Kaufberatung: Alternativen zum Golf

Es muss nicht immer ein VW sein

Für mehr Auto-Vielfalt

Er ist seit langem des Deutschen liebstes Auto: der VW Golf. Leider jedoch als Gebrauchtwagen ziemlich teuer – und in seiner legendären Ausgewogenheit irgendwie auch ein bisschen langweilig, finden Sie nicht? Hier eine Auswahl von haltbaren Alternativen zum Bestseller

29. April 2015

Der Golf von Volkswagen ist eine echte Erfolgsgeschichte: Für seine Liebhaber ist er „DAS Auto“, weltweit ist der Kompaktwagen aus Wolfsburg (da wird er tatsächlich noch gebaut) in allen sieben Generationen die meistgebaute Modellfamilie.

Viele Importeure oder einheimische Konkurrenten wie Ford und Opel hatten und haben da das Nachsehen. Der Golf hängte sie nach Stückzahlen einfach ab. Aber ein Auto für die Massen unterliegt eben auch zwangsläufig dem Massengeschmack.

Individualismus kann man da getrost vergessen. Golf, das ist Konfektionsware – auf höchstem Niveau zwar, aber doch auf den ersten Blick erkennbar. Viele Menschen verlassen sich auf den guten Ruf des Marktführers, doch andere langweilen sich.
 

 
 

 

Auch gebrauchte Golf sind ziemlich teuer

Doch es gibt wesentlich handfestere Gründe, sich nach einer Alternative umzuschauen: Der VW Golf ist nicht nur als Neu-, sondern auch als Gebrauchtwagen ziemlich teuer.

So muss man für ein Exemplar mit dem beliebten 2.0 TDI-Dieselmotor aus dem Jahr 2011 laut der Deutschen Automobil Treuhand noch gut 16.400 Euro bezahlen. Der ungewöhnliche Honda Civic mit 2.2-Liter-Dieselmotor kostet dagegen nur 12.000 Euro.

Ein Ford Focus des gleichen Baujahres ist gar für mehr als ein Drittel weniger, nämlich durchschnittlich 10.700 Euro zu haben. Für Skeptiker: Nach den aktuellen HU-Statistiken sind diese Modelle kaum wesentlich schlechter als der Marktführer.

Ausgewogenheit ist sooo monoton

Der kompakte Honda ist auch ein gutes Beispiel für den anfangs genannten Grund, sich eben aus Geschmacks-Gründen keinen Golf zu kaufen. Der mutig gestylte Civic ist einfach anders, ihn trifft man nicht an jeder Straßenecke.

Gilt der Golf als Meister der Unauffälligkeit und deshalb als Sieger nahezu aller Vergleichstests (und als mobile Monotonie), so kreieren sich viele Importeure ihre eigene Mischung. Der Ford Focus wird eher Sportfahrer ansprechen, wohingegen der Skoda Octavia mit einem besonders guten Platzangebot überzeugt.

Aber muss man die Abkehr vom Golf mit höherem Pannenrisiko bezahlen? Im Jahr 2014 musste der ADAC nach eigenen Angaben immerhin knapp vier Millionen Mal Pannenhilfe leisten. Da wäre es schon wichtig zu wissen, was die Schwachstellen der Alternativen sind. Diese finden Sie für jedes Modell in der Bildergalerie. Ansonsten aber lässt sich feststellen, dass die Autos an sich immer zuverlässiger geworden sind.

Schwere Mängel in der Kompaktklasse selten

Allein 700.000 Hilfsdienste des ADAC waren auf die Pannenursache Nr. 1, eine defekte oder entladene Batterie, zurückzuführen. Auch Schäden an Reifen und Rädern gingen mit 139.000 Fällen in die Pannenstatistik ein.

Das jedoch sind Mängel, die kaum in Zusammenhang mit einem bestimmten Automodell stehen. Auch sind die meisten Pannen von Fachleuten anscheinend vergleichsweise einfach zu beheben.

Nach eigenen Angaben schaffte der ADAC in über 85% aller Fälle, dass der Autofahrer die Fahrt fortsetzen konnte und ein Abschleppen in die Werkstatt unnötig war.

Auch der Golf ist nicht perfekt

Der VW Golf ist zwar ein haltbares, störungsfreies Auto. Aber weder die HU-Prüfer TÜV und Dekra noch die Pannenstatistik des ADAC stellen ihm Überflieger-Zeugnisse aus. Mit anderen Worten: Auch der Golf ist nicht perfekt.

Unter anderem fielen beim Marktführer negativ auf: ein gestörtes Motormanagement (Benziner und Diesel bis 2010), defekte Scheinwerfer (bis 2009), eine verstopfte Abgasrückführung (Diesel 2009 bis 2010), zugesetzte Partikelfilter verstopft (bis 2011) oder eine blockierte Wegfahrsperre.

Keiner der genannten Defekte ist ein gravierendes Problem. Dennoch sollte man sich darüber im Klaren sein: Auch dieses Auto kann mal liegenbleiben. Und ist damit ein Auto wie viele andere auch.

Achten Sie auf den Zustand der Räder

Hinzu kommt: In der Kompaktklasse als wachstumsstärkstem Segment müssen Käufer auf fast nichts mehr verzichten. Egal für welchen Konkurrenten man sich entscheidet: Eine hohe Fahrzeugsicherheit und alle möglichen Motorisierungen oder Assistenzsysteme sind in der „Golf-Klasse“ inzwischen angekommen.

Das beste Beispiel hierfür sind die Golf-Alternativen von Mercedes (A-Klasse) oder BMW (1er): Wenn sich die so genannten Premiumhersteller derart stark engagieren, zieht das das ganze Niveau der Fahrzeugklasse in die Höhe.

Die besten Alternativen zum Golf in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund