Ford Fiesta ST, Typ JA8, Fiesta '12

Ford Fiesta ST, Typ JA8, Fiesta '12

Alle guten Dinge sind drei

Der VW Polo GTI und der Seat Ibiza Cupra bekommen Konkurrenz durch den Ford Fiesta ST. Wie schlägt sich der bissige Kleinwagen im Erstkontakt?

13. März 2013

Wer sich einen Ford Fiesta ST leistet, fährt gerne Auto. Das ist klar. Nur soll das Vergnügen nicht durch irgendwelche Kompromisse im Innenraum oder beim Platz bezahlt werden. Ein Blick in den Innenraum beruhigt: Das Interieur des Ford Fiesta ST ist solide verarbeitet. Die Materialien überzeugen allerdings nicht durchgängig.

Der Kunststoff des Armaturenbretts ist unterschäumt und die Mittelkonsole erstrahlt in Klavierlack. Das gefällt. Weniger aber, dass im unteren Bereich des Cockpits unverkleidetes Hartplastik zu finden ist. Auch der minimalistische Infotainment-Monitor ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Zudem ist die Graphik pixelig.

Die Bedienung wurde verbessert, auch wenn die Knöpfe immer noch zu fummelig sind.

Markanter Auftrit

Optisch mach der ST einiges her. Der mächtige schwarze Waben-Kühlergrill und die breiteren Radläufe schauen sportlich aus. Zudem liegt der Fiesta ST 1,5 Zentimeter tiefer über dem Asphalt als seine Serienbrüder.

Platz ist auf den beiden serienmäßigen Reacaro-Sportsitzenvorne genug. Das Gestühl bietet viel Seitenhalt, aber etwas zu wenig Oberschenkelauflage. Hinten hat der 3,98 Meter lange Fiesta weniger Platz. Ab einer Größe von 1,85 Metern wird es um den Kopf herum eng und die "Beinfreiheit" kann man Erwachsenen nur auf Kurzstrecken zumuten.

Auch die hohe Ladekante und der tiefliegende Boden des 281 bis 979 Liter fassenden Kofferraums trüben den guten Gesamteindruck ein wenig, aber nicht maßgeblich.

Athletik stimmt

Die Athletik auf der Straße stimmt. Die Vorder- und die Verbundlenker-Hinterachse wurden überarbeitet. Zum Beispiel ist die Hinterachse jetzt steifer.

Die Auswirkungen auf den Fahrkomfort sind positiv: Der ST flitzt behände um Kurven und bleibt dabei erstaunlich gelassen. Zumal die elektro-mechanische Servolenkung noch direkter anspricht als in anderen Modellen, was gut zu dem Kleinwagen-Athleten passt.

Dreistufiges ESP

Das dreistufige ESP greift sogar im Normal-Zustand erst sehr spät ein. Schaltet der Fahrer auf "Sport", wird der Spaß noch größer, da die Elektronik auch leichte Drifts zulässt.

Bei ausgeschalteten ESP verabschiedet sich die stabilisierende Elektronik, nur das sauber arbeitende elektronische Torque Vectoring, das ein Sperrdifferential an der Vorderachse simuliert, sorgt für Dynamik und macht den ST gut beherrschbar.

Die Fahrdynamik ist so gelungen, dass der Polo GTI und der Seat Ibiza Cupra das Nachsehen haben.

Motor hängt gut am Gas

Der 1,6-Liter-Vierzylindermotor hat mit dem 1.575 Kilogramm schweren Fiesta ST wenig Probleme: Nach 6,9 Sekunden ist der Sprint auf 100 km/h beendet und die Spitzengeschwindigkeit beträgt 220 km/h. Das Drehmoment von 240 Nm steht von 1.600 bis 5.000 U/min zur Verfügung. Per Overboost-Funktion kann für 15 Sekunden von 182 auf 200 PS und 290 Nm Drehmoment erhöht werden.

So hängt das Triebwerk immer gierig am Gas und setzt die Wünsche des Fahrers postwendend um. So kommt echte Fahrfreude auf. Untermalt wird die Athletik von einem kernigen Motorklang, der per Schlauch vom Ansaugtrakt in den Innenraum geleitet wird.

Das präzise zu schaltende Getriebe rundet den guten Auftritt noch ab. Lediglich die Schaltwege könnten einen Schuss kürzer sein.

Kein Spaß ohne Reue. Die ist aber überschaubar: Bei ersten Testfahrten verbrauchte der sich der Ford 9,2 l/100 km. Das sind 3,3 l mehr als im Datenblatt angegeben.

Ab 19.9000 Euro

Der Fiesta ST ist ab 19.900 Euro zu haben. Serienmäßig sind dann die Sportsitze, 17-Zoll-Alus, ein CD-Radio mit USB-Anschluss und eine Klimaanlage. Für 1.000 Euro mehr gibt es Teilleder, eine Klimaautomatik und ein Sony Soundsystem.

Zum Vergleich: Der Seat Ibiza kostet 23.590 Euro und der VW Polo GTI immerhin noch 22.925 Euro. Gut gemacht, Ford.

Stärken 

  • fairer Preis
  • Fahrwerk
  • Motor
  • direkte Lenkung

Schwächen 

  • Mini-Infotainment-Bildschirm
  • Sportsitze mit kurzer Beinauflage
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll