BMW M 235i Sportcoupe

BMW M 235i Coupé Performance

Die volle Dosis BMW

Dieses Coupé zeigt, warum Autofahren auch heute noch geil ist: Das M 235i Coupé ist ein echter BMW, so echt wie lange nicht mehr

9. Juli 2014

Die zahllosen Rückblicke in die Modellgeschichte, die die Marketingabteilungen der Autohersteller allzu gerne bemühen, um das neue Produkt vom Start weg wie ein Klassiker aussehen zu lassen, kann keiner mehr sehen. Und beim BMW M 235i Coupé sieht das auf den ersten Blick auch so aus.

Immer wieder wird der Vergleich zum BMW 2002 tii bemüht, in den frühen 70ern fraglos der Porsche des kleinen Mannes. Doch auch wenn der knallrote 235er und der orangefarbene 2002er nur zu penetrant Seit’ an Seit’ durchs Fernsehbild jagen: Dieses Mal hinkt der Vergleich wirklich nicht.

 

 
 

 

Motor vorn, Antrieb hinten, Leistung satt

Denn der 4,45 Meter lange BMW M 235i, bei BMW zunächst nur als Coupé im Programm, ist trotz grandioser Auftritte der stärkeren Brüder M3 / M4 oder M6 Gran Coupé wohl das Auto, das den sportlich-lässigen Anspruch des Herstellers aktuell besser als jeder andere widerspiegelt.

Motor vorn, Antrieb hinten, Leistung satt – und mächtig Spaß unterm Gaspedal. Das war früher der 02er und das ist heute mehr denn je der M 235i. Und er führt uns eindrucksvoll vor Augen, wie unsinnig die BMW-Idee war, bei kleinen Baureihen künftig auf Frontantrieb umzusteigen. Darüber wird in Ingolstadt und Stuttgart noch immer herzhaft gelacht, und selbst BMW-Fans dürften das ähnlich sehen.

So lässt es sich reisen – und rasen

Der 235er ist definitiv ein Spaß-Auto, mit dem M im Signet irgendwo zwischen Serienfahrzeug und Sportskanone angesiedelt. An ihm ist auf den ersten Blick kein Fehl und Tadel; allenfalls, dass der Auftritt allzu dezent ist. Denn für eine solche Sportskanone trägt der Zweitürer ein recht unauffälliges Kleid. Wer will, kann mit dem modulartig aufgebauten Performance Paket ein wenig Lametta hinzufügen – optisch wie technisch.

Dessen Alcantara-Lenkrad könnte auch aus einem Langstrecken-Renner stammen, der über die Nordschleife donnert. Sieht gut aus – und fasst sich auch spektakulär gut an. Die wohl konturierten Stühle passen wie angegossen. Guter Seitenhalt, perfekte Oberschenkelauflage – so lässt es sich reisen und rasen. Auch auf längeren Strecken, wo sich auch das Geräuschniveau zurückhält.

Der M 235i bleibt ein ehrlicher Sportler

Doch der BMW M 235i ist vor allem ein automobiler Knallkörper, der Kurven gerne auch einmal im leichten Drift durchpflügt. Das kann er am besten. Das üppige Gewicht von 1.545 Kilogramm bestens austariert, findet er gerade in den Sportprogrammen seine perfekte Bahn. Der Fahrer schnalzt im Geiste vor Glück und dreht die Gänge selbst mit der souveränen Achtgangsportautomatik bis 7.200 Touren, ehe er den Sechszylinder einmal kurz durchatmen lässt.

Zugkraftunterbrechungen? Keine Spur! So muss ein BMW sein. Endlich einmal kein Fronttriebler, endlich einmal kein vernunftsoptimiertes Downsizing mit winselig rasselndem Dreizylinder, dem mit Hightech aus dem hauseigenen Entwicklungszentrum Superman-Kräfte abgerungen werden. Gut, auch der drei Liter große Reihensechszylinder des 235ers wird mittlerweile zwangsbeatmet, um 326 Pferdestärken, 450 Nm zwischen 1.300 und 4.500 U/min und Tempo 250 aus ihm herauszupressen.

Doch er bleibt ein ehrlicher Sportler, eine Fahrspaß-Maschine, die nicht nur in dieser Klasse ihresgleichen sucht. Der Normverbrauch: 7,6 Liter. Allerdings werden daraus schnell derer zehn und mehr. Das stört allenfalls indirekt durch den kleinen 52-Liter-Tank.

Von 0-100 in 4,8 Sekunden

0 auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden und eine auf Wunsch perfekt arbeitende Achtgangautomatik liegen im erwarteten Rahmen. Die abgeregelten 250 km/h ebenso. Doch so beeindruckend der 235er auf der Autobahn donnert und kurz danach im Citybetrieb lässig cruist; der Gipfel der Gefühle ist ein Ausflug über eine kurvige Mittelgebirgsstraße.

Dort wird der Fahrer zum Pilot, die Etappe zur Rennstrecke und das Adrenalin beginnt zu kochen. Das griffige Alcantara-Lenkrad in getrockneten Händen lässt einen spüren, was es heißt, die Wiedergeburt eines orangefarbenen 2002 tii zu steuern, der leider ein bisschen zu viel Gewicht auf den Rippen hat.

19-Zoll-Reifen sind technisch sinnvoll

Für 46.000 Euro ist von einem Premiumhersteller aus der erste Reihe kaum mehr Fahrspaß herauszubekommen. Selbst wer in der endlosen Liste der bayrischen Sonderausstattungen wühlt, gibt kaum mehr als 50.000 Euro ausl.

Einzige Ausnahme ist das Performance Paket: Das lässt sich mit Aerodynamikpaket (ab 1500 Euro), sinnfreien Folien, spezieller Auspuffanlage, Innenraumdetails (modifiziertes Lenkrad, Schalthebel, Handbremshebel, Interieurleisten, etc.) für insgesamt rund 3.000 Euro und dem Sperrdifferenzial (2.500 Euro) nach oben bringen.

Nicht herum kommt man jedoch um das Navigationssystem und die technisch sinnvollen 19-Zöller. Die serienmäßigen 225/40 ZR 18 vorne und 245/35 ZR 18 hinten sind für eine Sportskanone wie den M 235i etwas zu wenig des Guten. Aber jetzt wieder ab ins Auto. Denn so sollte ein BMW fahren – wie einst der 2002 tii.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff | Bildmaterial: BMW / press-inform