Kaufberatung: Vernunft-Sportwagen

Überholen, ohne sich zu übernehmen

Die Budget-Boliden

Schatz, das kostet doch nicht die Welt: Gebrauchte Sportwagen gibt es in allen Preis- und Leistungsklassen. Tatsächlich sind einige davon auch im Unterhalt günstig und obendrein zuverlässig! Das mobile.de Magazin stellt die besten vor

12. Mai 2015

Die Vernunft als solche wird völlig überschätzt. Ja, es macht einfach Spaß, in einem engen, lauten, hart gefederten Sportwagen um die Ecken zu flitzen, die direkte Rückmeldung der Lenkung zu erleben – und gut aussehen tut so ein Sportwagen noch dazu.

Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking formulierte es sinngemäß einmal so: Ein Porsche sei etwas, was kein Mensch brauche, aber jeder haben wolle.

Natürlich kann sich diese Unvernunft nicht jeder leisten. Aber überraschenderweise gibt es Sportwagen, die Spaß machen und dennoch nicht die Welt kosten. Sogar ein Porsche ist dabei.

 

 
 

 

Kosten durch Konstruktion

Dass ein besonderer Geschmack auch gerne etwas teurer sein darf als bei einer entsprechenden Limousine, ist klar. Allerdings hat das seine Grenzen, vor allem, wenn es sich um unnötige Ausgaben handelt.

Ein Beispiel: Als vergleichsweise günstig für Ferrari-Modelle darf der 355 gelten, der so um die 70.000 Euro gehandelt wird. Allerdings: Alle zwei bis drei Jahre oder 50.000 Kilometer wird ein Zahnriemenwechsel fällig.

Durch die wenig wartungsfreundliche Konstruktion muss dazu jedes Mal der Motor ausgebaut werden, was Kosten ab 4.000 Euro nach sich zieht!

Spezialwerkstätten erwünscht

Der Nürnberger Stefan Cuntz betreibt seit 1984 eine freie Kfz-Werkstatt, die sich auf die Wartung und Restauration hauptsächlich von Porsche und Lamborghini spezialisiert hat. Zum Thema zuverlässige Sportwagen befragt, erklärt der Experte: „Wichtig ist nicht nur die komplette Wartungshistorie, das Auto muss auch von einem ausgewiesenen Fachmann betreut worden sein.“

Eine der Hauptbeschäftigungen von Cuntz sei es leider, unfachmännische Reparaturen wieder ungeschehen zu machen. Ein Fahrzeug im Originalzustand und ohne Wartungsstau hingegen verursacht generell wenig Aufwand.

Nach Cuntz Erfahrungen könne man unter diesen Bedingungen auch einen Supersportwagen vom Schlage eines Ferrari oder Lamborghini ohne riesige finanzielle Wagnisse bewegen.

Überschätzte Supersportwagen

Die Supersportwagen allerdings sind weithin überschätzt: In der Stadt und oft auch auf der Landstraße haben sie gegen einen engagiert gefahrenen VW Golf GTI, dessen Fahrer Kurven zu nehmen versteht, kaum eine Chance.

Die Boliden sind einfach zu schwer, zu breit und vor allem zu unübersichtlich. In der Beschleunigung und Endgeschwindigkeit auf grader Strecke liegt ihre eigentliche Stärke, auf der Autobahn ihr eigentliches Revier.

Idealer Kompromiss: Hybridsportwagen

Laut Stefan Cuntz sind sogenannte Hybrid-Sportwagen besonders günstig im Unterhalt. Damit werden nicht nur Autos bezeichnet, die wie der BMW i8 auf zusätzliche Elektropower vertrauen, sondern eine Sportwagengattung, die wie der DeTomaso Pantera einen amerikanischen V8 unter der Haube trägt.

Italienisches Design, aber günstige US-Großserientechnik – diese Kombination macht aus Hybridsportwagen ideale Budget-Boliden. Stefan Cuntz: „Doch auch hier muss man aufpassen. Die Technikteile mögen günstiger sein, aber alles andere ist keinesfalls billig“

Selbst aktiv werden

DeTomaso war einst ein glanzvoller Name. Doch wie so viele exotische Manufakturen ist auch diese Marke sang- und klanglos untergegangen. Ob Iso Lele oder Melkus RS 2000: Die Versorgung mit Teilen ist nach dem Untergang der Firma stark vom Fankreis des Autos abhängig. Das sollte man wissen, wie so manches andere auch.

Zu den fatalsten Fehlern beim Kauf von Sportwagen gehört es also, das eigene Umfeld in Hinsicht auf spätere Wartung und Teileversorgung nicht vor dem Kauf gründlich abzuklopfen bzw. ein Netzwerk einzurichten.

Gibt es einen engagierten Markenclub? Liegt eine passende Werkstatt in meinem Umfeld? Mag es in Großstädten für nahezu jede Marke mindestens einen Spezialisten geben, so sieht das abseits der Ballungsräume schon ganz anders aus.

Sportwagen nicht gleich Sportwagen

Sportwagen unterscheiden sich aber nicht nur preislich, sondern auch in ihrer Auslegung. Für den einen mag die sportliche Form allein schon ein Grund sein, um sich einen Sportwagen zuzulegen. Der Ford Capri ist so ein Fall.

Dem anderen kommt es vor allem auf ein Go-Kart-ähnliches Fahrgefühl an – die Elise von Lotus wäre da eine naheliegende Wahl. In der Höchstgeschwindigkeit allerdings fällt sie ab, das ist das Revier von Supersportwagen á la Ferrari Testarossa oder Lamborghini Gallardo.

Neben den Vorschlägen in der Bildergalerie gibt es natürlich noch viele weitere Vernunft-Sportwagen, die als günstig und zuverlässig gelten können. Dabei gilt es jedoch einige grundsätzliche Dinge zu beachten. Sie sollten sich immer ausgiebig über das jeweilige Modell informieren. Die Mitgliedschaft in einem Markenclub kann viel Ärger ersparen. Denn nicht jeder als günstig geltende Sportwagen ist es im Reparaturfall tatsächlich.

Modellbezogen suchen

Das beste Beispiel hierfür ist der Porsche 924. Das Grundmodell gilt als anspruchslos, aber das hört schnell auf, wenn man sich einen der seltenen und viel anfälligeren 924 Turbo zulegt.

Umgekehrt ist es beim Porsche 912: Der seinerzeit als Spar-Porsche vorgestellte Vierzylinder, parallel zum Ur-911er gebaut, ist in der Wartung kaum billiger als ein echter 911er, denn Karosserie- und Fahrwerksteile ebenso wie Interieur ist identisch mit der Vollversion.

Ganz anders wiederum die schon erwähnte Lotus Elise: Dank zuverlässiger Technik und Großserienmotoren von Renault oder Toyota gilt sie als Musterbeispiel eines günstigen Sportwagens schlechthin, über alle Typen und Motorisierungen hinweg.

Mit Unfallschaden: Finger weg!

Die Elise widerlegt somit – als einer von wenigen britischen Roadstern – auch Spötter, die den Namen Lotus in „Lots of trouble, usually serious“ auflösen (zu Deutsch: Jede Menge Ärger, meist gravierender).

Das positive Bild ändert sich allerdings schlagartig, sobald der Lotus einen Unfall hatte. Das Chassis der Elise wurde auch als Unterbau für den Opel Speedster, den Melkus RS 2000 und sogar den Elektrosportwagen Tesla Roadster genutzt.

Allen gemein ist, dass der Hersteller Lotus keine Werksvorschrift für eine Reparatur des Chassis nennt. Im Falle eines Unfalls kann das sehr teuer werden. Ein paar tausend Euro sollte man nach dem Kauf noch auf der Hohen Kante haben. Trotz aller Vorsicht lässt sich eine Reparatur nie ausschließen.

Mehr bezahlbare Sportwagen mit (relativ) niedrigen Unterhaltskosten und ihre aktuellen Preise in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund