Aston Martin Vanquish Volante V12

Supersportwagen mit kleinen Designschwächen

Highend ohne Happy End

Das Aston Martin Vanquish soll schickes Design mit Fahrspaß verbinden. Das tut der schmucke Brite mit dem Mörder-Motor größtenteils auch. Nur an manchen Stellen hakt es. Da wäre eine Verbesserung schon wünschenswert

31. Juli 2015

Wer einen Aston Martin nicht schick findet, der gehört definitiv zu einer Minderheit. Keine Frage, das Design der britischen Sportwagen gefällt nach wie vor. Ein Test am Straßenrand beweist es, die Mienen der aufblickenden Passanten sind durchweg interessiert.

Auch wenn die echten optischen Weiterentwicklungen fehlen. Dennoch: Der Vanquish verströmt schon im Stand eine elegante Dynamik. Von außen.

Lässt man sich in die bequemen Sportsitze sinken, verändert sich die schöne Welt ein wenig. Denn das Interieur wirkt leider inzwischen leicht angestaubt. Das sehen die Passanten natürlich nicht.
 

 
 

Pixelige Schriften im Cockpit

Das Infotainment-System zeigt eine Grafik, wie sie zu Zeiten der Ur-Playstation, also vor gut einem Jahrzehnt, das Maß aller Dinge war: Pixelige Schriften und eine Navigations-Anmutung auf einem aufklappenden kleinen Monitor.

Im Vergleich dazu sieht die Grafik des beileibe nicht beeindruckenden Porsche-Lotsen bereits wie Hightech aus.

Die fein skalierten Rundinstrumente gehen dabei noch als Traditionsbewusstsein durch.

Billiges Plastik irritiert das Auge

Dass ein Aston Martin in einer echten Manufaktur entsteht, merkt man dann – sozusagen auf den zweiten Blick – am fein gesteppten Leder, das die bequemen Sportsitze mit den Halt gebenden Wangen überzieht. An Leder mangelt es in dem Cockpit nicht. Eine halbe Rinderherde scheint darin aufgegangen zu sein.

Fühlt sich fein an und sieht auch genauso aus, und auch die Carbon-Applikationen passen zu dem schnittigen Briten. Doch mittendrin irritiert billig wirkendes Plastik Hand und Auge.

Raubtier unter langer Haube

Doch das alles ist nicht mehr so wichtig, sobald der Sechs-Liter-Dampfhammer aus zwölf Kehlen mit der Kraft von 576 PS voller Angriffslust grollt. Per Knopfdruck auf „D“ legt der Vanquish los – anfangs wie jedes Auto, ob groß oder klein.

Allerdings sind die guten Manieren, die man sonst so kennt, bereits nach knapp zwei Zentimetern mit dem Gaspedal komplett vergessen.

Und der Fahrer muss schon charakterfest sein, um dem Drängen des Raubtiers unter der langen Motorhaube, das laut tönend darum fleht, von der Leine gelassen zu werden, nicht nachzugeben.

Sporttaste stellt den Vanquish scharf

Die sequentielle Schaltung ist nicht der Weisheit letzter Schluss, wenn es um echt unmerkliche Gangwechsel geht. Wenn man dagegen gekonnt mit den Paddeln arbeitet, macht das Bewegen des formschönen Briten mehr Spaß.

Stellt man den Vanquish mit der Sport-Taste scharf, straffen sich die adaptive Dämpfer, die Lenkung wird etwas schwergängiger und die Gasannahme direkter.

Das dreistufige ESP sollten nur echte Könner am Volant komplett deaktivieren. Denn beim tänzelnden Heck sind im Falle des Falles schnelle Handgelenke gefragt.

Feuchter Untergrund macht Probleme

Tritt man dann auf das Gas, bekommt der Akustik-Orkan aus zwölf Töpfen schnell Suchtpotenzial. Jeder Gasstoß mündet in ein lustvolles, kraftvolles Jauchzen, das den folgenden Tornado ankündigt. Um den Aston Martin mit allen Sinnen zu genießen, genügt ein Kickdown.

Aber sobald der Untergrund feucht ist, bekommt der 4,69 Meter lange Sportwagen die Kraft des maximalen Drehmoments von 630 Newtonmetern trotz Transaxle-Bauweise und der Achslastverteilung von 51:49 nicht mehr komplett auf den Boden.

Auch beim engagierten Einlenken in enge Kurven und dem darauffolgenden Herausbeschleunigen macht sich das Gewicht des V12-Monsters bemerkbar.

Erst bei 317 km/h ist Schluss

In vier Sekunden knackt der Brite die 100-km/h-Marke und erst bei 317 km/h ist Schluss. Der angegebene Durchschnittsverbrauch von 12,8 Liter pro 100 km/h dürfte ins Reich der Fabel verwiesen werden, wenn man den Aston Martin auch nur ansatzweise artgerecht bewegt.

Dass das nicht jedem vergönnt ist, liegt am ziemlich knackigen Preis von 268.995 Euro. Klar ist der Aston Martin Vanquish keine Stangenware, aber angesichts des Gebotenen definitiv etwas für echte Liebhaber.

Mehr Impressionen des Aston Martin Vanquish Volante V12 in der Bildergalerie.

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll