Chevrolet Camaro ZL1, 5. Generation

Chevrolet Camaro ZL1, 5. Generation

God Bless America

Als ob ein Chevrolet Camaro noch nicht sportlich genug wäre. Wer in einem Muscle Car amerikanische Urgewalt will, wird den ZL1 lieben.

30. Mai 2012

Typisch USA - typisch Muscle Car. Der ZL1 setzt dem bulligen Chevrolet Camaro die Krone auf. Dicke Kotflügelbacken, fette 20-Zöller und eine abgesetzte Alu-Motorhaube mit Karbon-Aufsatz - dieser Chevrolet Camaro macht keine Gefangenen. GM verpflanzte sein 6,2 Liter großes Kompressor-Triebwerk in den Camaro, und der lässt es richtig krachen. Der Achtzylinder leistet 433 kW / 590 PS und ein gewaltiges Drehmoment von 754 Nm.

Handarbeit

Geschaltet wird urwüchsig manuell. Das MG9-Getriebe ist knochig, kann jedoch mit den Leistungsausbrüchen des sportlichsten Camaro aller Zeiten gut umgehen. Wer auf einen Teil der Dynamik verzichten kann, hat die optionale Sechsgang-Automatik vom Typ HydraMatic 6L90 zur Wahl. Mit seinem Fahrverhalten orientiert sich der Hochleistungs-Camaro an der fahrdynamisch exzellenten Corvette ZR1, kann jedoch trotz elektronischer Dämpferabstimmung Magnetic Ride und den drei Programmen Tour, Sport und Track nicht an ihr kratzen. Gerade die Federung der Hinterachse wirkt recht hölzern.

Für den Raketenstart verfügt der 580 PS starke ZL1 zudem über eine Launch Control, die Leistung artgerecht auf die Fahrbahn bannt. Weniger stimmungsvoll zeigt sich der Innenraum. Die elektrischen Sitze bieten genügend Seitenhalt, sind jedoch zu weich und lassen sich in der Weite nicht verstellen. Der serienmäßige Teillederbezug präsentiert sich nicht gerade hochwertig, und so einfallsreich die Retro-Instrumente im Armaturenbrett und in der Mittelkonsole auch sein mögen - wertig sind diese nicht.

Was für ein Antritt

Ist der Kompressor erst einmal zum Leben erwacht, gibt es für den Piloten des 580 PS starken ZL1 kein Halten mehr. 0 auf Tempo 100 schafft der wild trampelnde US-Bulle in 3,9 Sekunden und lässt dabei einiges seiner Pneus auf dem Asphalt liegen. "Das ganze Können des ZL1 sieht man auf der Nordschleife des Nürburgrings", so Aaron Link, verantwortlich für das Fahrwerk des Kraftprotzes, "hier sieht man einen extrem gut abgestimmten Sportwagen, der einen sicher durch jede Kurve bringt. Selbst bei 260 km/h kann man einfach auf dem Gas bleiben. Der ZL1 war bei den Testfahrten in der Eifel wirklich brillant."

Die Zeit konnte sich sehen lassen, denn für die Hochgeschwindigkeitsfahrt durch die grüne Hölle brauchte der Amerikaner gerade einmal 7,41 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit des Chevrolet Camaro ZL1 liegt bei 290 km/h, währen die Automatikversion sogar 295 km/h schafft. Unter 16 Liter Verbrauch ist aber kaum etwas zu machen.

Ab auf die Nordschleife

"Der Nürburgring ist anders als jede andere Rennstrecke auf der Welt", ergänzt Camaro-Chefentwickler Al Oppenheiser, "jede Runde beinhaltet lange Geraden, unzählige Kurven, scharfe Kehren und große Höhenunterschiede. Um auf dem Ring schnell zu sein, muss ein Auto wirklich überall gut sein."

Eine Hochleistungsbremsanlage von Brembo mit sechs Kolben vorne und vier Kolben hinten sorgt auf Rennstrecken für eine entsprechende Verzögerung. Der Sound des großvolumigen Achtzylinders ist mächtig, wird Dank Bypass jedoch erst bei hohen Drehzahlen zu einem wahren Genuss.

Typisch USA

Der ZL1 ist der bulligste Camaro aller Zeiten. Doch man muss Amerika und seine Auto mögen, um den Camaro ZL1 zu lieben. Immerhin gibt es ABS, ESP und ein elektronisches Dämpfersystem. Doch für 54.000 US-Dollar bleibt Hightech wie bei der europäischen Konkurrenz auf der Strecke. In Deutschland ist der ZL1 aktuell noch nicht auf dem Markt. US-Importeure rufen aktuell jedoch Preise von bis zu 80.000 Euro auf.

Stärken

 
  • exzellente Fahrleistungen
  • gute Serienausstattung
  • grandioser Sound
  • fairer US-Preis

Schwächen

 
  • fast keine Assistenzsyteme
  • kein Navigationssystem
  • ruppige Hinterachse
  • preiswertes Interieur
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff