Kleines Tuning, großer Erfolg

Tuning: ABT Audi S8

Der schnellste Chef der Welt

Mit 520 PS ist der Audi S8 alles andere als untermotorisiert. ABT legt mit 120 PS noch eine Schippe drauf. Auch optisch kommt der ABT Audi S8 schärfer daher als das Serienmodell

5. Juni 2014

Wer einen Audi S8 fährt, neigt mehr zum Understatement, denn zum Krawall. Das gilt auch für die ABT-Variante des Ingolstädter Flaggschiffs. Wer also einen großmäuligen, lärmenden Krawallbruder erwartet, wird bei der Allgäuer Variante der Ingolstädter Luxuslimousine angenehm enttäuscht. Der V8 grummelt zwar präsent, aber seine PS-Potenz dringt nicht penetrant in den Innenraum. Der ist noch dazu im Design unverändert: solide verarbeitet und in feinem Leser. Aber auch die wenig ansehnliche Aussparung für das Audi-Head-Up-Display wurde beibehalten.

 

 
 

Kraft ist stets reichlich vorhanden

Die Allgäuer Tuning-Experten machen aus dem ohnehin nicht schmalbrüstigen Ingolstädter 520-PS-Flaggschiff einen luxuriöses Powerboot. Die Leistungssteigerung um 120 PS gegenüber dem Serien-S8 erreichen die Ingenieure mit einer Veränderung der Motorsteuerung, durch ein Modul. Also Chiptuning vom Feinsten. Die Black-Box schöpft die PS-Reserven des Vier-Liter-Aggregates noch etwas mehr aus. Allerdings steht diese Kraft nicht gleich nach dem Start zur Verfügung, sondern erst dann, wenn das Triebwerk bzw. das Öl warmgefahren ist. Im Falle, dass es bei der ABT-Elektronik zu einer Fehlfunktion kommt, steht immer noch die ursprüngliche Motorsteuerungs- Software wie ein Not-Fallschirm parat. Damit ist ein Vorankommen garantiert.

Optische Retuschen

Der Überfluss an Vortriebskraft wird dem Fahrer sehr schnell bewusst, wenn er es mit dem Gaspedal mal etwas übertreibt. Dann geht der A8 mit dem Heck in die Knie und nur dem Allradantrieb ist es zu verdanken, dass die urtümliche Gewalt des maximalen Drehmoments von 780 Newtonmetern ohne Gummiverbrauch in Vortrieb umgesetzt wird. Lässt man die ganze Energie ungezügelt lostoben, wird aus dem zurückhaltenden Manager-Fahrzeug ein dynamischer Asphaltfresser. Sein Revier ist immer die linke Spur der Autobahn, aber auch auf weit geschwungenen Landstraßen fühlt der ABT sich wohl. Bei engen Kehren stößt zum einen der Quattro-Antrieb an seine Grenzen und die Trägheit des Zwei-Tonnen-Schiffs kommt über die Lenkung beim Fahrer an.

Gutes Sprint-Vermögen

Wenn nötig, flitzt der ABT-Audi S8 2,5 Zentimeter tiefer über den Asphalt. Das Fahrwerk mit Luftfederung ist im Grunde unverändert. Straff, aber immer noch komfortabel, lautet die Devise. Deswegen fallen dem Generaldirektor nicht die Leitzordner aus der Hand, wenn der Kemptener Kraftprotz über unebenen Asphalt walzt. Mit einer reinen Kraftkur ist das ABT-Portfolio noch lange nicht ausgereizt. Auch die Optik unterscheidet sich von dem Serien-S8. Die Leichtmetallrädern haben einem dunklen Metallton, dem die Allgäuer den martialischen Namen "Gun Metal" gegeben haben. Den passenden Abschluss bildet das Heck mit den vier Auspuffrohren, die dem Nachfolgenden unmissverständlich demonstrieren, wer ihn soeben verblasen hat.

Dieses Sprint-Vermögen zeigt sich bei jedem geraden Zwischenstück. In nur 3,7 Sekunden schafft der Über-Audi-S8 von null auf 100 km/h. Wer knapp 2.000 Euro auf den Tisch des Kemptener Hauses legt, befreit den Audi von den Fesseln der freiwilligen Geschwindigkeitsbegrenzung und lässt die Tachonadel erst bei 280 km/h verharren. Dann – und darauf könnte es ankommen – lässt der ABT-Chauffeur mit Leichtigkeit sämtliche abgeregelten Executive-Limos hinter sich.

Die Kraftkur hat natürlich ihren Preis: Zu dem Grundpreis des Audi S8 von 114.700 Euro kommen noch die ABT-Tuning-Teile hinzu. Langt man bei allen optischen und technischen Optionen hin, sind rund 19.500 Euro zusätzlich fällig. Für so viel Mehr-Power ist das allerdings ein vergleichsweise niedriger Preis.

Stärken

 
  • Noch genug Komfort
  • Kraft im Überfluss

Schwächen

 
  • Wenig Traktion in engen Kehren
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll