Ferrari 458 Speciale

Ferrari 458 Speciale

Näher am Limit

Beim Ferrari 458 Speciale dreht sich alles um Agilität. Eine neue Software erlaubt es dem Piloten, das Geschoss aus Maranello noch näher am Limit zu bewegen.

1. Dezember 2013

Geometrie ist nicht jedermanns Sache. Die Winkellehre hat schon so manchen Pennäler zur Verzweiflung getrieben. Aber beim Ferrari 458 Speciale bekommt dieses bisweilen trockene Schulfach eine ganz neue dynamische Bedeutung. Je nach Stellung des Manettino-Schalters am Lenkrad lässt die Software mehr Übersteuern zu, erkennt aber zugleich, ob der Drift kontrolliert und schnell ist oder nicht.

"Die Slide Slip Control hilft dem Fahrer das Potential des Autos immer weiter auszunutzen und immer näher ans Limit zu gehen", erklärt Marco Ribigini, einer der Entwickler diesen Erziehungseffekt. Die Idee ist ausgefeilt: Eine neue aufwendige Software erkennt, in welchem Winkel sich das Auto zur Straße befindet und entscheidet unter Einbeziehung von Werten wie Querbeschleunigung, Gierwinkel, Lenkeinschlag und Geschwindigkeit in welchem Maße eingegriffen werden muss.

Dabei steht die Fahrdynamik an erster Stelle. Ist alles im grünen Bereich, leitet die Elektronik aktiv mehr Drehmoment an einen der Hinterreifen. Droht ein Abflug, wirft das ESP den Anker. "Gutes Beta und schlechtes Beta", nennt einer der Entwickler Marco Ribigini dies und bezieht sich damit auf den maßgebenden Winkel, der sich in einem Dreiecks rechts befindet.

Ausgetüfteltes Zusammenspiel

Mit diesen zusätzlichen Werten regelt die neue, ausgeklügelte Software das Zusammenspiel zwischen dem elektronisch angesteuerten Differential und der Traktionskontrolle regelt. Um diese fahrdynamische Verbesserung zu realisieren, packten die Techniker Formel-1-Sensoren in das Auto und programmierten anhand der vielfältigen Daten die Software, ehe sie die teuren Elemente wieder aus dem Auto nahmen. Immerhin kostet der Ferrari 458 Speciale mindestens 232.530 Euro.

Dazu kommt eine ausgefeilte Aerodynamik, die sich direkt von der Formel 1 ableitet. Bei der Frontschürze bewegen sich, je nach Geschwindigkeit, vertikale und horizontale Flaps und sorgen für mehr oder weniger Anpressdruck: bei Geschwindigkeiten über 170 km/h öffnen sich die vertikalen Klappen und verringern den Abtrieb, ab 220 km/h senkt sich der horizontale Flap und sorgt für mehr Anpressdruck.

Vor dem mächtigen Diffusor befinden sich im Unterboden zwei weitere Klappen, die durch die Elektronik aktiviert werden und so den Luftstrom bedarfsgerecht kanalisieren.

Der Heckspoiler steht steiler im Wind, befindet sich 3,5 Zentimeter weiter hinten als beim Italia und verfeinert so das aerodynamische Konzept.

Dynamik pur

Aber wie wirkt sich das auf der Teststrecke in Fiorano aus? Wie lässt sich das 605-PS-Geschoss bewegen? Die Leichtigkeit, mit der das Gefährt die Kurven nimmt, ist unglaublich. Die Lenkung ist ultra-direkt: Jede Steuerbewegung wird sofort und unmittelbar in eine präzise Richtungsänderung umgesetzt. So muss es sein! Das vielbemühte Wort vom Go-Kart-Feeling bekommt eine neue Dimension, nur, dass wir hier von einem 1,4-Tonnen-Vehikel sprechen und nicht von einem knatternden Asphalt-Bügler.

Auf der langen Geraden brüllt das V8-Monster seine Kraft mit der Inbrunst des Meister-Tenors Luciano Pavarotti kehlig lustvoll hinaus.

Dann kommt die berühmte erste Rechts-Kurve, die Michael Schumacher beim Anblick eines Formel-1-Testfahrers einst zu der Bemerkung "zu früh eingelenkt" verleitete. Die 1.395 Kilogramm schwere Granate aus Maranello ballert auf den Knick zu, beim Anbremsen knallt das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe analog zu den Befehlen, die von den Schaltwippen kommen, die Gänge rein. Unmerklich ohne einen Ruck, Wrumm, wrumm, wrumm! Das Zwischengas-Bellen ist der einzige Indikator für den Wechsel der Schaltstufen. Aber da ist schon die Kurve. Die Bremsbeläge packen die Keramik-Bremsscheiben. Die Verzögerung ist brutal, aber gut dosierbar. War das jetzt spät genug?

Zeit für die Antwort bleibt nicht. Die nächste Rechts-Links-Kombination wartet schon. Unglaublich, wie sich der Ferrari 458 in den Asphalt krallt.

!,5 Sekunden schneller als 458 Italia

Diese atemberaubende Vorstellung lässt sich auch in Zahlen fassen: Dem zahmeren Bruder 458 Italia nimmt der Speciale auf der Testrunde in Fiorano 1,5 Sekunden ab. Das ist eine Menge Holz.

Die Gründe für diesen Top-Wert sind vielfältig. Da ist zum einen der Motor, der um 35 PS stärker ist. Mit einer Literleistung von 135 PS beziehungsweise 2,13 Kilogramm pro PS hat das Kraftwerk die stärkste spezifische Literleistung, die ein Ferrari Achtzylinder-Sauger jemals auf die Straße gebracht hat. Das wurde unter anderem durch neue, reibungsärmere Materialien beim Innenleben des Triebwerks und durch neue Kolbenoberflächen sowie eine veränderte Kurbelwelle erreicht.

Mit den Pferdestärken-Steroiden geht aber auch eine knackige Diät einher: gegenüber dem Italia verlor der Speciale insgesamt 90 Kilogramm. Deswegen sucht die Hand des Beifahrers vergebens nach solchen Annehmlichkeiten wie einem Handschuhfach. Aber sowas braucht man in so einem Auto sicher nicht.

Stärken 

  • neue Software funktioniert prächtig
  • extrem agil
  • klasse Motor

Schwächen 

  • kostet mindestens 232.530 Euro
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll