Die Ökoflunder

BMW i8

Die Ökoflunder

BMW setzt seiner i-Idee die Ökokrone auf. Der BMW i8 soll die Sportwagenwelt revolutionieren; sucht seine Rolle jedoch zwischen den Welten Sport und Effizienz.
27. April 2014 Der BMW i8 ein Hingucker - und was für einer. Fahrer von Porsche, Lamborghini oder Ferrari reißen die Münder auf. Noch spektaktakulärer ist sein Antrieb. Keine acht Zylinder, keine sechs und - noch nicht einmal vier. Im Heck des Leipzigers knattert im Heck des Bayern ein aufgeladener Dreizylinder. Das Ein- und Aussteigen ist durch den breiten Kohlefaserschweller und die nach oben aufschwingenden Fledermaustüren eine unterhaltsame Kletterpartie. Im Innenraum geht es ähnlich puristisch wie beim i3 zu. Abgesehen von der zu kurzen Sitzfläche passt die Ergonomie dagegen vorbildlich. Die Rückbank des 2+0-Sitzers lässt sich allenfalls für die Unterbringung von Gepäck nutzen. Sinnvoll, da der Kofferraum gerade einmal 154 Liter schluckt.

Prächtiger Vortrieb

1,5 Liter Hubraum, 170 kW / 231 PS und eine Sechsgangautomatik aus dem Hause Aisin hören sich müde an - fahren sich aber nicht so. Im Gegenteil: denn an der Vorderachse surrt zusätzlich ein Elektromotor, der 96 kW / 131 PS und 250 Nm Drehmoment für den sportlichen Vortrieb beisteuert. So geht es bei Volllast laut knatternd, aber allemal eindrucksvoll voran. Rein elektrisch fährt der BMW i8 mit maximal Tempo 120 bis zu 37 Kilometer - angetrieben über die Vorderachse. Der so entleerte Akku des Plug-in-Hybriden lässt sich im Sportmodus wieder zu Kräften bringen.

Nichts für die Rennstrecke

Die Beschleunigung ist mit 0 auf Tempo 100 in 4,4 Sekunden mehr als beeindruckend und es gibt am i8-Steuer eine standesgemäße Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h und Dank Boostfunktion jede Menge Durchzug. Wie dynamisch und sportlich würde sich im gleichen Paket ein aufgeladener Vier- oder ganz Sechszylinder in sportliche Höhen aufschwingen. Der beeindruckende Normverbrauch von 2,1 Litern ist einem Kurvenräuber mit Benzin und ohne Stromfluss im Blut allenfalls am Rande wichtig. Vielmehr geht es in dieser Liga um Dynamik und sportliche Bestleistungen. Kohlefaserleichtbau kombiniert mit einer Kunststoffaußenhaut machen den BMW i8 mit seiner Gesamtleistung von 266 kW / 362 PS und 320 Nm letztlich 1.485 Kilogramm schwer. Rund 80 Kilogramm mehr als ein Basiselfer mit PDK, der mit 350 PS in der gleichen Leistungsklasse unterwegs, jedoch bei einem Normverbrauch von über acht Litern über 30.000 Euro günstiger ist. Dafür kann man einige Jahre Kraftstoff bunkern.

126.000 Euro

Doch bei allem Tatendrang dürfte es dem dynamischen Innovationsträger kaum gelingen, echte Sportwagenfahrer aus der hauseigenen Garage zu locken. Drei Zylinder sind hier schlicht zu wenig. Zudem hat die Fahrdynamik nennenswerte Einbußen, weil die dünnen Reifen schlicht fehl am Platze sind. Serienmäßig ist der i8 vorne auf winseldünnen 195er Pneus unterwegs, hinten gibt es schmächtige 215er. Selbst mit den optionalen 215ern vorne und 245er hinten hat der Ökosportler Probleme, im kurvenreichen Grenzbereich den nötigen Grip aufzubauen. Dabei ist die Fahrwerksabstimmung bereits im Comfortmodus straff. Während der 4,69 Meter lange Zweitürer lange Wellen oder Bodenunebenheiten weitgehend locker wegfedert, wird es bei Querfugen und kurzen Stößen schon einmal ungemütlich. Gefallen kann die Lenkung der 1,5 Tonnen schweren Ökoflunder, die eine gute Rückmeldung liefert. Perfekt: der niedrige Schwerpunkt, der nicht zuletzt durch das im Boden verbaute Akkupaket mit einer Kapazität von 7,1 kWh erreicht wird.
Was überrascht ist der Preis, denn 126.000 Euro sind für ein derartiges Ingenieurstück nicht teuer. Dafür gibt es einen Beifall erheischenden Auftritt, Hightech-Ausstattung, die viel zu dünnen Reifchen und ein bis drei Brennräume zu wenig. Wer will, kann den i8 als erstes Serienauto der Welt zudem mit Laserlicht ausstatten, das außerhalb geschlossener Ortschaften bis zu 600 Meter weit in eine hoffentlich visionäre Zukunft strahlt.
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff