Staatskarossen zum Kleinwagenpreis

Kaufberatung gebrauchte Luxuslimousinen

Für eine Handvoll Euro

Wer träumt nicht davon, in einer exklusiven Mercedes S-Klasse, einem 7er BMW oder einem VW Phaeton durch die Landschaft zu cruisen? Ein paar Jahre alt werden die Luxusmodelle zu echten Schnäppchen. Aber natürlich gibt es einiges zu beachten, damit der Käufer nicht reinfällt
 

 
 
25. September 2015

Reisen wie Gott in Frankreich kann man bei vielen Automarken. Auch wenn Volumenhersteller wie Opel, Renault, Peugeot oder Ford sich bereits vor Jahren aus der ersten Liga verabschiedet haben, ist das Angebot an Luxuslimousinen größer denn je. Mercedes S-Klasse, 7er BMW, Audi A8, VW Phaeton oder Jaguar XJ - kaum eines dieser Modelle lässt irgendwelche Wünsche in Sachen Ausstattung und Komfort offen.

Wer die höheren Unterhaltskosten, etwaig anstehende Kundendienste und Reparaturen im Blick hat, kann hier so manches Schnäppchen machen. Mehr Auto für weniger Geld ist kaum zu bekommen. Egal für welche Nobelkarosse man sich entscheidet.

Doch mehr als sonst gilt in dieser Klasse auf einen perfekten Pflegezustand und eine lückenlose Servicehistorie zu achten; sonst kann es nach ein paar tausend Kilometern böse Überraschungen geben. Im Unterhalt sind die Staatskarossen für jedermann sonst oftmals echte Groschengräber.

Selten, aber günstig: Lexus LS 460

Besonders günstig sind dabei die Luxuslimousinen der ausländischen Hersteller. Ein seltener Lexus LS 460 glänzt neu wie gebraucht mit seinem grenzenlosen Reisekomfort, vier klimatisierten Einzelsitzen und einem sahnigen V8-Triebwerk, der im Fahrtwind nur leise säuselt. Das 381 PS starke Kraftpaket mit 4,6 Litern Hubraum ist auf der Autobahn kein Rennwagen, aber mehr als souverän motorisiert.

Die wenigen hundert Fahrzeuge, die in Deutschland seit 2005 verkauft wurden, stehen zumeist da, wie aus dem Ei gepellt mit kompletter Servicehistorie und einer Ausstattung, die einem die Sinne raubt. An den Realverbrauch von 14 Litern sollte man sich gewöhnen und auch die anstehenden Inspektionen sind nicht günstig.

Doch exzellente Exemplare gibt es mit ein wenig Handeln und einer Laufleistung von deutlich unter 100.000 Kilometern bereits für kaum mehr als 20.000 Euro. Die Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist winzig – wer Glück hat, ersteht vielleicht sogar eines der wenigen Modelle mit Allradantrieb. Der Neupreis lag bei 80.000 Euro.

Sparsamer Brite: der gebrauchte Jaguar XJ

Ein echter Kauftipp ist der Jaguar XJ. Das aktuelle Modell bekommt zum Jahresende eine Überarbeitung. Aktuell sind die Gebrauchtwagenpreise für die Luxuslimousine aus Großbritannien im Keller wie selten zuvor. Ein Modell aus den Jahren 2010 / 2011 ist mit einer Laufleistung von rund 100.000 Kilometern bereits für 30.000 Euro zu bekommen. Begehrtestes Triebwerk ist der drei Liter große Commrail-Diesel mit 202 kW / 275 PS, jeder Menge Dampf und einem Alltagsverbrauch von neun Litern Diesel.

Im Innern gibt es ein animiertes Cockpit, Leder und Holz im Überfluss sowie auf Wunsch sogar eine Einzelsitzanlage im Fond. Wer sich mit dem polarisierenden Design des aktuellen Modells nicht anfreunden kann oder wer deutlich weniger Geld ausgeben will, könnte sich problemlos in den Vorgänger mit seinen barocken Formen vergucken.

Ein Modell im zeitlosen dunkelgrünmetallic mit beigem Leder und allerhand Komfort kostet aus dem Jahre 2008 mit einer Laufleistung von 120.000 Kilometern weniger als 15.000 Euro. Der V6-Commonrail-Diesel aus dem Hause PSA mit 2,7 Litern Hubraum leistet allemal ausreichende 152 kW / 207 PS. Reicht für Tempo 230 und lockt mit einem Verbrauch von unter neun Litern.

Das unbekannte Luxusauto: VW Phaeton

Mit dem Phaeton wollte Volkswagen das Tor zur Luxusliga weit aufstoßen und insbesondere die beiden Aushängeschilder Mercedes S-Klasse und BMW 7er angreifen. Sogar der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ sich Anfang der 2000er Jahre von gepanzerten Versionen des VW Phaeton (zuvor D1) zu Staatsempfängen chauffieren. Die Topmodelle wurden von Zehn- und Zwölfzylindern befeuert.

Auch mehr als zehn Jahre nach seinem Marktstart hat der Phaeton noch immer keinen Nachfolger. Vom deutschen Neuwagenmarkt ist er verschwunden, weil es für die minimalen Stückzahlen zu teuer wäre, das drei Liter große Diesel-Triebwerk auf die strenge Schadstoffstufe Euro6 anzupassen. So wird der Phaeton derzeit nur noch mit einem V8-Benziner für den chinesischen Markt gefertigt. Doch auch nach all den Jahren hat die Luxuslimousine aus der Dresdner Manufaktur nichts von ihrer beeindruckenden Verarbeitungsqualität eingebüßt.

Auf dem Markt sind fast nur noch Phaeton 3.0 TDI mit Allradantrieb, Sechsstufenautomatik und 165 kW / 224 PS verfügbar. Elektrische Sitze vorn, hinten, TV und aller nur erdenklicher Reisekomfort ist sowieso an Bord. Ein zehn Jahre alter Phaeton 3.0 TDI 4motion kostet mit 150.000 Kilometern deutlich weniger als 15.000 Euro. Selbst 2011er-Modelle mit unter 100.000 Kilometern kosten weniger als 20.000 Euro. Ehemals lagen diese bei 70.000bis 100.000 Euro.

Der elegante Bayer: Audi A8

Auf einem ähnlichen Preisniveau bewegt sich die zweite Generation des Audi A8. Etwas sportlicher als der VW Phaeton und je nach Version bis an die 500 PS motorisiert, sind Audi A8 3.0 TDI mit einem Alter von sieben bis acht Jahren durchaus unter 20.000 Euro zu erstehen. Der Innenraum hat nicht ganz die Verarbeitungsqualität wie der VW Phaeton; dafür gibt es im Innern mehr technischen Schnickschnack als bei dem Dresdner.

Der 3.0 TDI mit Allradantrieb ist mit seinen 233 PS die wohl interessanteste Wahl. Er verbraucht bei flotter Gangart rund elf Liter Diesel und bereitet jede Menge Fahrspaß. Weniger überzeugend ist der müde A8 3.2 FSI mit seinen 260 PS und im Unterhalt deutlich teurer kommen einen großen Acht- und Zwölfzylinder.

Wer mehr Leistung will, der dürfte jedoch über den Audi A8 4.2 TDI Quattro nachdenken, der 326 PS stark auf der Autobahn ein echter Spaßmacher ist und ebenfalls in der 20.000-Euro-Liga logiert.

7er BMW gegen Mercedes S-Klasse

Die Platzhirschen BMW 7er und Mercedes S-Klasse sind besonders begehrt und je nach Zustand und Laufleistung auch etwas teurer. Vorteile gibt es insbesondere bei einem etwaigen Wiederverkauf, denn in Sachen Komfort und Ausstattung liegen die Luxuskarossen der verschiedenen Hersteller nahezu gleichauf. Die international zwar erfolgreiche 7er Baureihe des E65 aus der Mitte des vergangenen Jahrzehnts erfreut sich wegen des allzu polarisierenden Designs insbesondere vor der Modellpflege nur einer mäßigen Nachfrage.

Auch nach der Überarbeitung wurde aus dem ausladenden Viertürer kein wirklich schöner Schwan. Besser, man greift daher erst beim Nachfolger F 01 / 02 zu, von dem ein gut erhaltenes 750i-Modell des Jahrgangs 2008 bereits ab 25.000 Euro zu bekommen ist. Ebenso souverän wie luxuriös ist der 407 PS starke mit seinem aufgeladenen 4,4-Liter-V8.

Wer weniger Verbrauch und ähnlichen Komfort möchte, ist mit dem 245 PS starken Dreiliter-Diesel bestens bedient und kommt mit weniger als neun Litern auf 100 Kilometern aus. Das Preisniveau für ein 2010er-Modell beginnt ebenfalls bei 25.000 Euro. Da diese Generation jedoch aktuell ausläuft, könnte sich – je nach Geldbeutel – auch ein neueres Modell lohnen. Hier geht es ab Jahrgang 2012 bei 30.000 Euro los. Kauftipp sind die xDrive-Allradmodelle.

S könnte nicht luxuriöser sein

Aushängeschild der Luxusliga ist nach wie vor die Mercedes S-Klasse. Ein Mercedes S 320 CDI aus den Jahren 2008 / 2009 bieten vorn sowie im Fond grenzenlosen Luxus und Komfort und das bereits ab 20.000 Euro. Der 173 kW / 235 PS starke Commonrail-Diesel ist in europäischen Ländern besonders begehrt. Er ist leise und mit unter zehn Litern Verbrauch auch auf längeren Autobahnpassagen ebenso sparsam wie schnell.

Topmodelle haben einen langen Radstand mit kompletter Fondorientierung inkl. Fernsehen, klimatisierten Sesseln und Kühlschrank. Viele dürften sich für den obligatorischen S 500 mit seinem 5,5 Liter großen Achtzylinder-Sauger und 385 PS erwärmen können, der in Sachen Reisekomfort dank Luftfederung nach wie vor mit den besten mithalten kann.

Hier geht es bei 25.000 Euro los. Ab rund 30.000 Euro gibt zudem die modellgepflegte Version, die jedoch nur leichte Retuschen bietet. Wer will: auch hier gibt es optional Allradantrieb oder den mächtigen V12 des S 600.

Weitere nützliche Hinweise zum Kauf von gebrauchten Luxuslimousinen lesen Sie in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff