Alfa Romeo 4C

Alfa Romeo 4C

Wiederbelebungsversuch

Alfa Romeo darbt. Der 4C soll Rettung bringen und die Traditionsmarke zu altem Glanz zurückführen.

26. September 2013

Schick ist er ja, der Alfa Romeo 4C. Aber das war nie das Problem der italienischen Marke. Meistens sorgte die Fahrdynamik und auch die Verarbeitung für Stirnrunzeln bei der Fan-Gemeinde.

Vor den Fahrspaß haben die italienischen Götter den Einstieg in das Cockpit gesetzt. Und der hat was von einer Turnübung.

Einmal angekommen, präsentiert sich der Innenraum recht puristisch. Alles was Gewicht bringt, wurde verbannt. Deswegen sind die Türgriffe aus Leder und einige Bauteile aus Hartplastik.

An manchen Stellen könnte die Verarbeitung etwas besser sein. Wackelnde Handbremshebel und nicht sauber eingepasste Verkleidungen verzeiht der leidgeprüfte Alfisto gerne, da der 4C einen riesigen Fahrspaß bietet. Allerdings fehlen Seitenairbags.

Aufs Nötigste reduziert

Auch die Anzeigen sind auf das Nötigste reduziert: Ein digitales Voll-Kombi-Instrument gibt alle notwendigen Informationen. Nach einer gewissen Gewöhnungszeit hat man sich an deren Vielzahl gewöhnt und alles im Blick. Besonders fein ist es, dass sich das kreisrunde Drehzahlband von weiß nach gelb bis rot verfärbt, wenn man die Gänge so wunderbar ausdreht.

Auch das ist typisch Klassik-Alfa: Wenn man Wasser für die Scheibenwischanlage nachfüllen will, muss man zunächst vier Schrauben an einem Gitter an der vorderen Haube lösen, um es entfernen zu können.

Weniger verzeihbar ist, dass der Beifahrersitz nicht einmal in der Länge verstellbar ist, deswegen Mittelkonsole und Knie im ständigen Wettstreit sind und größere Zeitgenossen nicht wirklich bequem Platz finden.

Präzise Lenkung

Auch die Präzision der Steuerung erinnert an die sportliche Vergangenheit. Das Zirkeln der 3,99 Meter langen Flunder ist eine echte Freude. Anbremsen, Anvisieren, Ansteuern und Angasen. Das Fahrspaß-Stakkato wiederholt sich Kurve um Kurve, so dass man gar nicht mehr aufhören will und seine Route nur noch nach Anteil serpentinenartiger Passstraßen aussucht.

Wie es sich für einen Mittelmotorsportwagen gehört, ist das Heck recht leichtfüßig und lässt sich mit wohldosierten Gasstößen ohne Probleme zum Mitlenken animieren. Dabei hilft auch die Gewichtsverteilung von 40:60. Übertreibt man es, will der schicke Hintern die Front überholen, wird aber vom ESP oder einem schnellen Gegenlenken problemlos wieder beruhigt.

Dass diese Agilität ohne variable Dämpfer möglich ist, spricht für die Abstimmungsarbeit der Ingenieure und für die Eingriffe des elektronischen Sperrdifferenzials 2Q, das durch gezielte Bremseingriffe zur Leichtfüßigkeit beiträgt.

Das ultimative Gokart-Feeling ist aber mit einer sportlichen Härte verknüpft, die auf Dauer nichts für bandscheibengeplagte Naturen ist. Dazu gehört auch das Ein- und Aussteigen in die Fahrgastzelle, das nur mit Übung und einem Grundmaß an Gelenkigkeit halbwegs graziös gelingt.

Motor mit 240 PS

Der Antriebsstrang aus Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und Vierzylinder-Alu-Motor ist im Grunde identisch mit dem der Alfa Romeo Giulietta 1.8 TBi 16V Quadrifoglio Verde, weswegen der 240-PS-Motor quer eingebaut ist.

Das ändert nichts daran, dass das Aggregat grandios am Gas hängt und den 4C gnadenlos nach vorne peitscht. Untermalt von einer herrlichen, süchtigmachenden Motorengeräusch-Melange aus Ansaugen, Verbrennen und vollmundig sprotzenden Gasstößen. So toll sich das Auto auch von außen anhört, so angenehm klingt es im Innenraum. Der Motorklang ist zwar zu vernehmbar aber nicht dröhnend präsent.

Extra Fahrmodus

Und wie sieht es auf der Straße aus? Da bleibt sich Alfa treu. Je nach Gusto und Fahrkönnen kann man den Alfa Romeo 4C auch mit dem bekannten DNA-Schalter scharfstellen.

Neben den bekannten Modi All-Weather, Natural und Dynamik kommt jetzt noch der Race-Modus hinzu. Hier ist das ESP deaktiviert und springt nur bei einem ABS-Regeleingriff dem Fahrer unterstützend zur Seite, verabschiedet sich aber wieder, sobald die Sensorik einen normalen Fahrzustand meldet.

Wer im Straßenverkehr Spaß haben will, fährt am besten im Dynamikmodus, der die Gänge ohne Rücksicht auf Verluste über 6.000 Umdrehungen ausdreht und auch kleine Drifts erlaubt. Dann ist auch die Gasannahme giftiger als in der Natural-Stellung und das Getriebe schnalzt die Gänge schneller rein.

Bereits ausverkauft

Wer einen 4C will, muss Geduld mitbringen. Von der Jahresproduktion von 3.500 Stück kommen nur etwa zehn Prozent nach Deutschland, und die sind schon weg.

Der Preis? Mit 50.500 Euro kostet der Alfa Romeo 4C etwas mehr als ein Porsche Boxster.

Wählt man eines der beiden Pakete Sport (unter anderen mit der wohlklingenden Auspuffanlage) oder Design (u.a. mit LED- Scheinwerfer) und garniert dieses noch mit Annehmlichkeiten wie einer Lederausstattung, 19-Zoll Rädern (1.550 Euro) oder Parksensoren (500 Euro), die man wegen der schlechten Sicht nach hinten dringend braucht, kratzt man ruckzuck an der 60.000 Euro-Marke.

Stärken 

  • Design
  • Spaßfaktor
  • Agilität

Schwächen 

  • Verarbeitung nicht immer perfekt
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll