-Lenkung (Direct Adaptive Steering) ersetzt ein Kabel die Lenkwelle, die Steuerbefehle werden elektronisch übertragen.

Die Einstellung der Lenkung geschieht über den Fahrerlebnis-Schalter in der Mittelkonsole: Mit ihm wählt man eines von mehreren Programmen, das auch Auswirkungen auf die Gasannahme und die Schaltung hat. Die Spannbreite reicht von "Sport" über "Standard" bis hin zu "Schnee". Wem das nicht genügt, kann sich die Steuerung mit bis zu 96 Einstellungen auch selbst konfigurieren und das Resultat unter "Individual" abspeichern.

In der Praxis wählt man ein Fahrprogramm und kommt damit sehr klar. Beim Diesel ist "Sport" die beste Wahl. Dann ist die Lenkung ziemlich direkt und so lässt sich der 1,75 Tonnen schwere Diesel-Infiniti in kurvenreichen Strecken gut dirigieren. Ein bisschen fehlt allerdings die Rückmeldung bezüglich des Fahrbahnbelags. Wer es etwas komfortabler will, nimmt einfach "Standard".

Munterer Diesel

Der Selbstzünder macht im Zusammenspiel mit der Siebengang- Automatik eine gute Figur, auch wenn er bei niedrigen Drehzahlen präsenter ist als bei Autobahn-Tempo. Dort ist der Q50 im Innenraum recht leise und der Motor wird von den Windgeräuschen übertönt. Die Ruhe liegt vermutlich auch an dem guten cW-Wert von 0,26.

Mit 6,8 l/100 km ist der Spritverbrauch durchaus im Rahmen, obwohl er deutlich über dem angegebenen Wert von 4,4 l/100 km liegt. Zumal der Diesel nicht mit seinen 170-PS-Reizen geizt: In 8,7 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht und die Tacho-Nadel hört erst bei 231 km/h auf, sich im Uhrzeigersinn zu bewegen.

Um aus den Kurven herauszukommen, hilft ein Drehmoment von 400 Newtonmetern.

Zickiger Hybrid

Aufgrund des Heckantriebs schlägt sich der Infiniti Q50 auch auch im Kurvengeschlängel ganz wacker. Dass dabei der Fahrer von Lenkeinflüssen verschont bleibt, ist ein großes Plus der neuartigen Fly-by-Wire-Steuerung. Selbst bei schlechten Straßen bleibt die Lenkung stabil. Ist das Heck zu vorwitzig, greift das ESP ein.

Beim Hybrid-Modell mit 3,5-Liter-V6-Motor und Allradantrieb schaut die Sache auch aufgrund der Batterie schon ein klein wenig anders aus. Einer Untersteuer-Neigung folgt bei Lastwechselreaktionen ein Schwenk des Hinterteils, der von der Stabilitätskontrolle sofort unterbunden wird.

Akzeptabler Preis

Und wie schaut es beim Preis aus? Das Diesel-Einstiegsmodell mit manueller Sechsgangschaltung kostet 34.350 Euro. Für die Automatik-Version legt man noch 2.190 Euro drauf. Will man den Infiniti Q50 mit einigen Extras wie LED-Licht oder den klassenüblichen Assistenzsystemen vollpacken, knackt der Endpreis schnell die 40.000-Euro-Marke. Angesichts des Gebotenen immer noch akzeptabel.

Kann also durchaus sein, dass Infiniti bei der nächsten Zulassungs-Jahresbilanz deutlich besser abschneidet.

Stärken 

  • Design
  • innovative Lenkung
  • Preis

Schwächen 

  • verwinkelter Kofferraum mit hoher Ladekante
  • zu hohe Sitzposition
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll