Kaufberatung: Kleinstwagen

Was taugen die flinken Zwerge im Alter?

Kurz und gut

Sie sind die Helden der engen Innenstädte: Kleinstwagen kommen auch dort noch durch, wo SUV oder fette Limos längst steckenblieben: Sie mogeln sich lässig an Zweite-Reihe-Parkern vorbei und finden selbst einen Parkplatz, wo kein Hase mehr hoppeln kann. Aber welcher der kleinen Flitzer ist auch nach Jahren intensiven Gebrauchs der beste Kauf?

18. Mai 2015

Ob als Lieferdienst oder in der Seniorenpflege: Wer schnell und ohne große Parkplatzsorgen durch die Stadt kommen will, der setzt in den meisten Fällen auf einen Kleinstwagen. Meist genügt ein solcher wie der Smart ForTwo für die Fahrt zum Einkaufen oder in den Kindergarten, um den Nachwuchs abzugeben.

Allerdings nur Einzelkinder: Der Smart bietet nur zwei Sitzplätze und einen winzigen Kofferraum. Auch der Toyota iQ, 2008-2014 als eindeutige Herausforderung für den Smart gebaut, hat nur drei Sitzplätze (plus ein Notsitz für Kleinkinder). Andere Kleinstwagen wie der Citroen C1 (baugleich mit Peugeot 107 und Toyota Aygo) haben immerhin die Möglichkeit, vier Erwachsene und etwas Gepäck unterzubringen.

Langstreckentauglich sind sie dabei jedoch kaum. So gut sie in der Stadt sind, so nervig können Überlandfahrten damit sein. Und auf der Rückbank haben ausgewachsene Menschen spätestens nach 30 Minuten Knieschmerzen.

 

 
 

 

Langstrecke macht keinen Spaß

Hinzu kommt der mangelnde Komfort: Der kurze Radstand dieser Wägelchen sorgt dafür, dass Unebenheiten kaum vom Fahrwerk weggefiltert werden können – die schlecht gedämmten, sägenden Motörchen wie etwa im Renault Twingo lassen Vollgasetappen auf der Autobahn nur relativ kurz zu.

Das ist also der Preis, den Käufer in diese Fahrzeug-Kategorie aus zweierlei Gründen zahlen müssen: 1. Kleinstwagen haben schon deswegen billig zu sein, weil die Marge für die Autohersteller sehr gering ist. In keinem anderen Segment wird so wenig Geld verdient, deshalb wird gerne mal auf günstige, weil abgeschriebene Technik zurückgegriffen.

2. Kleine Autos haben buchstäblich viel weniger Platz für Komfort, z.B. Schalldämmung, Knautschzone, Ergonomie. Kleinstwagen sind also immer ein Kompromiss. Doch dort, wo die (Parkplatz-)Not herrscht, kann so ein Kompromiss eben höchst attraktiv erscheinen.

Kurzstrecken setzen dem Auto zu

Was tut man seinem Auto mit häufigem Kurzstreckenverkehr an, was könnten typische Mängel sein? Das mobile.de Magazin fragte Arnulf Thiemel von ADAC-Technikzentrum: „Häufiger Kurzstreckenverkehr bis zu fünf Kilometern Fahrstrecke mit verschleißfördernden Kaltstarts kann für die Technik des Fahrzeugs tatsächlich belastend sein.“

Es könne laut Thiemel daher auch zu erhöhtem Wartungsbedarf wie beispielsweise verkürzten Ölwechsel-Intervallen kommen. Doch dagegen kann man etwas tun: „Man sollte dann am Wochenende oder zwischendurch immer mal eine längere Strecke fahren. Das gilt vor allem für Diesel. Im extremen Kurzstreckenbetrieb kann sich sonst der Partikelfilter zusetzen und man muss öfters Regenerationsfahrten durchführen.“

Entscheidend ist für den Experten jedoch die Fahrweise des Vorbesitzers: „Wer moderat und vorausschauend fährt, in der Stadt die Motorbremse nutzt und nicht zu stark beschleunigt, kann den Verschleiß des Fahrzeuges deutlich senken. Nebenbei sinkt damit auch der Verbrauch.“

Sichtprüfung der Bremsen

Doch wie soll man herausfinden, welchen Fahrstil der oder die Vorbesitzer gepflegt haben? Hier hilft vor allem Beobachtungsgabe: Ein Kleinstwagen mit seinem von vornherein geringen Wiederverkaufswert kann die Achtsamkeit des Eigentümers kaum verbergen – die Wahrscheinlichkeit, dass der Zwerg vor dem Verkauf noch teuer aufgefrischt wurde, ist gering.

Somit sehen Sie also schon an verkratzten oder rissigen Stoßfängern, verbeulten Türen und allgemein der gesamten Karosserie, wie sorgfältig der Besitzer mit seinem Gefährt umgegangen ist. Das erlaubt zumeist auch einen – sehr vorsichtigen – Rückschluss auf den Verschleiß nach dem Motto: Wer sein Auto tritt wie einen alten Fußball, rumpelt auch skrupellos die Bordsteine hoch und gibt bei kaltem Motor eiskalt Vollgas. Sicher, das ist ein Klischee – haut aber regelmäßig hin.

Wirklich belastbare Fakten erhalten Sie nur beim Blick auf die Teile selbst. Das ist bei Kupplung und Motor unmöglich, immerhin der Abnutzungsgrad von Bremsbelägen bzw. Bremsscheiben lässt sich bei einer Sichtprüfung ermitteln. Grundsätzlich empfiehlt sich ein Gebrauchtwagen-Check bei einer Prüforganisation wie TÜV, KÜS, Dekra oder anderen.

Luxus geht oft schief

Warum eigentlich gibt es selten Luxus im Kleinwagen? Nur weil ein Auto klein ist, muss es ja nicht wenig Wert haben oder darf keinen Luxus bieten. Doch es gelingt nur in ganz wenigen Fällen, mit Kleinstwagen auch etwas Luxus auf die Straße zu bringen.

Was BMW mit seinem (ziemlich großen) Mini noch gelang, geht anderswo meistens schief. Zuletzt musste dies Aston Martin erfahren: Der Hersteller edler britischer Sportwagen brachte 2011 den Cygnet auf den Markt. Edles Leder und vieles mehr aus der Oberklasse zierte den Innenraum.

2013 war schon wieder Schluss. Statt geplanter 4.000 Stück pro Jahr wurden insgesamt nur 150 Stück abgesetzt. Der damalige Neupreis in Deutschland: ab 37.995 Euro. Das war natürlich ein starkes Stück, denn auch der kleine Aston Martin ist ein Kooperationsprodukt: Die technische Basis lieferte Toyota mit dem inzwischen eingestellten Modell IQ. Damaliger Neupreis des Toyotas: ab 12.700 Euro.

Fiat macht sich selbst Konkurrenz

Mangelt es an Mitbewerbern, kann sich ein Hersteller natürlich auch kurzerhand selbst Konkurrenz machen. So geschehen bei Fiat.

Der italienische Konzern hat mit dem Motto „Aus eins mach zwei“ sogar gutes Geld verdient: Der (angebliche) Frauenschwarm, das Retroauto Fiat 500, steht ab 12.250 Euro in der Neuwagen-Preisliste.

Schon ab 9.490 Euro gibt es jedoch einen gleich großen Fiat – den Panda. Und dieser stellt nicht nur die technische Basis für den 500 dar, sondern ist auch noch ein ganzes Stück praktischer. Dafür sieht er nicht ganz so knuffig aus. Geld oder Style, das zählt eben manchmal auch bei Kleinstwagen.

Weitere wendige Kleinstwagen für die Innenstadt und ihre Problemstellen als Gebrauchtwagen in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund