Fahrbericht: Ford F-150 2.7 Ecoboost

Ein Landarbeiter macht sich stadtfein

Downsizing auf Amerikanisch

Der Ford F-150 ist viele mehr als nur ein (sehr großes) Auto: Für viele Amerikaner symbolisiert der Monster-Truck nichts Geringeres als die USA selbst, das Land der unbegrenzten Kofferräume. Die neueste Generation ist bei allem Nutzwert mehr Alltagsauto denn je.

6. Juli 2015

Aluminium? Als Budweiser-Bierdose schön und gut, aber in einem Auto? So oder ähnlich stellen wir uns die Reaktion eines durchschnittlichen Autofahrers im ländlichen Amerika vor auf die Frage, was er von Leichtmetall im Fahrzeugbau halte. Der Hillbilly dürfte ziemlich verdutzt aus der Wäsche glotzen, sähe er den neuen Ford F-150. Denn dessen Karosserie ist komplett aus Alu.

Der mächtige Pick-up hat dank der Leichtmetall-Diät rund 300 Kilogramm Kampfgewicht abgeworfen. Das macht bei einem so genannten Full Size Truck zwar nicht so viel aus wie beim Smart Fortwo, aber immerhin entspricht das mehr als einem Drittel des Smart.

Full Size Trucks sind die Klasse der wirklich dicken Klopper, neben dem F-150 so kräftige Kumpane wie Chevrolet Silverado oder Dodge RAM. Natürlich geht es noch ein paar Klassen größer. Allein der F-150 hat noch eine ganze Reihe stärkerer Brüder bis hin zu Zwillingsbereifung, Doppelachsen und Auflieger.

 

 
 

Auch bei Städtern populär

Auf Platz eins der Bestsellerlisten liegt von der Ende der 40er Jahre eingeführten F-Reihe jedoch nur der F-150. Der hat inzwischen auch in der Großstadt Fuß gefasst, wird dort zum Einkaufen und Spazierenfahren benutzt und verstopft Freeways und Parkplätze von Ost- bis Westküste.

Entsprechend sind Angebot und Dimension von Auto und Fahrerkabine im Besonderen. Hier gibt es je nach Ausführung Dimensionen wie bei einer Oberklasselimousine.

Viele amerikanische Käufer entscheiden sich für die praktische Supercab mit sich gegenläufig öffnenden Türen. Die Sitzgelegenheiten im Fond werden nach Auskunft des Herstellers zumeist als zusätzlicher (abschließbarer) Laderaum genutzt.

Elektrisches Treppchen inklusive

Die neue Generation des Ford F-150 umgarnt nun insbesondere diese neue Zielgruppe: Der deutlich verbesserte Reisekomfort auch auf längeren Strecken ist eine neue Tugend des voluminösen Pritschenwagen. Die Sitzposition haben wir als nahezu perfekt empfunden, die Instrumente sind auf Wunsch animiert und in die Becherhalter in der mächtigen Mittelkonsole dürften auch SB-Bierfässchen passen.

Einfache Bedienelemente und natürlich ein Touch-Screen – das ist der Ford F-150 Jahrgang 2015. Das Angebot der Sonderausstattungen ist nicht weniger beachtlich als bei einem deutschen Premiumhersteller. LED-Scheinwerfer, klimatisierte Ledersitze, verschiedenste Assistenzsysteme, elektrisch ausfahrbare Trittstufen oder eine ebensolche Ladeklappe und Kameras rundum.

„Wieder einmal setzt der Ford F-150 neue Standards in Haltbarkeit, Nutzwert, Technologie und Effizienz“, unterstreicht Joe Hinrichs, Präsident von Ford Nordamerika. Sein endgültiges Statement: „So kann jeder rund um die Uhr noch produktiver sein als bisher.“ Alles wird gut.

180 km/h sind maximal möglich

Einher mit der Einführung der Aluminiumkarosse ging eine neue Triebwerksgeneration. Wenn besagter Privinz-Patriot aus dem mittleren Westen jetzt auch noch hört, dass der F-150 künftig von einem gerade einmal 2,7 Liter großen Sechszylinder befeuert wird, dem dürfte sein Kautabak aus dem Mundwinkel fallen. Das ist Downsizing auf Amerikanisch. Immerhin, einen Turbo hat der Truck nun serienmäßig an Bord.

Bereits in der vergangenen F-Generation rümpften einzelne Kunden über das 3,5 Liter große Basistriebwerk mit oder ohne Turbolader die Nase und setzten sich wie gewohnt in ihren fünf Liter großen Achtzylinder, der eher nach Motor klingt. Und es ist auch nicht so, als sei der 2,7 Liter große Turbodirekteinspritzer trotz seiner 239 kW / 325 PS und 510 Nm maximalen Drehmoment uneingeschränkt eine Idealbesetzung.

Die Fahrleistungen sind für US-Vorgaben mit 180 km/h Spitze allemal ordentlich und die Leistungsentfaltung kann nach einem spürbaren Turboloch ebenso überzeugen. Doch wer häufig mit schwerer Last auf der Ladefläche oder gar einem Anhänger unterwegs ist, dürfte sich den mehrzylindrigen Bruder mit seinen acht Brennkammern herbeisehnen – oder zumindest auf einen Sechszylinder mit mehr Hubraum setzen.

300 Kilogramm mehr Zuladung

Für die meisten Nutzer dürfte der 2,7 Liter große Ecoboost eine gute Lösung sein, auch wenn sich bei Benzinpreisen von derzeit umgerechnet 40 Cent pro Liter in den USA gerade niemand für das Thema Kraftstoffersparnis interessiert. Trotzdem stellt der Normverbrauch eine positive Überraschung dar: rund zehn Liter auf 100 Kilometer, das geht doch. In der Realität dürften es 12-14 Liter werden, aber auch das ist für Truck-Verhältnisse noch beachtlich bescheiden.

Kombiniert ist das Turbotriebwerk mit einer sechsstufigen Getriebeautomatik, deren Wandler die Schaltvorgänge betont weich ausführt; schließlich darf der 150er auch von schweren Lasten und Hängerbetrieb nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Im Fahrbetrieb macht sich schnell bemerkbar, dass er abgespeckt hat. Zwar kann das Fahrwerk mit Leiterrahmen und Starrachsen den Ursprung nicht verhehlen, und das rumpelt nun mal erheblich.

Insbesondere mit leerer Ladefläche macht der F-150 Geräusche – man sollte es sich also zur Gewohnheit machen, ein paar Fuder Feuerholz im Heck spazieren zu fahren, dann rumpelt allenfalls der fossile Brennstoff. Zuladung ist in Hülle und Fülle vorhanden: Schon allein die 300 Kilogramm, die der F-150 dank Alu im Vergleich zu seinem Vorgänger eingespart hat, verschwinden im Nichts auf der Ladefläche.

Allrad nicht nur fürs Gelände

Auf den Allradantrieb sollte man nicht verzichten, denn er sichert nicht nur das Fortkommen auf Feldwegen und auf rutschiger Fahrbahn, sondern sorgt für einen besseren Anhängerbetrieb und mehr Stabilität auf jedem Untergrund.

Ein Bestseller in den USA ist nur zu einem fairen Preis denkbar; gerade bei Autos sind die Amerikaner deutlich preisbewusster als die Europäer. Das Basismodell des Ford F-150 ist umgerechnet für knapp 24.000 Euro zu bekommen.

Ein gut ausgestatteter Ford F-150 2.7 Ecoboost XLT Supercab kostet mindestens 35.000 Euro. Nach oben gibt es mit den Edelversionen kaum Grenzen – auch das kennen wir hinlänglich von der Premiumkonkurrenz.

Mehr Infos über den neuen Ford F-150 2.7 Ecobooster in der Bildergalerie.

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Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff