Test: Citroen DS4 Crossback

Ein Pseudo-SUV von Citroën

Cross-Golf auf Französisch

Citroën versucht mit seiner Premium-Marke DS das, was VW schon vor Jahren mit dem Golf probierte: Der kompakte DS4 Crossback ist ein Pseudo-SUV ohne Gelände-Gängigkeit, aber mit modischem Aussehen.

25. November 2015

VW hat es mit dem CrossGolf vor acht Jahren auch schon mal versucht: Man nehme ein Kompaktauto und brezele es mit ein paar wilden Anbauteilen dermaßen auf, dass es für alle Wochenend-Outlaws zum Fluchtwagen taugt – aber natürlich sollten die wissen, dass der DS4 Crossback spätestens in der dritten Pfütze steckenbleibt.

Es dürfte dem Erfolg des kleinen Hochstaplers wenig schaden: Denn Crossover, die das freie Leben abseits des Alltags vorspiegeln, dabei aber ganz brav & routiniert den Morgenweg ins Büro meistern, sind heute beliebt.

Also wird auch niemanden stören, dass der kompakte DS4 Crossback keinen Allradantrieb hat, von Differenzialsperre und Untersetzung ganz zu schweigen. Schließlich kann auch nicht jeder, der eine Pilotenbrille trägt, wirklich höchstpersönlich ein Flugzeug steuern.

Bessere Übersicht im Verkehr

Dennoch bietet der DS4 Crossback auch im Alltag handfeste Vorteile: Wer drin sitzt, hat den Verkehr besser im Blick. Das Pseudo-SUV hat höhere Bodenfreiheit als der brave Bruder, nämlich 30 Millimeter.

Die rustikale Offroad-Attitüde steht dem tatsächlich gut. Auch die höhere Sitzposition und der augenfällige Auftritt des kleinen Abenteurers dürfte vielen Autofahrern gefallen. Was es noch gibt: eine um drei Zentimeter höhere Bodenfreiheit, eine Dachreling, schwarze Felgen und schwarz beplankte Radläufe.

Die ganzen Off-Road-Extras sind allerdings eine recht teure Maskerade: Der preisgünstigste Crossback kostet 25.490 Euro, das sind 1.500 Euro mehr als das DS4-Basismodell – jeweils mit dem kleinen Benzinmotor, einem Dreizylinder mit 130 PS aus 1,3 Liter Hubraum.

Unter 10 Sekunden von 0-100 km/h

Uns stand ein Testwagen mit dem stärksten Diesel zur Verfügung, einem 180 PS starken Vierzylinder. In Crossback-Ausführung kostet der durchzugsstarke Antrieb ab 31.390 Euro, das sind dann nur noch 400 Euro mehr als das gleichstarke Grundmodell.

Zusammen mit der überarbeiteten Sechsgang-Automatik passt das Aggregat dank des maximalen Drehmoments von 400 Newtonmetern sehr gut zu dem gut 1,5 Tonnen schweren SUV. Auch wenn eine Wandler-Automatik mit lediglich sechs Fahrstufen nicht mehr Stand der Technik ist, bremst sie den DS4 Crossback nicht ein.

Der Motor knurrt erst bei höheren Drehzahlen, tritt aber kräftig an und erweist sich auch im mittleren Geschwindigkeitsbereich als geschmeidig. Das Datenblatt untermauert diesen Eindruck. Aus dem Stand vergehen 9,3 Sekunden, ehe Landstraßen-Tempo erreicht ist, und der Spaß endet erst bei 205 km/h – und dafür ist die sechsstufige Automatik mit an Bord, die sonst 1.500 Euro extra kostet. Hier subventioniert Citroën also sogar das Topmodell.

Heck hebt in engen Kurven ab

Mit einem offiziellen Verbrauch von 4,4 Litern auf 100 Kilometer kann sich dieser Diesel im DS4 Crossback durchaus sehen lassen. Bei ersten Testfahrten zeigte der Bordcomputer allerdings zweieinhalb Liter mehr an – wir kennen das schon: Nicht nur VW mogelt bei der Angabe von Durchschnitts-Werten, weil die laschen Prüfvorschriften das eben bisher erlaubten.

Beim Fahren hinterlässt das Kompakt-SUV einen kommoden Eindruck, der allerdings durch eine Wankneigung in schnellen Kurven erkauft wird. Grundsätzlich ist der Frontriebler gutmütig untersteuernd ausgelegt, aber wenn es allzu zügig um die Ecken geht, bittet auch das Heck gern einmal zum Tanz.

Die Aufforderung zum Straßen-Walzer wird aber so frühzeitig an den Fahrer adressiert, dass der schnell vom Gas gehen bzw. gegenlenken kann. Die Lenkung passt sich dem Gesamtbild an, wirkt etwas künstlich, ist aber ausreichend direkt und nicht zu leichtgängig.

Sehr kleiner Einstieg nach hinten

Technik und Platzverhältnisse des 4,28 Meter langen Autos mit Geländewagen- Optik sind, wie zu erwarten war, identisch mit der der Limousine DS 4. Vorne und hinten ist der DS 4 durchaus langstreckentauglich. Allerdings behindert ein sehr schmaler Durchstieg den Weg auf die Rückbank. Dazu kommt noch eine relativ hohe Ladekante, die das Befüllen des 385 Liter fassenden Gepäckraums erschwert.

Gefallen hat uns hingegen, dass die Scheinwerfer nun LEDs haben: Die Straße wird beim Abblendlicht mit insgesamt 84 Leuchtdioden - 42 in jedem Scheinwerfer - bestrahlt. Für das Fernlicht sind nach wie vor Xenonscheinwerfer zuständig.

Eine Verneigung vor der glorreichen Vergangenheit der „Göttin“ DS, nach der Citroën seine gesamte Premium-Marke etwas waghalsig benannt hat, ist das Kurvenlicht. Gimmicks wie die wischenden Blinker hingegen kennen wir schon – nämlich von Audi.

Anders sein um jeden Preis

Im Interieur fällt die neu gestaltete Mittelkonsole sofort ins Auge: Sie wirkt übersichtlicher, einfacher, praktischer. Unterhalb des Sieben-Zoll-Touchscreens befinden sich nur noch sechs statt bisher 18 Knöpfe. Die Bedienung erfolgt über das Sieben-Zoll Display, das noch nicht kapazitiv ist, was das Treffen der richtigen Flächen während des Fahrens erschwert.

„DS steht für französischen Luxus, für feine Detaillösungen“, erklärt DS-Technikchef Eric Apode bei der Präsentation des neuen Modells. Diese Prämisse wird im Kompakt-Crossover immer wieder deutlich: In den inneren Türgriffen finden sich gelaserte DS-Logos und der Leder-Bezug des Armaturenbretts ist von Hand genäht, was angeblich pro Fahrzeug acht Stunden dauert.

Leider konnte sich Citroën nicht ganz verkneifen, um jeden Preis „anders“ sein zu wollen. Und zwar koste es, was es wolle – also auch auf Kosten der Praktikabilität. Wie zum Beispiel der zentrale Tacho mit dem Zeiger außen am Rand, ist ganz originell, aber bei Sonneneinstrahlung schwer abzulesen.

Frontsitze mit Massage-Funktion

Wenig durchdacht ist auch der tiefplatzierte USB-Anschluss, bis das Kabel richtig eingesteckt ist, ist das eine rechte Fummelei. Klasse ist dagegen die Idee einer Schuko-Steckdose in der mittleren Armablage. Dass die Sitze jetzt eine Massagefunktion haben, steigert den Reisekomfort.

Die längere Windschutzscheibe mit den verschiebbaren Sonnenblenden lässt spürbar mehr Licht in den Innenraum – das hilft nicht nur der Winter-Depression entgegenzuwirken, sondern erleichtert auch die Orientierung.

So gut die Sicht nach vorne ist, so mäßig ist sie aufgrund der kleinen Heckscheibe und den breiten C-Säulen nach hinten. Da kommt es ganz gelegen, dass jetzt eine Rückfahrkamera und ein Toter-Winkel-Assistent zu haben sind. Nützliches fanden wir allerdings, dass Heizung und Klimaanlage bis zu zehn Minuten in Funktion bleiben, sogar wenn der Motor ausgeschaltet ist.

Überarbeitete Sechsgang-Automatik

So nett die dreidimensionalen Instrumente anzusehen sind, so wenig Up-to-Date ist die Optik der Grafik. Die teilweise monochromen Dioden des Displays zwischen Rundinstrumenten erinnern mehr an ein Super-Nintendo, als an eine Playstation 4. Immerhin wird die Konnektivität beim DS 4 großgeschrieben. Neben Apps ist das Infotainment jetzt in der Lage, sowohl Android-Smartphones als auch MirrorLink und Apple CarPlay zu integrieren.

Beim Marktstart in der zweiten Novemberhälfte kann man beim DS Crossback zwischen drei Motoren, zwei Diesel und einem Benziner wählen. Die Spanne reicht von 88 kW /120 PS beim Einstiegsdiesel über 96 kW / 130 PS beim Benziner bis hin zu dem getesteten, 132 kW / 180 PS starken Selbstzünder.

Der bietet serienmäßig einiges an Mehrausstattung, wie zum Beispiel den Toten-Winkel-Assistenten, ein Leder-Lenkrad, ein Navigationssystem und eine Rückfahrkamera.

Weitere Informationen über den neuen Citroën DS4 Crossback in der Bildergalerie.

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Nicht jedem wird die Offroad-Maskerade des Edelkompakten aus dem Hause Citroën zusagen. Wer einfach einen DS4 sucht, ob gebraucht oder neu, wird natürlich auch bei mobile.de fündig:

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll