Kaufberatung: Mittelklasse bis 15.000 €

Weder zu groß noch zu klein

Autos für die Mitte

Die Mittelklasse ist so etwas wie der rollende Konsens unter den Autos: im Prinzip für jeden geeignet, weder zu groß noch zu klein. Populäre Vertreter wie der Audi A4 sind allerdings teuer. Was bietet der Markt noch für ein Budget von 15.000 Euro?

21. Juli 2015

Wenn die Mittelklasse eines nicht ist, dann mittelmäßig. Nahezu alle Hersteller decken dieses populäre Segment ab, und das aus gutem Grund: Erstens verkaufen sich diese Autos als Dienstwagen wie geschnitten Brot, und zweitens bekommen Interessenten hier automobile Alleskönner.

Diese Autos sind vernünftig motorisiert, groß genug für alles diesseits des Ikea-Einkaufs und meist gut ausgestattet. Daher ist es überraschend, dass die reine Mittelklasse – also ohne untere und obere Mittelklasse – an Käufergunst verliert.

Verkaufte sie sich laut Kraftfahrt-Bundesamt 1999 noch rund 850.000 Mal und hatte einen Verkaufsanteil von 22,5%, so waren es 2014 noch 380.000 Exemplare und ein Marktanteil von 12,5%.
 

 
 

Die Mittelklasse ist groß geworden

Mit dem Größenwachstum der Mittelklasse-Autos geht einher, dass die Oberklasse eigentlich überflüssig ist. Ein durchschnittliches Mittelklasse-Auto hat heute eine Länge von rund 4,80 Meter, die Kompakt- oder Golfklasse bewegt sich auf 4,30 Meter zu.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der traditionell mit einem großen Innenraum gesegnete Skoda Superb (Länge des gerade abgelösten Modells: 4,838 Meter). Hier haben die Passagiere im Fond ähnlich viel Beinfreiheit wie in der wesentlich teureren Mercedes S-Klasse.

Das hat auch dazu geführt, dass manche Hersteller wie Opel, Citroen oder Ford gar kein Modell der Oberklasse mehr im Programm haben.

Limousinen mehrere tausend Euro billiger

Hier liegt auch eine Möglichkeit zum Sparen. Die meisten Mittelklasse-Autos gibt es neben der traditionellen Limousine zwar auch als Kombi. Diese haben wie der VW-Passat einen riesigen Gepäckraum: Das 2007 vorgestellte Modell kommt auf maximal 1.731 Liter mit umgeklappter Rückbank.

Aber diese Variante ist als Gebrauchtwagen entsprechend der Nachfrage natürlich auch teuer. Wer sich gegen den Kombi und für die Limousine entscheidet, hat immer noch großzügige 565 Liter Platz im Kofferraum, spart aber je nach Motorversion laut DAT rund 2.500 bis 3.000 Euro. Ein starkes Argument gegen den Kombi und für den Kofferraum.

Überdies gibt es auch noch ein technisches Argument für die Limousine: Sie hat wegen der besseren Abschottung des Kofferraumes und des geringeren Resonanzkörpers Vorteile beim Innengeräusch-Pegel, und häufig auch geringfügig beim Verbrauch. Und noch ein letztes Argument gegen den Kombi: Wer eine praktische Heckklappe sucht, muss deshalb nicht zwingend einen Kombi kaufen. Diese Ausstattung gibt es beispielsweise beim Toyota Avensis, Renault Laguna oder dem Ford Mondeo.

Was ist eigentlich Mittelklasse?

Welcher Wagen genau zur Mittelklasse gehört, ist heute ein wenig umstritten. Ursprünglich gab es für die Normalverdiener Kleinwagen, während die finanziell besser gestellten Menschen sich die Oberklasse genehmigten. Dazwischen klaffte ein Loch.

Die Mittelklasse ist also historisch gesehen die dritte Baureihe überhaupt und hieß damals „Neue Klasse“. Der erste Passat, heute mitleiderregend mickrig, gehörte zu diesem neuen Produkt für Aufsteiger. Ein typischer Vertreter ist heute der schon erwähnte Audi A4. Von der Mittelklasse spaltete sich wenig später nach oben die „Obere Mittelklasse“ (Beispiel: Audi A6) und nach unten die Kompaktklasse (Beispiel: VW Golf) ab.

Und das Haarespalten geht weiter: Inzwischen gibt es auch Autos wie den Skoda Superb (obere Mittelklasse) oder den gleichfalls von Skoda stammenden Octavia (untere Mittelklasse), die Grenzgänger zwischen den Segmenten sind. Auch preislich lassen sich die Wagen als Neufahrzeuge kaum vergleichen: Kostet der Skoda Octavia neu rund 20.000 Euro, ist es kein Problem, den Konzernbruder Audi A4 mit ein paar Extras auf über 40.000 Euro zu hieven.

Gut gepflegt und tipp-topp gewartet

Doch Mittelklasse-Autos sind nicht nur unter Privatkäufern, sondern auch als Dienstwagen beliebt. Das bedeutet, dass viele Fahrzeuge Leasingrückläufer sind. Nach Ablauf der Leasingdauer gehen sie zurück an den Händler oder die Leasinggesellschaft. Das kann zum Problem für den Händler werden, denn bei langer Standzeit binden diese Autos viel Kapital. Deshalb drängen diese Autos in den Markt.

Was in Vielzahl vorhanden ist, wird meist günstig angeboten: Die Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ hat Angebote der Händler und Leasinggesellschaften stichprobenartig geprüft. Ergebnis: Bei einem Audi A6 Avant ließen sich rund 5.000 Euro im Vergleich zu anderen Angeboten sparen, beim Passat waren es 4.500 Euro und der BMW 3er als Limousine stand für 4.000 Euro günstiger da.

Jürgen Wolz, Technischer Leiter beim TÜV Süd: „Man kann hier leicht an ein nahezu neuwertiges Fahrzeug kommen. Durch das immer häufiger werdende Full-Service-Leasing, bei dem auch die Reparaturkosten enthalten sind, lassen die Besitzer ihre Wagen bei Problemen immer schnell reparieren“. Ehemalige Dienstwagen lassen sich auf mobile.de zwar nicht suchen. Doch wer beim Anbieter nachfragt, erhält sehr schnell die richtige Auskunft.

Was für Mittelklasse-Modelle mit welcher Ausstattung bekommen Sie für ein Budget von 15.000 Euro?

Die Bildergalerie zeigt, was der Markt zum Preis bietet – und wo Sie genauer hinsehen sollten.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund