Staatskarossen für Untertanen

Kaufberatung: 20 Jahre alte Luxus-Limousinen

Der Staatschef, das bin ich

Staatskarossen für Normalbürger: Die Luxuslimousinen der 1990er-Jahre sind heute entwaffnend günstig. Doch Wartungs- und Reparaturkosten der damaligen Hightech-Produkte können den Zeitwert schnell übersteigen.

 
 
  • 20 Jahre alte Luxuslimousinen bieten noch heute hohen Komfort und Status.
  • Was auf dem Markt angeboten wird, hat zumeist sehr hohe Kilometerstände.
  • Das muss nicht schlecht sein, sofern regelmäßige Wartung belegbar ist.

 

Einmal 7er, S-Klasse oder XJ fahren

Die Mode mag derzeit SUV und Kombi den Vorzug geben – doch wer Rang und Namen hat, fuhr und fährt Oberklasse-Limousine. Das möchten Sie auch? Während die Staatsmänner und -frauen der 1990er-Jahre längst in Pension sind, fahren diese Autos noch heute.

Die Suche bei mobile.de zeigt es: Da stehen sie zu Hunderten, die fette Mercedes S-Klasse W140, bekannt als Staatskarosse vom Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, und all die anderen: Audi A8, Jaguar XJ12, Lexus LS400, VW Phaeton und weitere Premium-Produkte dieser Ära.

Autos, deren Motorisierung auch heute noch beeindruckt, mit allen erdenklichen technischen Finessen ausgestattet und dazu noch mit einem beeindruckenden Erscheinungsbild, das sich in einer wuchtigen Front ausdrückte. Bescheidenheit gehörte nicht zu den Tugenden dieser Klasse (und Epoche).

Ledersitze, Holzverkleidung, Autotelefon

Ganz ohne den Etat eines Ministeriums kann man sich eines dieser Fahrzeuge leisten, zumindest in der Anschaffung. Denn der Wertverlust hat die einst sechsstelligen Summen, die diese majestätischen Modelle einst kosteten, längst drastisch reduziert.

Was dagegen anhält: Der Fahrkomfort, den diese Dickschiffe auch heute bieten: Neben riesigen Motoren mit sehr viel Leistung ist das eine Ausstattung, die an Fünf-Sterne-Hotels erinnert: Feine Ledersitze und ein Interieur aus Wurzelholz etwa sind Serie, mitunter auch ein C-Netz-Autotelefon als Techno-Deko, damals höchst exklusive elektronische Assistenten und ein üppiges Platzangebot auf allen Sitzen. So ein Auto zu fahren hat seinen ganz eigenen Reiz.

Welche Modelle in Frage kommen, und was sie heute bei mobile.de kosten, sehen Sie in der => Bildergalerie.

Protziger Wohlstand, ungeschminkt

Die Auswahl ist überwältigend, zeigt eine kurze Stichprobe bei mobile.de: Wer die Werte „ab 150 PS” und „bis 10.000 Euro” eingibt und das Suchfeld zudem auf Limousinen mit frischer Hauptuntersuchung („HU neu“) aus den Baujahren 1990 bis 2005 begrenzt, stößt in Deutschland auf ein Angebot von immerhin rund 2.000 Autos. Beispiele gefällig?

Da wäre die bereits legendäre Mercedes S-Klasse, Baureihe W140. In dem Dickschiff (Leergewicht zwei Tonnen) ließen sich in den 1990er Jahren die oberen Zehntausend chauffieren. Dennoch passte sie anfangs nicht auf die Autotransportwagen der DB – problematisch, wenn ein Wochenendtrip zum Hummercocktail nach Sylt anstand.

Für Liebhaber gilt der W140 als so etwas wie der letzte Vollfett-Benz, weil es die letzte S-Klasse war, die vor der Pleite-Fusion von Daimler und Chrysler gebaut wurde. Und weil es die letzte S-Klasse war, die protzigen Wohlstand derart ungeschminkt zur Schau stellen durfte.

Hohe Laufleistung ist die Regel

Heute stört ihr Anblick keinen mehr, dafür ist sie im Straßenbild einfach zu selten geworden. Aber es gibt sie, nämlich bei mobile.de: Vor 20 Jahren lag der Einstiegspreis für einen S 500 mit Achtzylinder bei fast 140.000 DM. Heute gibt es den Edel-Benz schon für gut ein Zehntel des damaligen Neupreises. Klimaautomatik, Soundsystem, Tempomat: Der S 500 zum Beispiel, der in Baden-Württemberg angeboten wird, lässt kaum Wünsche offen. Allerdings ist der Wagen auch schon 215.266 Kilometer gelaufen, Getriebe und Motor wurden bereits ausgetauscht.

Das ist kein Einzelfall, denn hohe Kilometerstände sind bei Oberklasselimousinen die Regel. „Derartige Fahrzeuge wurden zumindest vom Erstbesitzer im Regelfall gewerblich genutzt (etwa als Dienstwagen) und weisen somit hohe Gesamtlaufleistungen auf“, sagt Kfz-Ingenieur Peter Deuschle, der sich auf die Begutachtung klassischer Fahrzeuge spezialisiert hat.

Sogenannte => „Uhus“, also Autos mit unter 100.000 Kilometer auf dem Tacho, gibt es innerhalb dieser Fahrzeuggruppe nur noch in Einzelfällen. Wer glaubt, fündig geworden zu sein, sollte sich die geringe Laufleistung also auf jeden Fall durch ein lückenloses Scheckheft nachweisen lassen.

Vorsicht vor hohem Wartungsstau

Nun müssen hohe Kilometerstände bei Luxuslimousinen kein Kaufhindernis sein. Die Sechs-, Acht- oder sogar Zwölfzylinder-Motoren der Premiummarken sind sehr langlebig. „Leider haben viele der angebotenen Fahrzeuge zum Teil erheblichen Wartungs- und Reparaturstau“, sagt Youngtimer-Experte Deuschle. Denn ihr verhältnismäßig geringer Marktwert lockt oft Käufer an, deren Budget nur für die Kaufsumme reicht. Laufende Wartungs- und Instandhaltungskosten werden aufgeschoben – mit der Folge, dass die einstige Luxus-Limo bald zur Bruchbude wird.

Bei einem alten Volvo oder Opel lässt sich Reparaturstau verhältnismäßig leicht beheben, weil die Ersatzteile in der Regel günstig sind. Anders sieht es bei einem Jaguar oder Mercedes aus: Bei einer S-Klasse bewegen sich auch die Reparaturkosten auf S-Klasse-Niveau. So kann sich der geringe Einkaufspreis leicht vervielfachen. Hier ein paar Beispiele:

Luxuslimousinen wie S-Klasse oder auch Audi A8 werden in der Regel mit Automatikgetriebe geordert. Deren Reparatur beziehungsweise Austausch ist deutlich teurer als beim Schaltgetriebe. „Beim Audi A8 kostet es sogar das Drei- bis Vierfache, also 6.000 bis 8.000 Euro“, sagt Deuschle.

1.000 Euro pro Stoßdämpfer

Die Luxus-Limos haben zumeist bereits eine Klimaautomatik an Bord. Doch nach 15, 20 Jahren geben Verdampfer und Wärmetauscher häufig den Geist auf. Um eine Klimaautomatik zu erneuern, müssen in der Regel das komplette Armaturenbrett und ein Großteil der Innenausstattung ausgebaut werden. Während der Ersatz einer Klimaanlage im Opel oder Volvo circa 1.500 Euro kostet, muss man bei einem 7er BMW mit 3.000 Euro und mehr rechnen.

Auch vermeintlich harmlose Reparaturen wie der Austausch von Stoßdämpfern können bei der Oberklasse unerwartet ins Geld gehen. Einfache, hydraulische Dämpfer kosten etwa zwischen 100 und 200 Euro – ganz gleich, ob man einen Opel, Jaguar oder VW Phaeton fährt. Hat man aber elektronisch geregelte Hightech-Systeme an Bord wie manche Mercedes S-Klasse oder auch ein BMW 7er, kostet der Ersatz 1.000 Euro – pro Stück, wohlgemerkt.

Im Grunde lässt sich das Kostenrisiko auf eine einfache Formel bringen: Je mehr technischer Schnickschnack verbaut ist, desto größer ist die Gefahr folgenschwerer Defekte. Selbst talentierte Hobby-Schrauber stoßen da schnell an ihre Grenzen. „Oberklasselimousinen sind mit recht komplexen Vollausstattungen ausgerüstet – zur Fehlersuche in den elektronischen Regelsystemen ist mehr als eine Prüflampe notwendig“, unterstreicht Kfz-Ingenieur Peter Deuschle, der privat selbst einen Mercedes W140 aus einer Zeit fährt, als es im Fernsehen noch den „Bericht aus Bonn” gab.

Nur Fahrzeuge mit frischer HU kaufen

Wie aber findet man ein gutes Fahrzeug? Das Prädikat „HU neu“ ist schon einmal ein gewichtiges Indiz dafür, dass der Wagen zumindest technisch in ordentlichem Zustand ist. Bremsen, Beleuchtung, Unterboden – all das wird bei der Hauptuntersuchung geprüft.

Von vermeintlichen Schnäppchen mit ein, zwei Monaten „Rest-TÜV“ sollten Laien dagegen die Finger lassen – oder wenigstens einen Experten zur Fahrzeugbesichtigung mitnehmen, der sich mit der Materie auskennt.

Empfehlenswert sind zudem Wertgutachten vom mobile.de-Partner Hüsges oder anderen unabhängigen Prüforganisationen wie TÜV, Dekra oder GTÜ. Ein solches Youngtimer-Gutachten kostet zwischen 150 und 200 Euro und ist grundsätzlich immer zu empfehlen. Ein weiterer Vorteil dabei: Die HU ist hier inklusive.

Lust bekommen auf edle Karossen mit Stil? Eine Auswahl potenter Modelle mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Haiko Prengel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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