Pony Car in 6. Generation

Ford Mustang GT 5.0 V8 Mk. VI

Gelbfieber

Was für eine Farbe, und was für ein wilder Gaul: Ford hat die 6. Generation des Mustang auf die Straße gesetzt. Das legendäre US-Sportcoupé galoppiert ab Mitte 2015 auch nach Europa. Schon die erste Probefahrt zeigt: Die Fortsetzung der Legende – in knallgelb und mit der Technik von heute – macht Spaß wie nie zuvor.

13. Oktober 2014

Ein Blick auf den Mustang, und das Herz amerikanischer Autofans beginnt zu galoppieren. Nun dürfte es Bocksprünge machen, denn der Ford Mustang ist da und begeistert ab Oktober die Fans uriger Kraftentfaltung und schwülstiger Karosserieblüte in ganz Amerika.

In Europa wird es noch bis Mitte kommenden Jahres dauern, bis das amerikanische Traumauto erstmals offiziell aus dem Gatter gelassen wird; doch das Warten lohnt sich. Einen lässigeren Ford hat es in Europa noch nicht gegeben; einen sportlicheren sowieso nicht. Vorausgesetzt man entscheidet sich für den großen Achtzylinder des Mustang GT, der mit seinen 308 kW / 418 PS ebenso kraftvoll wie sehenswert über Autobahnen und Landstraßen brüllt.

Echten USA-Fans dürfte trotz 524 Nm maximalem Drehmoment bei 4.250 U/min der bullig wabbernde V8-Klang fehlen, denn der fünf Liter große Achtzylinder-Sauger hört sich eher an, wie ein kraftvoller Sechszylinder. Egal, seine Leistungsdaten sprechen für sich: 0 auf Tempo 100 in unter fünf Sekunden und 250 km/h Spitze machen Laune. Unter 14 Litern Normalbenzin ist in der Realität jedoch wenig zu machen.

 

 
 

 

Vom wilden Mustang zum Schulpferd

Doch der neue Ford Mustang ist endlich mehr als der ungebändigte, aber auch grobschlächtige Hengst, der mit fester Hand und vorsichtigen Schenkeln gebändigt werden möchte, auf dass die Heckpartie nicht zu agil nach den Seiten ausschlägt. Nein, dieser Mustang ist ein braves Schulpferd: Das Fahrwerk mit McPherson-Federbeinen vorn und einer Einzelradaufhängung mit Integrallenkern hinten ist im Vergleich zu seinen Vorgängern nicht wiederzuerkennen.

Auch wenn der 4,78 Meter lange Amerikaner auf kleinen Bodenunebenheiten bisweilen etwas heftig abfedert, ist jeder Kilometer am griffigen Steuer eine wahre Freude. Mit dem in Europa serienmäßigen Performance Paket rollt er auf artgerechten 19-Zöllern (vorn 255er, hinten 275er Reifen) und der Fahrer kann über eine Schalterleiste am Mitteltunnel jederzeit variabel Lenkung, Fahrwerk und Motorelektronik in mehreren Modi beeinflussen. Die Rückmeldung der Lenkung ist im Sportmodus exzellent; im Komfortmodus hat man dagegen den Eindruck, einen Fiat 500 einzuparken.

Bei den nur wenig unterschiedlichen vier Dämpferprogrammen ist der Komfortmodus das überzeugendste Paket.

Der nimmt es mit der Konkurrenz auf

Wenn den Mustangfans auf der ganzen Welt nunmehr die wilde Unbeherrschtheit und der flegelhafte Charme des 1,7 Tonnen schweren Galoppers fehlen, so lassen sich die Regelsysteme auf Wunsch noch immer ausschalten. Und wer es ganz wild treiben will, der fährt am Sonntag zum Spielen auf einen leeren Baumarktparkplatz und lässt mit der Launch Control und einzeln blockierter Vorderachse die Hinterräder qualmen.

Wilde Trampelorgien der Hinterachse wie einst sind ebenso vergessen wie ein Heck, das im Grenzbereich gerne einmal Richtung äußerer Leitplanke austritt. Perfekt: die manuelle Sechsgang-Handschaltung aus dem Hause Getrag, die sich perfekt auf Motor, Auto und Tatendrang eingestellt hat. Da macht es Spaß, das Getriebe bis zum Hohen C aufheulen zu lassen...

Alle anderen genießen, das der Mustang nunmehr erstmals ein scharfes Sportcoupé geworden ist, der es mit der europäischen Konkurrenz erstmals ernsthaft aufnehmen kann.

Einzig der Motorsound könnte besser sein

Um den 418 PS starken GT-Achtzylinder kommt man schon wegen des zu erwartenden Kampfpreises von unter 40.000 Euro nicht herum. Und man sollte keinen Gedanken an den gut 5.000 Euro günstigeren Vierzylinder des Ford Mustang mit seinem 2,3 Liter großen Ecoboost-Triebwerk verwenden. Auch der kleine Einsteiger-Mustang sorgt mit seinem 231 kW / 314 PS starken Turbomotor und nennenswert weniger Gewicht auf der Vorderachse für sportlichen Vortrieb.

Doch trotz 233 km/h Spitze und 0 auf Tempo 100 in unter sechs Sekunden springt der Funke zwischen Wagen und Fahrer nicht über, denn besonders der Klang ist eine Enttäuschung. Der Motor mit seinem stämmigen Drehmoment von 434 Nm ab 2.500 U/min erinnert an einen seelenlosen Vierzylinder aus asiatischer Produktion und mag in keinem Akustikbereich zu einem echten Mustang passen.

Vielleicht lassen sich die Amerikaner vor dem Marktstart in Europa ja noch eine Akustiknachrüstung durch den Kopf gehen; sonst müssen eben später die US-Tuner Hand anlegen.

Hier will jeder nur in den Fahrersitz

So viele Liebe und Hingabe die Entwickler aus Dearborn bei Antrieb und Design haben walten lassen, so viel Mühe hat man sich auch bei den Details im Innenraum gegeben. Kein Gedanke daran, dass der Mustang in irgendeiner Form an der Premiumliga kratzt. Dazu lassen insbesondere die Kunststoffoberflächen zu viele Wünsche offen und auch so manches Lederelement scheint noch Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.

Doch die Instrumente passen so gut wie die wohl konturierten Recarositze und die meisten Funktionen lassen sich auf dem acht Zoll großen TFT-Bildschirm bedienen, dessen Prozessor jedoch niemals mit der Beschleunigung des Achtzylinders mithalten kann. Das Platzangebot ist in der ersten Reihe allemal angenehm – nicht nur durch das luftigere Armaturenbrett – und der Laderaum fasst 408 Liter.

Wen stört da, dass Erwachsene im Fond des Amerikaners kaum ernsthaft sitzen können? Hier will jeder sowieso nur auf dem Fahrersitz Platz nehmen, und dann nichts wie ab zum Spielen auf die Koppel.

Weitere Details zum neuen Ford Mustang 6. Generation in der Bildergalerie

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff