mobile.de Kaufberatung: Wohnmobile

Kaufberatung Wohnmobile

Feuchtigkeit ist das größte Problem

Gebrauchte Wohnmobile sind jetzt noch günstig. Nicht mehr lange: Ähnlich wie bei Cabrios weckt schönes Wetter im Frühjahr den Reiz, sich einen gebrauchten Camper zu kaufen. Hier ist die mobile.de Kaufberatung.

Der Markt für gebrauchte Campingmobile boomt: Allein in den ersten neun Monaten 2011 registrierte der Branchenverband CIVD gut 19.000 neu umgeschriebene Wohnmobile. Und auf mobile.de finden sich aktuell etwa 20.000 Angebote. Ist ja auch logisch: Ob für den Kurzurlaub am Wochenende oder den ausgedehnte Tour im Sommer, Wohnmobile sind der ideale Begleiter.

Und noch sind sie vergleichsweise günstig. Eine gute Wertstabilität behalten Wohnmobile bis ins hohe Alter. Das spricht einerseits für gute Pflege, andererseits steigt die Gefahr möglicher Altersschäden.

Einen normalen PKW kann man auf eine normale Hebebühne fahren, um ihn von unten zu überprüfen. Das fällt bei Wohnmobilen aufgrund ihrer Größe oft aus, weil die passenden Hebebühnen nicht so verbreitet sind.

Arnulf Thiemel vom ADAC Technik-Zentrum: „Nehmen Sie eine Lampe mit und eine Unterlage, auf die sie sich für die Kontrolle des Unterbodens legen können. Erste Hinweise kann auch eine Digitalkamera liefern, mit der man am ausgestreckten Arm viele Fotos von der Unterseite des Wohnmobils macht.“

Auf Standschäden kontrollieren

Zuerst gilt es zu checken, ob das Wohnmobil als Alltagsfahrzeug im Gebrauch war. Das ist naturgemäß bei einem verhältnismäßig kleinen Camper wie dem Volkswagen California auf Basis des VW Bus leichter als bei einem großen Reisemobil. Ein großes, wenig gefahrenes Wohnmobil, welches hauptsächlich für die große Urlaubsreise im Sommer genutzt wurde, muss man auf Standschäden untersuchen.

Mögliche Schäden sind Rost an Bremsscheiben, aufgequollene Bremsschläuche und Undichtigkeiten in der Kühlanlage. Lange nicht bewegte Wohnmobile neigen auch zu „Standplatten“ an den Reifen. Sind die Reifen zudem älter als fünf Jahre, sollte man sie auch bei gutem Profil tauschen.

Das größte Problem bei wenig genutzten Wohnmobilen sind Leckagen im Aufbau, die unentdeckt bleiben. Dies ist der aufwendigste und teuerste Schaden im Alter. Normalerweise steckt unter der Wohneinheit ein Transporterfahrgestell wie der sehr häufig verwendete Fiat Ducato

Lecks sind der größte Schwachpunkt

Dies sind Fahrzeuge, die dank ihrer Konstruktion mit einem stabilen Rahmen für alle möglichen Sonderaufbauten geeignet sind. Auf dieses stabile Rückgrat wird der Kunststoffaufbau mit dem eigentlichen Wohnbereich gesetzt. Kunststoff ist leichter zu fertigen als ein Stahlaufbau. Zusätzlich ist die Isolierung besser, denn der verwendete Kunststoff ist meist ein sogenanntes Sandwichprodukt aus mehreren Lagen, von denen mindestens eine der Isolierung dient.

Der Schwachpunkt bei Wohnmobilen ist, dass hier Wasser eindringen kann. Bei einem sogenannten „teilintegrierten“ Wohnmobil wird noch die Fahrerkabine des Basisfahrzeugs genutzt. Die besteht aus Stahl. Hier besonders auf die Übergänge zwischen Stahl und Kunststoff sowie die Dichtung achten. Bei einem „vollintegrierten“ Wohnmobil besteht auch die Fahrerkabine aus Kunststoff. Zusätzliche Stellen, an denen Feuchtigkeit eindringen kann, sind alle Öffnungen wie Fenster oder die Übergänge zwischen einzelnen Kunststoffteilen.

Dringt Wasser ein, quillt der Kunststoff auf. Dies kann man optisch an Dellen oder Beulen erkennen. Zusätzlich sollte man entlang der gefährdeten Stellen mit einem Finger gegen die Hülle (von außen wie innen!) drücken. Gibt der Kunststoff nach, oder ist ein Knistern oder Krachen zu hören, ist die Stelle schadhaft.

Das kann den wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten, denn Reparaturen an der Außenhaut sind sehr teuer. Achten Sie auch auf beginnende Risse, vor allem an Fenstern und Türen. Schon nach vier Jahren können sie auftreten, diese Reparaturen sind ebenfalls teuer.

Das Dach nicht vergessen

Nicht vergessen: Schauen Sie dem Camper aufs Dach. Der Zustand des Daches kann Ihnen sagen, wie es um die Pflegementalität des Vorbesitzers bestellt ist. Wohnmobile sollten unter einer Abdeckung oder in einer Garage geparkt werden. Vor allem im südlichen Deutschland steigt sonst die Gefahr von Hagelschäden. Werden die nicht sofort behandelt, neigen die Stellen zu Leckagen.

Haben Sie einen umgebauten Transporter oder ein teilintegriertes Wohnmobil vor sich, müssen Sie nach Rost fahnden. Die Basis einen Wohnmobils ist meistens ein ursprünglich für den gewerblichen Bereich genutztes Fahrzeug. Und diese sind meist wesentlich schlechter gegen Rost geschützt als normale Autos. Typische Roststellen sind Radläufe oder die Kanten der Motorhaube und Türen.

Auch Innenraum genau kontrollieren

Im Innenraum ist ebenfalls eindringende Feuchtigkeit das größte Problem. Achten Sie auf Stockflecken, gerissene Dichtungen an den Fenstern, Wasserflecken oder Täuschungsversuche: Frisch übertapezierte Stellen oder nachlackierte Flächen sollten misstrauisch machen. Schließen Sie zudem Fenster und Türen und warten sie ein wenig ab. Ergibt sich ein modriger Geruch, ist oder war es feucht. Wer ganz sichergehen will, besorgt sich einen Feuchtigkeitsprüfer aus dem Elektronikmarkt, die es schon für 100 Euro gibt.

Im Innenraum sollten alle Geräte ausprobiert werden. Auch sie neigen bei Nichtbenutzung zu Standschäden. Mit Flüssiggas werden meist die Heizung, der Kocher sowie der Kühlschrank betrieben. Diese Geräte müssen funktionieren, die Gasleitungen in Ordnung und alle Geräte in der Gas-Prüfbescheinigung aufgeführt sein.

ADAC-Experte Arnulf Thiemel: „Für diese Geräte gibt es Überprüfungsfristen, die alle eingehalten werden müssen. Kontrollieren Sie die Nachweise dazu.“ Eine Überprüfung des Wohnmobils durch einen Sachverständigen kostet etwa 100 bis 150 Euro, was Thiemel für gut angelegtes Geld hält. Allerdings ist dazu die Zustimmung des Besitzers notwendig. „Verweigert der Besitzer die Überprüfung, sollte man sehr misstrauisch sein“, so Thiemel.

Diese Überprüfung umfasst auch nachträgliche Umbauten. „Besitzer von Wohnmobilen ändern gerne nachträglich die Heizung oder Beleuchtung und bauen eigenes Zubehör ein. Ob diese Arbeiten beispielsweise bei der Kabelverlegung sachgemäß ausgeführt sind, sollte man auf jeden Fall kontrollieren“.

Ohne Partikelfilter endet die freie Fahrt

Ganz wichtig: Sehr viele Wohnmobile haben einen Dieselmotor. Vor allem ältere Modelle besitzen jedoch keinen Partikelfilter, bekommen also keine grüne Umweltplakette. Hat ihr Wunschmobil keine, informieren Sie sich auf jeden Fall über die Nachrüstkosten. Immer mehr Städte in Deutschland und der EU verwehren sonst die Einfahrt – und aus ist es mit der großen Freiheit im Urlaub.

Text: SH