Fahrbericht: Audi RS3 Sportback

Fünf Zylinder und ein Halleluja

Kleiner Kraftmeier

Die Kompaktklasse bekommt eine neue Sportskanone. Die Neuauflage des Audi RS3 bietet zwar weniger Leistung als erwartet, stellt aber die Konkurrenz dennoch in den Schatten. Ein erster Fahreindruck auf Schnee.

3. Februar 2015

Downsizing hat seine Grenzen. Das neueste Beispiel kommt aus dem Hause Audi. Denn während die kompakten Turbospaßmacher mittlerweile zumeist auf ein Zylinder-Quartett setzen, aus denen der letzte Leistungsfunken herausgekitzelt wurde, geht die Quattro GmbH als sportlicher Audi-Ableger einen anderen Weg.

Schon beim Vorgänger des aktuellen TT und der ersten RS3-Generation holte man den einst abgelegten Fünfzylindermotor aus dem Rumpelkeller und hauchte ihm mit viel Aufwand neues Leben ein. Im Gegensatz zu VW Golf R, Mercedes A 45 AMG oder Honda Civic Type R zelebriert der Audi einen Zylinder inklusiv 500 Kubikzentimeter mehr – das spürt man nicht nur durch den sonor brabbelnden Klang.

Der zunächst nur als Fünftürer erhältliche Allradheld aus Neckarsulm bollert im Sportprogramm los wie ein Tourenwagen und gibt die Vierzylinder mit ihren süßen kleinen Soundgeneratoren der akustischen Lächerlichkeit Preis.
 

 
 

Exzellente Regelsysteme

Fragt man Quattro-Entwicklungsleiter Stephan Reil nach seinem Hightech-Höhepunkt beim Audi RS3, kommt der schnell ins Schwärmen: „Das ist natürlich der Fünfzylinder-Motor. Ein toller Sound; und wir haben einiges an ihm gemacht, damit er so läuft, wie eben im RS3.“

Dabei ist der gründlich überarbeitete Fünfzylinder nicht der einzige Leckerbissen unter dem betont unspektakulären Sportdress. Wird es dynamisch, macht sich der deutlich verbesserte Allradantrieb bemerkbar. Das Getriebe der elektronisch gesteuerten und hydraulisch betätigten Lamellenkupplung befindet sich aus Gewichtsgründen an der Hinterachse.

Sein hohes Leergewicht von 1,6 Tonnen kann der RS3 jedoch ebenso wenig überspielen, wie die mäßige Gewichtsverteilung. Nahezu 60 Prozent der Masse liegen auf der Vorderachse, deren Reifengröße auf Wunsch breiter ausgeführt wird die hinteren. Jedoch bringt der Kraftprotz seine Leistung deutlich schneller zum Heck.

Genussvolle Wedelattacken

Die gelungene Abstimmung der Regelsysteme zeigt sich gerade auf Eis und Schnee. Dauerdrifts auf der 200-Meter-Kreisbahn oder schnelle Wedelattacken auf dem verschneiten Handlingparcours erledigt der Allradler in seinen verschiedenen Fahrmodi einfach beeindruckend.

Die Fahrwerksabstimmung bietet darüber hinaus ein angenehmes Maß an Komfort, so dass man nie das Gefühl hat, mit einem brettharten Sportler unterwegs zu sein.

Unverständlich jedoch, wieso die adaptive Dämpferregelung im A3-Topmodell nur gegen Aufpreis zu bekommen ist. Auch die nur mäßige Bremse des Vorgängers sollte der Vergangenheit angehören. Auf Wunsch gibt es für den harten Einsatz immerhin eine – natürlich ebenfalls aufpreispflichtige – Kohlefaser-Keramikbremse.

Sonores Blubber-Brabbeln

Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe meint es mit dem automatischen Hochschalten, untermalt von sonorem Blubber-Brabbeln, jedoch nach unserem Eindruck etwas zu gut. Wird es allzu dynamisch, ist man mit dem manuellen Fahrmodus über die Schaltpaddel am griffigen Steuer daher besser bedient.

Der 367 PS starke Fünfzylinder ist mit seinem leicht rauen Lauf eine schiere Pracht, hängt prächtig am Gas und dreht auch in höheren Drehzahlen munter weiter, wo so manchem Vierzylinder die Luft dünn wird. „Die Mehrleistung im Vergleich zum Vorgänger oder dem RS Q3 macht ein geändertes Motormapping und ein anderer Ladeluftkühler möglich“, erklärt Stephan Reil und ergänzt: „Der Turbolader, der bis zu 1,3 bar Ladedruck aufbaut, kann bei Volllast theoretisch 1.100 Kilogramm Luft pro Stunde durchsetzen.“

So sorgen nicht nur die 465 Nm maximales Drehmoment für gute Laune, die ab 1.625 U/min auf Pedalimpulse warten. 0 auf Tempo 100 schafft der Einsteiger-RS in 4,3 Sekunden und lässt mit seinem Tatendrang erst bei 280 km/h mit seinem Vorwärtsdrang nach. Der Normverbrauch: 8,1 Liter SuperPlus. Naja, der Realverbrauch dürfte 20% höher liegen. Mindestens.

400 PS könnte auch noch kommen

Wenn der Audi RS3 auf dem Genfer Salon Anfang März seine offizielle Weltpremiere feiert, dürften die ersten Kunden bereits mit den Hufen scharren, ehe er im Sommer auf die Straße kommt. Die Motorleistung sollte jedoch nicht alle mit der Zunge schnalzen lassen.

Nicht, dass der aufgeladene Fünfzylinder mit seinen 270 kW / 367 PS zu schwach auf der Brust wäre. Doch die spektakuläre Wörtherseestudie als Stufenheckversion mit 525 PS und ausklappbarem Bremsspoiler hatte Hunger auf mehr als 400 PS gemacht. Bleibt abzuwarten, ob die Quattro GmbH nicht schneller als erwartet nachlegt.

Im Gespräch sind mit dem RS3-Stufenheck eine zweite Karosserievariante und eine nachgeschärfte RS3-Plus-Version mit rund 400 PS. Zunächst muss der RS3 jedoch als fünftüriger Sportback mit 367 PS reichen – zu einem Preis von knapp 50.000 Euro.

Mehr über den Audi RS3 Sportback in der Bildergalerie.

teaser_slk_kaufberatung

 

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff