Fahrbericht: Ford Grand C-Max (Facelift)

Facelift für den zweitgrößten Ford

Wenn der Van ein Van bleibt

Seit 2003 baut Ford den C-Max, seit 2010 wird die Langversion „Grand“ angeboten. Jetzt hat Ford seinem Kompaktvan ein größeres Facelift verpasst. Während anderswo Vans zu SUV-Crossvers mutieren, bleibt der Grand C-Max so, wie er war

20. Mai 2015

Wieder ein Van, ohne wenn und aber: Ford erlaubt seiner gestretchten Großraumlimousine Grand C-Max auch nach dem Facelift, so zu bleiben wie sie war. Wenn sich nichts ändert, ist das eigentlich keine Meldung wert – aber hier schon: So richtig glücklich sind viele Autohersteller nämlich nicht mehr mit ihren Vans.

Die einstigen Familien- und Freizeitkutschen verkaufen sich von Jahr zu Jahr schwieriger, SUV-Modelle wildern erfolgreich im Revier. Das kann dazu führen, dass zum Beispiel Van-Pionier Renault seinen Klassiker Espace in ein schickes Crossover-Kostüm steckt und komplett neu erfindet.

Ford dagegen scheint sich entschlossen zu haben, gegen den Trend zu marschieren: Die Kölner haben ihrem C-Max ein deutliches Facelift verpasst – und den Van dabei Van sein lassen.  
 

 
 

Schiebetüren für 2. und 3. Sitzreihe

In zwei Versionen rollt der Kölner Van nun Richtung Showroom: Als kompakter C-Max mit fünf Sitzplätzen und 4.380 mm Länge sowie als Grand C-Max mit wahlweise 5 oder 7 Sitzen und 4.520 mm Länge.

Wenn schon Van, dann richtig: Die bessere Wahl dürfte für die meisten der Grand C-Max sein – Platz schier ohne Ende, Schiebetüren für einen bequemen Einstieg in die zweite und gegebenenfalls dritte Sitzreihe, dazu eine höher wertige Anmutung im Innenraum.

Auch im Stadtverkehr lässt sich das große Auto gut manövrieren, auf Langstrecken entpuppt er sich als der komfortable Reisewagen, den wir in einem Van zu Recht erwarten. Außerdem ist nach dem Facelift nun eine ganze Familie von elektronischen Helferlein lieferbar.

Fußbewegung öffnet Heckklappe

Vom Design her passt der C-Max nun dank seines großen Kühlergrills besser in die aktuelle Designsprache von Ford. Das freut die Jungs vom Marketing, den Kunden wird es zumindest nicht stören.

Die Nebelscheinwerfer laufen jetzt rechtwinklig, die Scheinwerfer sind etwas gestreckter und aggressiver wirkend. Im Heck gibt es schlankere Rückleuchten und eine veränderte Kofferraumklappe. Der Laderaum, der sich dahinter auftut, ist beim 5-sitzigen Grand C-Max mit 520 bis 1.867 Litern leicht gewachsen.

Mittlerweile fährt die Heckklappe – gegen Aufpreis – nicht nur elektrisch hoch, sondern lässt sich über einen Sensor unter dem Stoßfänger auch mit einem Wischer des Fußes aktivieren – praktisch, wenn man nach einem Einkauf die Hände voll hat. Ford ist zwar nicht der erste Hersteller mit der „Wisch-und-offen“-Funktion – aber das macht sie nicht unpraktischer.

Bessere Schalldämmung

Auch innen hat der aktualisierte C-Max zugelegt. Zum Beispiel bei der Schalldämmung. Vom Motor ist auch bei höheren Geschwindigkeiten kaum noch etwas zu vernehmen – Abroll- und Windgeräusche sind da deutlich präsenter.

Die Bedienung ist eingängig und weitgehend intuitiv, vieles lässt sich nun mit einem Fingerzeig über die Touchscreen erledigen. Die Zahl der Knöpfe und Schalter ist entsprechend auf ein überschaubares Maß gesunken.

Die Sitze passen, sind bequem zu entern und auch für größere Zeitgenossen weit genug zu verstellen. Reichlich Ablagen, auch für Kleinkram – ein Van halt.

Der Nachwuchs wird es vielleicht hassen, aber in den USA erfreut es sich offenbar seit Jahren großer Beliebtheit bei den Eltern: Fords „MyKey“-System, das es jetzt auch für den C-Max gibt, scheint auf Gegenliebe zu stoßen.

Dieser spezielle Autoschlüssel ist vom Besitzer so programmierbar, dass er eine Reihe von Funktionen des Fahrzeugs „erzieherisch“ einschränkt. So lässt sich etwa voreinstellen, dass die Höchstgeschwindigkeit nicht über ein bestimmtes Tempo hinaus geht, Sicherheits-Features wie ESP oder die Traktionskontrolle lassen sich nicht mehr ausschalten.

Die Kontrolle geht sogar soweit, dass auch die Soundanlage manipulierbar ist: Die maximale Lautstärke des Audio-Systems kann mit frei wählbarem Limit eingeschränkt werden. Oder der Wagen startet erst gar nicht, bevor nicht alle Sicherheitsgurte angelegt sind.

Seitenneigung in Kurven spürbar

Beim Fahren zeigt sich der Grand C-Max entspannt und gutmütig. Die Lenkung empfanden wir zwar als zu leichtgängig und gefühllos, aber sie ist immerhin präzise. Die Handschaltung flutscht auf kurzen Wegen durch die Kulisse, ohne auch nur das kleinste Hakeln.

Schön im Zeitalter der elektrischen Parkbremse: Beim C-Max gibt es noch einen richtigen Hebel im Mitteltunnel. Nicht nur bei langen Strecken dürfte man dankbar sein für die komfortable Abstimmung der Federung.

Der Nachteil: Bei forscher Kurvenfahrt kann sich die Karosserie wegen des hohen Schwerpunkts schon mal ziemlich imposant zur Seite neigen.

Notbremsung bis 50 km/h

Hilfreich beim Meilenfressen auf Autobahn und Landstraße sind eine Reihe neuer oder verbesserter Assistenzsysteme, die nun als Option erhältlich sind. Dazu gehört der Tempomat, der in Kooperation mit einem Abstandsradar die vorher eingestellte Entfernung zum vorausfahrenden Fahrzeug konstant einhält.

Oder ein automatisches Bremssystem, das einen Auffahrunfall verhindern oder zumindest seine Folgen (bei einer Geschwindigkeit bis zu 180 km/h) abmildern soll. Eher für den Komfort in der Stadt ist der Einpark-Assistent gedacht, der den Van auf Knopfdruck jetzt auch in Parkplätze einfädelt, die quer zur Straße liegen.

Damit man heil wieder heraus kommt, überwacht ein anderes Assistenzsystem mit 40 Meter Sichtfeld rundum per Radar, ob die Straße frei zum Ausparken ist. Die Notbremsfunktion des City Stop-Systems reagiert jetzt auch bis 50 km/h Geschwindigkeit und löst zur Not auch automatisch eine Vollbremsung aus.

Der Preis bleibt gleich

Überarbeitet hat Ford auch die Motoren, die im C-Max eingebaut werden: zwei Diesel-Aggregate mit insgesamt fünf Leistungsstufen sowie drei Benziner. Bis zu 20 Prozent weniger Verbrauch lautet das Versprechen; nicht zuletzt dank des fast durchweg serienmäßigen Start-Stopp-Systems. Vor allem die Diesel passen gut, könnten aber aus dem unteren Drehzahlbereich heraus etwas mehr Durchzugskraft vertragen.

Der 88 kW/120 PS starke 1,5-Liter-Diesel braucht zwar offiziell 11,3 Sekunden, um das 1,5 Tonnen schwere Familienschiff aus dem Stand auf 100 km/h zu bringen. 270 Nm maximales Drehmoment sorgen nun mal nicht für hohen Anpressdruck. Real kommt man sich allerdings zu keiner Zeit untermotorisiert vor. Auch die Höchstgeschwindigkeit reicht mit 184 km/h für einen Van völlig aus.

Und angesichts eines Durchschnittsverbrauchs von offiziell 4,1 Liter, der im Alltag bei eher sechs Litern liegen dürfte, freut sich auch die Familienkasse. Familienfreundlich gibt sich Ford auch beim Preis: Für den 120 PS starken Diesel rufen die Kölner mindestens 25.600 Euro auf, der „kleine“ C-Max startet bei 17.850 Euro – und damit bei nicht mehr als vor dem Facelift.

Weitere Informationen über den neuen Ford Grand C-Max in der Bildergalerie.

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Ford Grand C-Max

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff