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Die Gebrauchtwagengarantie

Was garantiert die GG – und was nicht?

Absolute Sicherheit gibt es nicht – der Fahrzeugkauf ist da keine Ausnahme. Auch bei einem ehrlichen Verkäufer können Sie nicht sicher sein, dass das Auto auch in einem Jahr noch läuft. Lohnt sich eine Gebrauchtwagengarantie zur Absicherung?

Absolute Sicherheit gibt es nicht - der Fahrzeugkauf ist da keine Ausnahme. Auch bei einem ehrlichen Verkäufer können Sie nicht sicher sein, dass das Auto auch in einem Jahr noch läuft.
Die Gebrauchtwagengarantie (GG) dient der Absicherung finanzieller Risiken - eine solche "Reparaturkostenversicherung" übernimmt die Werkstattkosten nach bestimmten Schäden komplett oder anteilig.

 

Bestandteile der Gebrauchtwagengarantie

  • Standard: Die Inhalte einer GG sind nicht einheitlich geregelt - sie lässt sich nicht mit einer Garantie für Neuwagen vergleichen.
  • Es lässt sich nicht jedes Auto versichern: Nicht jedes Auto ist "garantie-fähig" - Gebrauchtwagen dürfen meist nicht älter als neun bis zehn Jahre sein.
  • Garantiepflichtige Schäden müssen vor der Reparatur gemeldet werden. Sie dürfen Ihr Auto nicht beliebig reparieren lassen - auch wenn es eilig ist.
  • Arbeitskosten bei einer notwendigen Reparatur werden in der Regel komplett ersetzt.
  • Kosten für Ersatzteile werden meist nur zu einem gewissen Anteil ersetzt.
  • Materialkosten: werden nur bis zu einer bestimmten Laufleistung (meist 50.000 Kilometer) vollständig ersetzt; danach greift eine Selbstbeteiligung, die sich mit steigender Laufleistung erhöht.
  • Die Laufzeit der meisten GG beträgt ein Jahr; manche Versicherungen bieten gegen Aufpreis (und bei relativ restriktiven Vertragsbedingungen) auch längere Laufzeiten an. Die Prämie richtet sich nach dem Alter des Autos und nach der Laufleistung.

Ausgeschlossen wird fast immer die Rücknahme des Autos oder die nachträgliche Herabsetzung des Kaufpreises (hier bietet bei einem Defekt das Gewährleistungsrecht dem Kunden Schutz, s. u.).

Nicht abgedeckt durch eine GG werden i.d.R. Defekte und Schäden:

  • aus Unfällen
  • durch Verschleiß (Brems- und Kupplungsbeläge o.Ä.)
  • durch unsachgemäße Reparaturen
  • durch fahrlässige Handlungen

 

Umfang der Garantie

Der Umfang einer GG kann sehr unterschiedlich sein, da es hierfür keine gesetzliche Regelungen gibt. Umfassen sollte sie folgende Teile:

  • Motor: Zylinderblock, Zylinderkopf (mit Kopfdichtung), Kurbelgehäuse, alle mit dem Ölkreislauf in Verbindung stehenden Innenteile, Zahnriemen bzw. Kette mit Spannrolle, Ölkühler, -wanne, -druckschalter, -filtergehäuse und Schwung- beziehungsweise Antriebsscheibe mit Zahnkranz.
  • Getriebe: Gehäuse für Schalt- oder Automatikgetriebe, alle Innenteile einschließlich Drehmomentwandler und Hauptmodul für elektronische Getriebeschaltung bei Automatik, Gehäuse für Front-, Heck- oder Allradantrieb einschließlich aller Innenteile.
  • Kraftübertragung: Kardanwellen, Achsantriebswellen, Antriebsgelenke.
  • Lenkung: Mechanisches oder hydraulisches Getriebe mit allen Innenteilen, Hydraulikpumpe mit allen Innenteilen, elektronische Bauteile der Lenkung.
  • Bremsen: Hauptbremszylinder, Bremskraftverstärker, -regler und -begrenzer, Radbremszylinder.
  • Hydropneumatik: HD-Pumpe, Druckregler und -speicher, Höhenkorrektor, Federkugel.
  • Kraftstoffanlage: Elektronische Einspritzanlage mit allen Teilen, Steuergerät, Drosselklappensteuerung, Luftmengenmesser, Einspritzdüsen, Leerlauf-Steuerungsventil und Kraftstoffpumpe, Einspritzpumpe, Kraftstoffpumpe, Vergaser, Turbolader.
  • Elektrik: Lichtmaschine mit Regler, elektronische Zündanlage mit Zündspule, -transistor und elektronischem Steuergerät, Anlasser, Klimaanlage mit Kompressor, Kondensator, Lüfter und Verdampfer.
  • Kühlsystem: Kühler, Heizungskühler, Thermostat, Wasserpumpe, Kühler für Automatikgetriebe und Visco- beziehungsweise Thermolüfter.
  • Fahrdynamiksysteme: ABS mit allen wesentlichen Teilen, ASR mit allen wesentlichen Teilen, ASD (automatisches Sperrdifferential) mit allen wesentlichen Teilen, automatischer Vierradantrieb mit allen wesentlichen Teilen, ESP (elektronisches Fahrstabilitäts-Programm) mit allen wesentlichen Teilen.
  • Sicherheitssysteme: Kontrollsystem für Airbags und Gurtstraffer, serienmäßig gelieferte Wegfahrsperre mit allen wesentlichen Teilen, Zentralverriegelung mit allen wesentlichen Teilen einschließlich Schlössern.

Besonders bei neuen Autos mit umfangreicher Elektronik können Reparaturen sehr aufwendig werden; zudem kann hier im Vorwege die Anfälligkeit eines Systems nur schwer abgeschätzt werden. Auch Schäden an Motor und Getriebe werden durch den oft notwendigen Einsatz von modellspezifischen Spezialwerkzeugen besonders bei Fahrzeugen der höheren Preisklasse schnell sehr teuer. Hier lohnt sich der Abschluss einer GG eher als bei älteren Modellen des unteren Preissegments.

 

Vergleichen Sie genau

  • Wie hoch ist die Prämie, wie lange die Laufzeit?
  • Gibt es Teile, die von der Garantie ausgenommen sind? Wenn ja, welche?
  • Ist die Garantie an bestimmte Bedingungen geknüpft? Ist die GG auch bei vorgeschriebenen regelmäßigen Inspektionen in einer Vertragswerkstatt und/oder einer Kilometerbeschränkung für Sie sinnvoll?
  • Müssen Sie sich, trotz Garantie, an den Reparaturkosten beteiligen? Wie hoch ist diese Eigenbeteiligung?
  • Lohnt sich eine GG trotz hohem Alter/hoher Laufleistung und der damit verbundenen höheren Selbstbeteiligung bei den Materialkosten?
  • Kommt Ihnen der Verkäufer ggf. entgegen und lässt mit sich über eine Erweiterung der Garantieleistungen reden?
  • Sind alle Punkte des Vertrags unmissverständlich? Werden auch alle versicherten Teile im Vertrag aufgeführt?
  • Bietet die GG im Vergleich zum neuen Gewährleistungsrecht wirklich mehr Schutz vor Reparaturen?

Sie kommen natürlich nur dann in den Genuss der Garantieleistungen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind.
Wenn Sie auf eine im Preis inbegriffene GG verzichten wollen (da Sie der Ansicht sind, dass das Gewährleistungsrecht ausreichend ist), lassen Sie sich diesen Anteil aus dem Kaufpreis herausrechnen.

 

Lohnt sich eine Gebrauchtwagengarantie?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Aufgrund der mindestens einjährigen Gewährleistungspflicht eines Händlers sind Käufer in der Regel gegen Mängel gut abgesichert.

Zu bedenken ist aber, dass ein Mangel bereits bei der Übergabe des Fahrzeugs vorgelegen haben muss. In den ersten sechs Monaten wird dies zwar gesetzlich vermutet, bei Gebrauchtwagen kann der Händler diese gesetzliche Vermutung aber widerlegen. Eine Garantie gilt hingegen für jeden auftretenden Mangel, kann vom Leistungsumfang jedoch hinter den gesetzlichen Gewährleistungsrechten zurückstehen.


Die Meinung der Experten

Der Automobilclub ACE ist der Ansicht, dass sich GG nur sehr bedingt lohnen, da die weitreichende gesetzliche Gewährleistung die Regulierung der meisten Mängel bereits abdeckt.
Die Versicherer argumentieren dagegen, dass die GG auch weitergehende Leistungen umfasst, wie z.B. neu auftretende Mängel, die beim Kauf noch nicht vorhanden waren. Genannt werden in diesem Zusammenhang vor allem Ausfälle der Bordelektronik, die laut neuen Statistiken Schuld an jeder zweiten Panne ist.