BMW 325d, F30

BMW 325d, F30

Rauer Kraftbolzen

Im 325d kommt BMWs stärkerer Vierzylinder-Dieselmotor zu späten Ehren in der Mittelklasse. Kommt der Lorbeer zu spät?

14. Juli 2013

Der BMW 3er ist das, was man gemeinhin als Brot-und-Butter-Auto bezeichnet. Dementsprechend verbieten sich allzu gewagte Design-Experminente, um die Kundschaft nicht zu verschrecken, Deswegen erkennt man am Äußeren sofort die 3er-Gene.

Und auch im Innenraum gibt es keine großen Überraschungen. Die Bedienung mit dem iDrive-Konzept gibt keine großen Rätsel auf, und die Sitze sind bequem. Doch im Detail erreicht die Qualitätsanmutung nicht das Niveau eines Audi. Vor allem bei der Mittelkonsole sind die Materialien nicht über jeden Zweifel erhaben.

Hohe Ladekante

Mit einem Volumen von 480 Litern braucht sich der Münchener hinter Konkurrenten wie den Audi A4 nicht zu verstecken. Allerdings muss das Gepäck erst einmal über eine hohe Kante gewuchtet werden. Auf der Rückbank ist genug Platz durchschnittlich große Erwachsene.

BMW 3er im Video

 

Vibrationen im Gangknüppel

Beim Motor hat sich dagegen etwas getan. Bislang fristete der stärkere der beiden Zweiliter-Dieselmotoren im 123d sein Dasein, ohne dass ihm der Einbau in die 3er-Reihe gestattet wurde. Zu groß war die Angst der Münchener-Vertriebsexperten vor einer Kannibalisierung mit dem damaligen 325d, der es mit sechs Töpfen auf 197 Pferdestärken brachte - damals sieben weniger als der Top-Selbstzünder im Kompaktmodell.

Doch jetzt gilt auch in München die Prämisse des Downsizings. Deswegen darf der Zweiliter-Vierzylinder mit 218 PS jetzt auch im Dreier BMW seinen Dienst verrichten.

Das tut er zwar ambitioniert und voller Elan, aber auch mit einer deutlichen Präsenz. Vor allem bei höheren Drehzahlen ist das Verbrennungsgeräusch deutlich hörbar und die Vibrationen im Gangknüppel ersetzen so manche Massage.

Dazu gesellen sich bei schnellerer Fahrt deutlich hörbare Windgeräusche an den A-Säulen beziehungsweise Außenspiegeln.

Schaltfaules Fahren möglich

Da der Schub mit dem maximalen Drehmoment von knackigen 450 Newtonmetern schon ab 1.500 U/min einsetzt, lässt sich der 325d entspannt und schaltfaul bewegen. Genauso locker geht es bis 230 km/h weiter. Erst darüber wird es zäh, bis man die Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h erreicht hat.

Da macht sich die Tatsache bemerkbar, dass der 325d einen Hubraum von 1995 Kubikzentimeter hat. Die Unterschiede zum 320d sind unter anderem die Lader, beim 325d sind es zwei, und unterschiedliche Injektoren.

Straffes Fahrwerk

Sobald man die Kraft des Triebwerks auch abruft, löst sich der angegebene Normverbrauch 4,9 l/100 km in Wohlgefallen auf. Realistisch sind es gut zwei Liter mehr.

Das kann durchaus mal vorkommen: Denn dynamisches Fahren gehört bei BMW seit jeher zur Kernkompetenz. Da macht der 325d mit seiner exakten und knackigen manuellen Sechsgangschaltung keine Ausnahme. Mit behutsamen Gasstößen lässt sich die Münchener Limousine richtig kernig um die Ecken pfeffern.

Das Fahrwerk ist straff, aber kommod genug, um lange Autobahnetappen entspannt zu absolvieren.

Kein Schnäppchen

Mit dem 325d macht man sicher nichts verkehrt. Allerdings ist der Grundpreis von 38.950 Euro auch kein Schnäppchen.

Mit ein paar Extras wie Leder oder einer Rückfahrkamera überquert man schnell die 45.000-Euro-Hürde.

Wer es nicht auf den letzten Stundenkilometern ankommen lassen will, ist mit dem 320d gut bedient, der auch kein Langweiler ist, aber gleich um 3.200 Euro billiger.

Stärken 

  • kräftiges Dieseltriebwerk
  • agiles Fahrverhalten

Schwächen 

  • Materialien nicht immer hochwertig
  • Motor unkultiviert
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll