BMW 435i, F32

BMW 435i, F32

Ambitionierte Weiterentwicklung

BMW läutet mit dem 4er eine neue Nomenklatur ein. Die geraden Zahlen stehen nun für die Coupés.

19. Juli 2013

Platz und Coupés. Das ist immer so eine Sache. Da macht auch der BMW 435i keine Ausnahme. Vorne ist zwar Platz genug, es wird aber um den Kopf herum schon deutlich enger als in der Limousine. Hinten hat man beim Viersitzer ab einer Größe von 1,93 Metern dann doch bisweilen Kontakt mit dem Dach. Das ist aber bei einem Coupé mit einer derart abfallenden Dachlinie nicht Ungewöhnliches. Zumal es im Vorgänger, dem 3er Coupé noch einen Schuss kuscheliger zuging.

Der Blick auf das Datenblatt bestätigt das Gefühl. Obwohl der 4er um 2,6 Zentimeter länger ist, sind die Überhänge vorne um 1,3 Zentimeter und hinten um 1,1 Zentimeter kürzer geworden. Gleichzeitig verläuft das Dach um 1,6 Zentimeter tiefer, wobei der Radstand um fünf Zentimeter angewachsen ist.

Dass die Spur hinten um ganze acht Zentimeter und vorne immerhin noch 4,5 Zentimeter breiter ist, verstärkt den athletischen Eindruck.

Innenraum aufgehübscht

Bein Innenraum haben die Münchener Hand angelegt. "Wir haben die Wertigkeit deutlich angehoben," freut sich BMW-Entwicklungsvorstand Dr. Herbert Diess. Optische Beweise für dieses Ansinnen sind zusätzliche Klavierlack-Applikationen in der Mittelkonsole. Auch die Verarbeitung ist in Ordnung und das Leder fühlt sich fein an.

Jedoch scheint der Kofferraum durch das Verbesserungs-Raster gefallen zu sein: Die Qualitätsanmutung entspricht so ganz und gar nicht dem hochpreisigen Ansatz der Münchener: Die Unterseite der Hutablage ist nicht verkleidet. Wer Gepäck verstauen will, stösst im besten Fall gegen blankes Blech, im schlechtesten Fall reibt er sich die Haut an den Plastikschrauben, die in den Innenraum ragen. Auch die Scharniere des Kofferraums sind nicht sauber entgratet.

Immerhin reden wir hier von einem Auto, das inklusive Automatikgetriebe und Sport-Ausstattungslinie mindestens 51.450 Euro kostet.

Schickes Design

Dafür entschädigt zum Teil die Formensprache. Das neue BMW-Coupé steht satt und geduckt auf dem Asphalt. Zu diesem Eindruck tragen auch die im Vergleich zur Limousine schmaleren Scheinwerfer und die flachere Niere bei.

Dass die Frontlichter für schlappe 1.900 Euro zusätzlich in der Voll-LED- Version erhältlich sind, sorgt auch in der Nacht für gute Sicht, ist aber für eine Premium-Hersteller mittlerweile selbstverständlich.

Aber auch hier leistet sich BMW im Detail Nachlässigkeiten: Die Nebelscheinwerfer sind umgeben von preisgünstig anmutenden Plastikteilen.

Sehr agil

Auf der Haben-Seite steht die Agilität des 435i: Durch Verfeinerungen an Fahrwerk - wie eine zusätzliche Torsionsstrebe vorne, eine steifere Anbindung des Fahrwerks und einer Fünflenker-Achse hinten - hat die Steifigkeit um 60 Prozent zugelegt.

Der 4er BMW ist das erste Serienmodell, dessen Schwerpunkt die 50-Zentimeter-Grenze unterschreitet. Dazu kommt eine Achslastverteilung im perfekten Verhältnis 50:50. Zudem liegt der 4er zehn Millimeter tiefer über den Asphalt.

Im Zusammenspiel mit der 300 Euro teuren variablen Sportlenkung, die die Übersetzung der elektromechanischen Lenkung je nach Geschwindigkeit und Lenkeinschlag variiert, lässt sich der 1.510 Kilogramm schwere Bayern-Sportler mit Leichtigkeit und exakt um die Ecken feuern.

Toller Motor

Das Tüpfelchen auf dem sportlichen "i" bildet der bekannte Reihensechszylinder mit 306 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern. Da das bereits bei 1.250 U/min bereitsteht, macht das Herausbeschleunigen aus Kurven besonders viel Spaß.

Wer sich die variablen Dämpfer für 1.100 Euro leistet, kann den 4er mit dem Fahrerlebnisschalter noch zusätzlich nachschärfen. Allerdings ist das Coupé in Verbindung mit den 19-Zoll-Reifen durchaus straff unterwegs - selbst in der Komforteinstellung.

Stärken 

  • Motor
  • Agilität
  • Design

Schwächen 

  • Verarbeitungsschwächen
  • nicht ganz billig
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll