Test: Ford Focus RS

350 PS fürs Volk

Kompakt-Kraft

Selten war Querfahren so einfach, wie mit dem neuen Ford Focus RS. Ein eigenes Programm sorgt für ein perfektes Zusammenspiel von Mensch und 350-PS-Maschine. Und selten war schiere Kraft so günstig.

 
 
21. Januar 2016

Ein Ford Focus RS steht für vieles: Rücken-Schmerzen (vor allem auf schlechtem Untergrund), Muskelkater in den Armen beim Einparken und Wenden sowie ein überaus prolliges Auftreten. Doch nicht die schlechten, sondern vor allem seine positiven Eigenschaften zeichnen ihn über Jahre hinweg aus.

So gehört er zu den wenigen Sportwagen, die bis jetzt lediglich über ihre Vorderachse über 300 PS auf die Straße bringen können, ohne dabei Kontroll- oder Gripverluste zu vermelden. Gleichzeitig bietet er nicht nur seinen Insassen, sondern auch viel Gepäck und bei Bedarf sogar ganzen Einrichtungsgegenständen ausreichend Platz.

Den Ford Focus RS auf sein brachiales Sportler-Gen zu reduzieren, ist demnach schlichtweg falsch. Ihn als Alltagsauto zu deklarieren allerdings ebenso. Er ist ein sehr sportlicher Allrounder und somit für nahezu jede Zielgruppe attraktiv.

Sechs Gänge und ein Driftmodus

Besonders die sportaffinen Kunden werden beim neusten Spross der RS-Fordfamilie mindestens zwei Begriffe mehrmals lesen, um ganz sicher zu gehen, dass ihnen ihre Augen keinen Streich spielen. „Allradantrieb und ein Driftmodus? Wie geil ist das denn?“, wird automatisch die innere Stimme losbrüllen.

Ja, das ist es. Da ein Allradantrieb beim genauen Nachgrübeln nicht direkt zum simplen Driften einlädt, kommt dieses Fahrprogramm wie gerufen. Das Besondere und daher auch Drifterleichternde an diesem Allradantrieb ist, dass bis zu 100 Prozent der Antriebsleistung an die Hinterachse geleitet werden können.

Und dass satte 350 PS selbst bei den Fahrwerkskönigen aus dem Hause Ford so langsam, aber sicher nach einem Allradantrieb schreien, ist auch klar. Nach einem ersten Selbsterfahrungstrip steht eines zumindest fest: Die innere Stimme lag noch nie so richtig. Also: 39.000 Euro auf den Tisch und ab.

Der Proll-Faktor wurde reduziert

Schon von außen zeigen sich erste Unterschiede zum Vorgängermodell. Kurz gesagt: Der RS wirkt jetzt etwas defensiver, sprich nicht mehr ganz so prollig. Zwar prangt über seinem Hintern ein Dachspoiler, doch wirkt er überraschend zurückhaltend.

Die Sicken und Lufteinlässe am Rest des Fahrzeugs schreien ebenfalls nicht unbedingt nach Aufmerksamkeit. Im Innenraum geht es nicht gerade motorsporttypisch komfortabel zu. Die Recaro-Sitze bieten einen guten und festen Seitenhalt, ohne dabei die Gedärme einzuquetschen.

Die bei rasanter Fahrt einzigen beiden Hand-Berührungspunkte, das unten abgeflachte Lenkrad und der Schaltknauf, liegen gut in der Hand. Letzterer bietet mit kurzen Schaltwegen sechs Gänge an. Das Lenkrad ist in seiner Sensibilität anpassbar und somit für jede Situation fordtypisch präzise bedienbar.

Es gibt nur lieben oder hassen

Erfreulich ist, dass schon nach wenigen Metern auf einer kurvenreichen Handlingstrecke klar wird, dass sich sowohl die Programme Normal, Sport und Track genauso spürbar auf das Gesamtfahrerlebnis auswirken, wie auch der frische Driftmodus.

Der 1.529 Kilogramm schwere RS lässt sich speziell in diesem Modus so leicht durch die Seitenscheibe pilotieren, dass den bis zu vier Passagieren nur noch zwei Optionen bleiben: es lieben oder hassen.

Dank der gewünscht indirekteren Lenkung und einer angepassten Traktionskontrolle wird wirklich jeder zum Driftkönig. Wird der ESP-Off-Schalter etwas länger gedrückt, steht einer in puncto Reifenverschleiß kaum noch zu toppenden Fahrt nichts mehr im Wege.

Auch die Längsbeschleunigung geht gut

Von dem 7,7 Liter Norm-Verbrauch kann man sich dann zwar verabschieden, doch sollte das in diesem Falle einmal egal sein. Neben seinem zeitraubenden Querfahr-Modus beherrscht er natürlich auch die klassische Längsbeschleunigung. Nach 4,7 Sekunden fliegt die Tachonadel über die Tempo 100-Markierung, bei 266 Kilometern pro Stunde ist Schluss.

Der 2,3 Liter große Reihenvierzylinder mit Turboaufladung liefert dabei ein amüsantes, aber nicht zu lautes Konzert. Der trotz Antriebswechsel nur 70 Kilogramm schwerer gewordene Ford Focus RS bietet viel Spaß für verhältnismäßig wenig finanziellen Aufwand.

Ein 31 PS stärkerer, aber auf 250 Sachen abgeregelter Allradkonkurrent aus dem Süden Deutschlands, in Worten der Mercedes AMG A 45 4Matic, kostet spürbare 12.000 Euro mehr.

Bilder vom RS

Visuelle Eindrücke vom neuen Ford Focus RS in der => Bildergalerie

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350 PS sind eine Ansage; doch auch der Vorgänger des kompakten Renn-Ford verfügt über reichlich geballte Power: 305 PS, als RS500 (limitiert auf 500 Stück) sogar 350 PS.

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Text: Press-Inform / Marcel Sommer