Kaufberatung: SUV bis 20.000 €

Wie riskant sind SUV aus 2. Hand?

Safari zum halben Preis

Autos mit Abenteuer-Aroma: SUV liegen weiter im Trend, auch wenn die Hersteller das mit gemischten Gefühlen sehen. Die Verkaufszahlen explodieren geradezu, und auch als junge Gebrauchtwagen sind die klobigen Karren extrem nachgefragt. Welcher ist der Beste für ein Budget von 20.000 Euro?

14. September 2015

Ohne ein SUV im Programm geht heute gar nichts mehr. Mögen Spötter die Freizeitautos in Geländewagenoptik noch so sehr als „Mutti-Panzer“ schmähen, der Käufer schlägt zu.

Für das Jahr 2020 rechnet das Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen (CAR) mit einer Million SUV-Neuzulassungen pro Jahr.

Der Marktanteil dieses Boom-Segments betrüge dann rund 32 Prozent. In Worten: Ein Drittel aller neu zugelassenen Pkw sind Pseudo-Geländewagen.

 

 
 

SUV auch als Dienstwagen angesagt

Und es kann in Zukunft noch mehr werden. Die meisten SUV hierzulande sind mit einem Dieselmotor ausgerüstet. Mit durchschnittlich 115 Cent pro Liter ist Diesel aktuell so günstig wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Berücksichtige man die Inflationsrate, sei der Kraftstoff sogar auf dem Preisniveau von 2004, rechnen die Experten des Center for Automotive Research (CAR) vor. Und der Trend dürfte sich fortsetzen.

Zum einen, weil mit dem Iran nach dem Ende des Embargos ein weiterer großer Anbieter auftritt. Aber auch, weil die Diesel-Nachfrage weltweit eher sinkt – und mit ihr die Preise für den Treibstoff.

Auch gewerbliche Kunden schlagen zu

Bislang lassen sich vor allem Privatkunden mit Neu- oder Gebrauchtwagen von den gesunkenen Betriebskosten locken – im Privatmarkt beträgt der SUV-Anteil 23 Prozent. Künftig dürften laut CAR auch die gewerblichen Kunden stärker zugreifen (derzeit liegt der SUV-Anteil in dieser Gruppe lediglich bei 14,8 Prozent). Auch hier spielen die gesunkenen Betriebskosten eine Rolle.

Längst haben sich die Hersteller darauf eingestellt und bieten in nahezu allen Klassen eine SUV-Variante an. Ehemalige Sportwagenhersteller wie Porsche verdienen einen Großteil ihres Gewinns mit den hochbeinigen Geräten und wer noch keinen hat, möchte schnellstmöglich einen im Programm haben.

Die aktuelle IAA ist ein Spiegel dieses Trends: Fast alle Marken haben sie. Bentley stellt ein Über-SUV vor. Die vergessene Marke Borgward soll mit einem SUV wiederbelebt werden. Selbst Rolls Royce kündigte Überlegungen zu einem SUV an.

Mehr Anhängelast am Haken

Tatsächlich haben SUV mit ihrem – allerdings nur teilweise vorhandenem – Allradantrieb, dem Platzangebot und der guten Übersicht handfeste Vorteile. Als Zugwagen beispielsweise gibt es fast nichts Besseres: So sind sie die einzige Autoklasse, die laut Straßenverkehrsordnung bis zum 1,5fachen des eigenen Maximalgewichts an den Haken nehmen darf. Anhängelasten bis 3,5 Tonnen sind so möglich.

Wenn der Wagen ESP mit Anhängererkennung besitzt (nur neuere Fahrzeuge), hilft der moderne Schleuderschutz ESP beim Fahren: Wird der Anhänger mit dem Zugfahrzeug verbunden, besteht mit diesem eine elektrische Verbindung zur Bordelektrik. Daran erkennt das ESP, dass jetzt ein Hänger angekuppelt wurde.

„Und nicht nur das: Bei manchen Autos wird in diesem Fall auch die Motorsteuerung verändert. Hierdurch wird mehr Drehmoment als im Normalmodus bereitgestellt, so dass das Anfahren beispielsweise am Hang erleichtert wird“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg.

Es droht Ärger mit der EU

Tatsächlich jedoch dürften die wahren Kaufgründe für einen SUV emotionaler Natur seien, legen verschiedene Untersuchungen nahe. SUV transportieren mit ihrem auffälligen Design und der schieren Größe Premium-Charakter und das Versprechen der Hersteller lautet: „Kauf einen SUV und du hast die Freiheit überall hinzufahren wo du nur willst“. So gesehen ist ein SUV der automobile Marlboro-Mann mit dem Versprechen unendlicher Weite.

Die Hersteller sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freuen sie sich natürlich über jeden Kunden, der für das Marlboro-Image einige Tausend Euro mehr auszugeben bereit ist. Andererseits verhageln ihnen die rollenden Dickschiffe aber die CO2-Bilanz. Das CAR-Institut verglich einen VW Golf mit 105 PS sowie seinen fast gleichstarken SUV-Bruder Tiguan mit 110 PS. Ergebnis: Der Tiguan stieß 139 Gramm CO2 pro Kilometer aus und damit rund 30 Prozent mehr als der Golf (99 Gramm).

Das kann reichlich Ärger mit der EU geben. Der hohe Verbrauch und damit der Schadstoffausstoß stehen in Konflikt mit den verschärften Abgasrichtlinien der EU, die bis zum Jahr 2021 einen Grenzwert von 95 g/km vorsehen.

Vorteile sind aber auch Schwachpunkte

Worauf muss man beim Gebrauchtkauf dieser Alleskönner achten? Typspezifisch haben wir das in der Bildergalerie für zehn beliebte Modelle zusammengefasst. Modellübergreifend liegen die Schwächen aller SUV jedoch genau dort, wo sie im Vergleich zu Limousinen oder Kombis ihre Vorteile haben: Erstens bei dem Einsatz als Zugfahrzeug.

Schwere Anhänger belasten den gesamten Antriebsstrang. Bei Exemplaren mit Schaltgetriebe sollte man vor allem die Kupplung darauf prüfen. Dazu legt man den dritten Gang ein und lässt die Kupplung kommen.

Dreht die Kupplung schlicht durch, ohne das der Wagen anfährt, ist das Bauteil bereits stark verschlissen. Im Idealfall geht der Motor sofort aus; „abgewürgt“ nennt man das umgangssprachlich.

Im Gelände steigt der Verschleiß an

Der zweite Vorteil ist die Geländetauglichkeit der SUV. Hier muss man eines beachten: Mit der Geländetauglichkeit der SUV ist es tatsächlich nicht weit her. Das verhindern schon die Reifen, die auf den Straßenbetrieb und mögliche hohe Geschwindigkeiten ausgelegt sind.

Weiß der Vorbesitzer das nicht, kann er sich schwere Schäden am Unterboden einhandeln, weil er die Fähigkeiten seines Autos überschätzt. Daher muss man den Unterboden genauestens auf Schleifspuren oder Dellen absuchen.

Von Audi bis Volvo – die typischen Schwächen zehn beliebter SUV für 20.000 Euro sind in der Bildergalerie zusammengestellt.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund