Test: Audi A4 Avant (B9)

Neuer Audi-Kombi sieht aus wie sein Vorgänger

Der muss allen gefallen

Audi bringt seinen beliebtesten Kombi in 5. Generation und äußerlich bleibt fast alles, wie es war: Der neue Audi A4 Avant sieht seinem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich. Offenbar war da nichts mehr zu verbessern.

 
 
3. November 2015

Familienautos unterliegen ähnlichen Schönheitskriterien wie Couchgarnituren oder Schrankwände: Das, woran sich alle gewöhnt haben, verändert man nicht so gern – sonst fällt es nachher unangenehm auf...

Es würde erklären, warum sich Audi entschlossen hat, am und um den A4 Avant nahezu alles beim Alten zu lassen. Von den hochmodernen Blinkern, die bereits aus höheren Modellreihen bekannt sind, und der selbstverständlich unsichtbaren 120-Kilogramm-Diät einmal abgesehen.

Oder fand man optisch einfach nichts mehr zu verbessern? Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen: Ein Auto, dass so viele kaufen, muss allen gefallen – und darf, wenn überhaupt, allenfalls dezent dem Zeitgeschmack folgen.

Bis zu 80% wählen den Kombi

Über 2,5 Millionen Kunden können sich nicht irren: Der Audi A4 ist seit 1992 ein Erfolgsmodell, und zwar sowohl als Privat- wie auch als Dienstwagen. Der Anteil am Avant liegen mittlerweile bei über 60 Prozent in Deutschland.

„Es gibt Länder, da liegt die Avant-Bestellquote bei über 80 Prozent“, heißt es seitens des Herstellers. Die Erwartungen an den Neuen sind daher nicht gerade unberechtigt hoch.

Dass er sie in puncto äußere Veränderungen nicht nennenswert befriedigt, ist ausnahmsweise Mal zu vernachlässigen.

Motorgeräusch mehr als zurückhaltend

Wie immer eröffnet Audi die Avant-Sinfonie mit einem der Topmodelle: dem 3,0 TDI quattro für 51.500 Euro. 272 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter, das wie gewohnt an alle vier angetriebenen Räder geleitet wird, sorgen schon nach wenigen Kilometern für einen enormen Fahrspaß.

Vorausgesetzt, die Achtgang-Automatik wird in den S-Modus versetzt oder der Fahrer übernimmt die Schaltvorgänge über die Schaltwippen rechts und links vom Lenkrad selbst. Ob nun manuell oder automatisch geschaltet, bei 250 km/h ist Schluss.

Wer indes eine sportliche Gangart mit steigendem Motoren- und Auspuffsound gleichsetzt, wird an dieser Stelle enttäuscht. Denn der Audi gibt sich in diesem Punkt so zurückhaltend, dass ein regelmäßiger Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige vonnöten ist. Da auch der A4 Avant über ein farbiges Head-Up-Display verfügt, muss dazu wenigstens nicht der Blick von der Straße genommen werden.

Ein Fußtritt öffnet die Heckklappe

Bei durchgetretenem Gaspedal ist neben der nahezu lautlosen Motorleistung (Sie hören, dass Sie nichts hören!)  vor allem eines zu spüren: Die Beschleunigung verläuft nahezu linear, Schaltvorgänge sind fast nicht zu bemerken.

Keine Anfahrschwäche, kein Leistungsloch – das hat schon beinahe die Qualität eines Elektroautos. Einfach nur nach vorn. Nach 5,4 Sekunden überfliegt die Tachonadel des 1,7 Tonnen schweren Sport-Kombis die 100er-Markierung.

Erfreulich finden wir auch die stets angemessen komfortable Federung. Sie ist weder zu hart noch zu weich abgestimmt; sie passt einfach. Dass sich hinter der auch für Erwachsene noch ausreichend Platz bietenden Rückbank noch ein 505 Liter großer Kofferraum befindet, gerät dabei schnell in Vergessenheit. Mit einem maximalen Kofferraumvolumen von bis zu 1.510 Litern ist er zudem 15 Liter größer als noch bei seinem Vorgänger.

Ab 1.850 Euro Aufpreis zur Limousine

Insgesamt geht es im Innenraum des 4,73 Meter langen Kombiwagens Audi-typisch optional edel und komfortabel zu. Wobei die Betonung auf dem Wörtchen „optional“ liegt: Beim Einstiegspreis von 32.500 Euro, sprich 1.850 Euro Aufpreis zur Limousine, wird es wahrscheinlich kein einziger Besteller belassen.

Die Zubehörliste wimmelt nur so von Herrlichkeiten, und die dazugehörigen Preise sind ähnlich beeindruckend. Was nun sollte unbedingt bestellt werden? Ein Gepäckraum-Trennnetz ist bereits serienmäßig an Bord, das muss nicht extra.

Praktisch finden wir vor allem die gestengesteuerte, elektrische Heckklappe. Ein gelernter Kick unter den hinteren Stoßfänger, und die Heckklappe schwingt wie von Geisterhand auf. Ein weiterer, und sie schließt sich wieder.

Hochrüstung mit allerlei Helferlein

Auch innen funktioniert alles wie vorgesehen. Gelegentlich etwas zu gut: Wenn zum Beispiel der kleine grüne Fuß im Head-Up-Display den Fahrer auch schon mal zu eher ungünstigen Augenblicken darum bittet, vom Gas zu gehen. Oder wenn die Sensorik den Fahrer im dicksten Stau vor einem drohenden Auffahrunfall warnen möchte.

Schnell wird deutlich, dass Audi auf Wunsch auch den neuen A4 Avant mit allen Assistenzsystemen garniert, die es derzeit auf dem Markt gibt. Die Hochrüstung mit allerlei Helferlein erinnert immer mehr an eine Materialschlacht, die derjenige mit den meisten zu gewinnen hofft. Wie viele davon nach der ersten Ausfahrt vom Fahrer deaktiviert werden, steht auf einem anderen Blatt.

Ähnlichen Marketing-Charakter hat – wir kennen das schon – der Normverbrauch von 5,4 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Der ist theoretisch und dürfte sich für Sparer bei knapp unter 7 Litern bewegen. Und bei Spaßhabern natürlich höher, wir prognostizieren rund 10 Liter. Selbst ausprobieren kann das jeder ab dem 13. November; dann wird der A4 Avant offiziell ausgeliefert.

Weitere Informationen über den neuen Audi A4 Avant in der Bildergalerie.

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Seit 2008 wird der A4 Avant der letzten Generation (B8) gebaut – vom brandneuen Nachfolger B9 trennt ihn nicht allzu viel.

Neue und gebrauchte A4 Avant bei mobile.de

Text: Press-Inform / Marcel Sommer