Ferrari FF

Ferrari FF

Für alles gerüstet

Um ein SUV drückt sich Ferrari nach wie vor herum. Doch die Mischung aus Shooting Brake und Allradantrieb trifft ins Herz vieler neuer Kunden.

3. Oktober 2012

Um einen Allradantrieb im Modellprogramm kommt heutzutage kein Autohersteller mehr herum. Diejenigen, die noch keinen haben, experimentieren. Hersteller wie Porsche, Jaguar oder Lamborghini haben 4x4-Vortrieb längst in die Modellpalette aufgenommen.

Ferrari hat insbesondere mit Blick auf die Märkte in den USA, Russland und der Alpenregion ebenfalls den Allradantrieb für sich entdeckt. Der FF macht als Nachfolger des 612ers den Anfang.

Ab in den Winter

Der 4,91 Meter lange Ferrari FF bietet Platz für vier Personen, die zumindest im Fond jedoch nicht von hühnenhaftem Wuchs sein sollten. Zwei größere Kinder oder Damen von zierlicher bis mittlerer Statur können hier sitzen - mehr nicht. Zwar ist über dem Scheitel genug Platz, doch die Beinfreiheit ist dünn.

Es ist mehr der 450 Liter große Laderaum, mit dem Ferrari punkten will. Wer die beiden Einzelsitze im Fond ganz oder die Durchlade in der Mitte umlegt, kann große Gegenstände, ja sogar die Skiausrüstung einladen.

Der Innenraum bietet abgesehen von den zwei zusätzlichen Einzelsitzen im Fond den bekannten Ferrari-Charme. Die Sitze sind gut, könnten jedoch noch etwas tiefer sein und noch mehr Seitenhalt bieten.

Das Ferrari-Steuerrad aus Kohlefaser mit bekannten Modulen wie dem Starterknopf und dem Manettino, über den die verschiedenen Fahrmodi anzuwählen sind, bekam noch weitere Dreingaben wie zwei Taster für die Blinkerbedienung und einen Schalter für die Scheibenwischer. Eher etwas zu viel des Guten - doch man gewöhnt sich daran ebenso wie an die mäßige Multifunktionsbedienung für Bordcomputer, Fahrprogramme und weitere Informationen über dem linken Knie.

Ergonomisch ist anders.

660 PS - 683 Nm

Bei dieser Leistung bietet der Allradantrieb, dessen Vorderachskraftfluss sich bei höheren Geschwindigkeiten spurlos verabschiedet, gerade auf Landstraßen nennenswerte Traktionsvorteile. In Verbindung mit breiten Pneus bringt der Norditaliener die 486 kW / 660 PS und 683 Nm (bei 6.600 U/min) beeindruckend souverän auf die Fahrbahn.

0 auf Tempo 100 in 3,7 Sekunden, bis 200 km/h in gerade einmal elf - das ist beinahe zu spektakulär, wie auch die Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h, die jeden Porsche Panamera nur traurig am Straßenrand verhungern lässt.

Beim FF geht es wie bei allen Ferraris um Leistung, Geschwindigkeit und Luxus. Niemand interessiert sich nennenswert für den in Aussicht gestellten Normverbrauch von 15,4 Litern, Super, der durchaus zu realisieren ist.

Am Steuer zeigt sich schnell, dass der FF ein wahrer Ferrari ist. Die Lenkung ist messerscharf, und das Fahrverhalten selbst auf schlechter Fahrbahn ein Genuss. Sein üppiges Gewicht kann der Vier-Platz-Sportler jedoch weder mit seinem grandiosen Klang noch seinen schier unendlichen Leistungsreserven überspielen.

Doppelkupplung

Das siebenstufige Doppelkupplungs-Getriebe stammt vom Ferrari 458, kann jedoch nicht so begeistern wie dort. Besonders der Automatikmodus, der für einen Luxus-Shooting Brake, der zumeist erwählte Betriebszustand sein dürfte, kann im Komfortbereich nicht vollends überzeugen. Hier sind die Gangwechsel in den nächst niedrigen Gang oftmals ruckelnd zu spüren.

Im manuellen Modus sieht es besser aus, und der Ferrari FF präsentiert seine echten Sportwagengene. Dabei wird ein Teil der Motorleistung nur dann an die Vorderräder übertragen, wenn die Leistung nicht komplett per Hinterachse auf den Asphalt gebannt werden kann.

Für zusätzliche Traktion und Agilität sorgt das elektronische Differential an der Hinterachse, dass die Motorleistung bei Kurvenfahrt flexibel auf linkes und rechtes Rad verteilt.

Der andere Ferrari

Billig und alles andere als überzeugend zeigt sich das Bildschirmnavigationssystem, das man sich kurzerhand von der Konzernschwester Chrysler ausgeborgt hat.

Der Ferrari FF ist ein exzellenter Reisetourer mit echten Langstreckenqualitäten. Selten ist man mit 660 PS so lässig unterwegs gewesen. Und exklusiv: für 258.200 Euro.

Stärken 

  • exzellente Fahrleistungen
  • sehr gute Serienausstattung
  • Allradantrieb
  • hohe Alltagstauglichkeit

Schwächen 

  • hoher Preis
  • hoher Verbrauch
  • wenig Beinfreiheit im Fond
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff