Blasorchester

Ferrari California T

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Wem ein Mercedes SL zu gewöhnlich und ein Aston Martin Vanquish zu betagt ist, der dürfte sich in den Ferrari California T verlieben - gerade in seinen Turbomotor.

3. Juni 2014

Oh Zeiten, oh Wunder: So langsam verabschieden sich auch bei Ferrari die lange Zeit heiß geliebten Saugmotoren. Der überarbeitete Ferrari California T wurde neben optischen Retuschen mit einem komplett neu entwickelten Triebwerk aufgemöbelt. Das kann nahezu alles besser als der 490 PS starke Vorgänger.

Mehr Leistung, ein mächtiger Drehmomentzuwachs und deutlich weniger Verbrauch machen es eingefleischten Ferraristi ebenso wie vermeintlichen Neukunden leichter denn je, sich an die neue Technik zu gewöhnen.

"Neben dem Ansprechverhalten war der Klang des Triebwerks der zentrale Punkt der Neuentwicklungen", erklärt Vittorio Dini, verantwortlich für den Antrieb, "daran werden wir gemessen. Der neue Motor ist zudem kleiner und flacher gebaut. Sein zwei Zentimeter tieferer Schwerpunkt macht ihn zudem agiler."

Noch mehr Sport

Bereits die Rahmendaten belegen, dass eine neue Enthaltsamkeit durch das kleinere Triebwerk keine solche ist. Statt des 4,3 Liter großen V8-Saugers mit 490 PS brüllen unter der langen Haube des California T ab Herbst 412 kW / 560 Pferde. 0 auf Tempo 100 in 3,6 - bis 200 km/h in 11,2 Sekunden und das zu einem Normverbrauch von 10,5 Litern.

Da nerven allenfalls Petitessen – zum Beispiel diejenige, dass sich das vollelektrische Klappdach des 2+0-Sitzers in 14 Sekunden ausschließlich im Stand öffnet und schließt. Das können andere für deutlich niedrigere Preise (und natürlich auch weniger Renommee) besser.

Aber immerhin beträgt das Kofferraumvolumen praktikable 240 bis 340 Liter. Eine elektrische Heckklappe, wie beim Hauptkonkurrenzen Mercedes SL 63 AMG? Ebenso Fehlanzeige wie ein schlüsselloser Zugang oder klimatisierte Sitze. Bitter für 183.499 Euro.

Wenig Zurückhaltung

Am Steuer schlägt sich der Ferrari California T besser und insbesondere sportlicher als zuvor. Der über 1,7 Tonnen schwere Roadster, dessen Hinterteil durch das mächtige Klappdach nach wie vor einer prallen Windel gleicht, bewegt sich nicht so filigran und messerscharf wie ein 458er durch seichte Wechselkurven oder Kurvengeschlängel.

Doch er bietet eine enorme Sportlichkeit, bei immerhin noch vorhandenem Restkomfort. Kein Wunder, dass sich der California seit 2009 zum erfolgreichsten Ferrari-Modell aller Zeiten entwickelt hat.

Über Geld redet man nicht

Mit 316 km/h Spitzentempo und 755 Nm maximalem Drehmoment bietet das Pferdchen aus Maranello eine spektakuläre Leistungsentfaltung und hat optisch ein vergleichsweise zurückhaltendes Auftreten.

Das gilt für den Klang des neuen Achtzylinders nur eingeschränkt. Denn beim Starten des Direkteinspritzers wird schnell klar, dass mit dem California T nicht gut Kirschen essen ist und wer über 6.000 Touren unterwegs ist, dirigiert mit dem rechten Fuß ein volumenreiches Stakkato.

Das auf 3,9 Liter nur leicht geschrumpfte Triebwerk klingt bassiger und tiefer als beim Saugmotor, der bis an die 8.000 Touren drehte. Was das kostet? Sprechen wir nicht über Geld, das hat man natürlich zu haben (183.499 Euro)...

Verbrauch sinkt um 15 Prozent

Die Anschaffungskosten dürften die meisten Kunden ebenso wenig stören, wie der gesenkte Verbrauch, der immerhin rund 15 Prozent unter der des Vorgängers liegt. Am deutlichsten spürbar ist die geänderte Motorencharakteristik, denn während bisher bei 5.000 U/min das maximale Drehmoment von 505 Nm lustvoll seine Arbeit verrichtete, sind nunmehr bereits ab 2.750 U/min bis zu 755 Nm verfügbar.

Wer die Pferde beim Überholvorgang galoppieren lässt, mit dem gehen selbige beinahe durch. Da passt es gut ins Bild, dass die Sportsitze nicht nur wohl konturiert sind, sondern auch mit Langstreckenkomfort glänzen. Einzige Fehlbesetzung: das schwache Navigationssystem.

Und versprochen: nur beim Start fliegen einem kurz Gedanken den Turbomotor durch den Sinn. Denn zwischen den mittigen Lüftungsdüsen zeigt eine digitale Runduhr, wieviel Turbopower gerade abgerufen wird.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff