mobile.de: Kaufberatung Erdgasautos

Laufleistungen wie beim Diesel

Kaufberatung: Gebrauchte Erdgas-Autos

Gebrauchtwagen mit Erdgasantrieb sind ziemlich selten. Aber es gibt sie – noch dazu in fast jeder Preisklasse. Welchen also nehmen? mobile.de stellt zuverlässige Erdgas-Autos vor.

Ihre Zeit wird erst noch kommen: Erdgasautos sind erheblich sauberer als Benziner oder gar Diesel, und der Schwebstoff Methan, mit dem sie fahren, bleibt auch in Zukunft günstig.

Und bereits heute fährt man mit einem Erdgasmotor beinahe für die Hälfte des Preises. Also warum nicht beim nächsten Gebrauchten die Kraftstoffsorte wechseln?

Es gibt ein kleines Hindernis: Erdgasautos haben in Deutschland Seltenheitswert.

Das zeigt schon ein kurzer Blick in die mobile.de Suche: Gerade einmal 2.300 Autos mit Erdgasantrieb hat das Portal derzeit im Angebot – bei einem Bestand von 1,3 Millionen Fahrzeugen insgesamt sind das weniger als zwei Promille.

Das größte Angebot liegt oberhalb von 10.000 Euro

Wobei sich die Popularität der alternativ angetriebenen Autos über die Jahre leicht ändert: Die meisten, nämlich mehr als 1.800, sind seit 2005 zugelassen. Wer sich ein Erdgasauto kaufen will, findet also im Wesentlichen jüngere Gebrauchtwagen vor.

Leider ist das Angebot in allen Preisklassen sehr übersichtlich. Wer also eine große Auswahl haben möchte und nicht für Besichtigung und Probefahrt Hunderte von Kilometern bewältigen will, sollte eine Preisspanne von 5.000 bis 14.000 Euro einkalkulieren und die Auswahl auf Deutschland beschränken.

Dann lichtet sich das Angebot zusehends: Schwups! sind nur noch knapp 1.000 Erdgasautos vakant.

Sicher, es gibt auch deutlich günstigere Angebote für ein paar tausend Euro. Dabei handelt es sich zumeist um ältere Modelle oder umgerüstete Benziner.

"Davon rate ich generell ab", sagt Xaver Neist vom Erdgas-Auto-Zentrum im bayerischen Rosenheim. Der Kfz-Mechaniker hat sich bereits vor mehr als zehn Jahren auf Erdgasantrieb spezialisiert.

Kaufen Sie nur Autos, die der Hersteller umgerüstet hat

Zwei Argumente sprechen nach Expertenmeinung gegen umgerüstete Autos: 1. Umgerüstete Fahrzeuge haben zumeist ein Platzproblem, weil die Gasflaschen den Kofferraum ausfüllen.

Wurde der Erdgasantrieb hingegen schon bei der Konstruktion berücksichtigt, sind die Flaschen unter dem Wagenboden versteckt angebracht.

Das 2. Argument betrifft die Technik selbst: Ein umgerüstetes Autos ist störungsanfälliger, weil Brennräume, Kolben und dazugehörige Teile nicht auf die speziellen Bedingungen unter Erdgasbetrieb vorbereitet werden können.

Die Folge: Überhitzung und mangelnde Schmierung können zu Motorschäden führen. Um das Riskiko von vornherein zu umgehen, sollte man ein Auto kaufen, das bereits als Erdgasfahrzeug konstruiert wurde.

Erdgas ist viel energiereicher als Benzin

Wobei man sich keiner Illusion hingeben sollte: Auf ein echtes Erdgasauto werden wir noch einige Jahre warten müssen.

"Alle Erdgasautos sind bisher bivalent, das heißt sie fahren sowohl mit Benzin als auch mit Erdgas", sagt Neist.

Ein schlechter Kompromiss: Die Vorteile von Erdgas können so nur teilweise genutzt werden. Denn was die wenigsten wissen: Erdgas ist viel energiereicher als Benzin.

"Seine Energiedichte entspricht etwa 130 Oktan – das ist vergleichbar mit Hochleistungskraftstoff wie in der Formel 1."

Bisher gibt es nur Erdgasautos mit bivalentem Antrieb

Man könnte also einen Erdgasmotor erheblich stärker verdichten, was den Verbrauch bemerkenswert reduziert. Warum nicht schon heute?

"Weil Sie heute immer noch das Benzin-Notfenster haben müssen", sagt Neist. Ein Teufelskreis: Weil das Tankstellennetz noch zu weitmaschig ist, traut sich kein Hersteller, auf bivalenten Antrieb zu verzichten.

Hier befindet sich auch eines der störungsanfälligsten Teile des gebrauchten Erdgasautos: Die Umschaltvorrichtung zwischen Benzin- und Erdgasantrieb.

Beide Kraftstoff-Systeme müssen reibungslos funktionieren

Bei neueren Baujahren soll das automatisch funktionieren: Nach wenigen Minuten im Benzinbetrieb schließt mit leisem Klacken ein Relais die Spritleitung und öffnet die Gasschleuse.

Umgekehrt bedeutet das: Stimmt irgendetwas nicht mit der Gaszufuhr, schaltet der Wagen selbsttätig auf Benzinantrieb zurück.

Käufer sollten also aufmerksam prüfen, ob beide Systeme – Benzin- wie auch Gasbetrieb – einwandfrei funktionieren.

Bei einem Händler mit Gewährleistung bestehen grundsätzlich keine Bedenken. Wer von privat kauft und hinterher keine Scherereien haben möchte, sollte darauf bestehen, dass die Gasanlage überprüft wird (falls das Auto nicht kürzlich Inspektion hatte).

Mit Erdgas betriebene Motoren sind sehr haltbar

Weniger problematisch ist laut Neist der Kilometerstand: "Erdgas ist erheblich sauberer und verbrennt aufgrund seiner Energiedichte auch viel weicher als Benzin."

Das bedeutet, Erdgasautos sind erheblich langlebiger als Benziner. "Die Laufleistungen sind mit denen von Dieselmotoren vergleichbar."

Welche Nachteile gibt es? Erdgasautos waren bisher im Vergleich zu gleichstarken Benzinern etwas schwerfälliger. Das ist einerseits dem Kompromiss des bivalenten Antriebs, aber auch dem Mehrgewicht durch die Gasflaschen geschuldet.

Mit den neuen Turbomotoren, beispielsweise im Opel Zafira EcoFlex oder im Volkswagen Passat TSI EcoFuel (beide seit 2009), wird dieser Rückstand aufgeholt. In nur zehn Sekunden dreht zum Beispiel der Opel-Van von 0 auf 100 km/h.

Technisch basieren alle Erdgasautos auf dem jeweiligen Grundmodell

Einen Blick sind bei der Besichtigung auch die Erdgas-Speicher wert: In der Betriebsanleitung muss das Datum des Einbaus vermerkt sein – das sollte selbstverständlich mit der Erstzulassung harmonieren.

Sind die Flaschen wesentlich jünger, könnte das auf einen größeren Unfallschaden hindeuten, der einen Austausch der Flaschen notwendig machte.

Der Rest ist Formsache: Alle Erdgasautos basieren auf konventionell angetriebenen Pkw-Modellen und haben also deren Fahrwerk, Bremsen, Lichtanlage, Innenraum sowie Karosserie.

Die Qualität entspricht damit weitestgehend dem Grundmodell. Die Besichtigung kann also überwiegend gemäß Checkliste vor sich gehen.